25.04.2023

Cannes Lions 2023

Diese Werber fiebern an der Côte d'Azur mit

Statt bisher zwei gibt es nur noch ein Schweizer Get-together an der Werbe-WM in Südfrankreich. Wer packt alles die Koffer? Und wer hat welche Arbeiten eingereicht? persoenlich.com hat bei gut einem Dutzend Agenturen nachgefragt. Klar ist: Einige sind sehr spontan.
Cannes Lions 2023: Diese Werber fiebern an der Côte d'Azur mit
Werden Schweizer Agenturen auf Erfolge an den Cannes Lions anstossen können? Die Chancen sind intakt. (Bild: persoenlich.com)
von Christian Beck

Das 70. International Festival of Creativity rückt näher: Vom 19. bis 23. Juni finden in Südfrankreich die Cannes Lions statt. Schon jetzt ist klar: Die Swiss Party, die in früheren Jahren jeweils am Donnerstagabend und letztes Jahr als Mittagsevent durchgeführt wurde, fällt in diesem Jahr komplett aus. Einer der Gründe: die sehr wenigen Schweizer Teilnehmenden vor einem Jahr. Was bleibt, ist das Swiss BBQ am Mittwochmittag, organisiert vom Schweizer Festivalrepräsentant Weischer.Cinema (persoenlich.com berichtete).

An die Côte d’Azur gereist war 2022 die Agentur Ruf Lanz. «Nachdem wir letztes Jahr zu dritt in Cannes waren, ziehen wir dieses Jahr die Art Basel als Ort der Inspiration vor, die ebenfalls im Juni stattfindet. Frei nach Picasso: Kunst wäscht den Staub des Alltags noch schöner von der Seele als Rosé», so Markus Ruf, Gründungspartner und Creative Director von Ruf Lanz, auf Anfrage von persoenlich.com. Dafür hat Ruf Lanz eine Arbeit an die Côte d'Azur geschickt. «Das Niveau in Cannes ist hoch. Auch das Preisniveau. Dies zwingt zur Reduktion», so Ruf. Deshalb sei nur die aktuelle Kampagne «When art has to travel» für Welti-Furrer Fine Art Transport eingereicht worden.

«Knapp eine Woche der Sonderklasse»

Letztes Jahr ebenfalls an der Croisette flaniert sind Matthias Kiess, CEO von TBWA\Zürich, und Chief Creative Officer Manuel Wenzel. Und wer geht 2023? «Verschiedene von uns. Und wir freuen uns auch darauf», so Kiess. «Es werden dieses Jahr einige mehr sein als auch schon.» So seien wieder, wie letztes Jahr, zwei Gewinnerinnen des Young ADC Award dabei. Ausserdem habe die Agentur einen internen Wettbewerb ausgeschrieben, dessen Prämie die Teilnahme am Lions Festival sein werde. «Letztendlich gibt es verschiedene Gründe dafür: Es ist das grösste Festival in unserer Werbebranche, nicht vergleichbar mit lokalen Events, da sich die Elite hier trifft und die besten Arbeiten zu sehen sind.» Es gebe internationale Meetings, Netzwerktreffen und schöne Freizeitaktivitäten an einem zauberhaften Ort. Kurz: «Knapp eine Woche der Sonderklasse.» TBWA\ hat zudem fünf Arbeiten eingereicht. Ausserdem sitzt Manuel Wenzel in der Shortlist-Jury «Outdoor».

In Cannes wird TBWA\ in diesem Jahr auch auf Kolleginnen und Kollegen von Jung von Matt Limmat treffen. «Wir werden dieses Jahr mit einer kleinen Delegation an die Croisette reisen», bestätigt Luitgard Hagl, Managing Creative Director und Agency Lead von Jung von Matt Limmat. «Wie gross die Truppe genau sein wird, wissen wir noch nicht. Fest steht aber: Unsere fünf Young Talents, die beim ADC Young Creatives Award und beim Young-Lions-Media-Wettbewerb von Weischer.Cinema abgeräumt haben, sind bei den Young Lions mit im Rennen – und wir natürlich mächtig stolz.» Interessant: Arbeiten hat Jung von Matt keine eingereicht. «Wir fiebern mit einem kühlen Glas Rosé – business as usual – mit unseren Young Talents mit», so Hagl.

Auch die beiden Siegerinnen und Sieger des ADC Young Creative Awards von Wunderman Thompson werden nach Cannes reisen, um an den Young Lions mitzumachen. Weitere Teilnehmer sind aktuell nicht geplant. «Nachdem wir letztes Jahr erfolgreich an vielen internationalen und lokalen Awardshows teilgenommen haben, werden wir dieses Jahr weniger einreichen», so Co-CEO und Kreativchef Swen Morath. Auch Arbeiten seien keine eingereicht worden. «Wenn wir einreichen, dann vor allem bei Schweizer Wettbewerben. Es ist einfach viel schöner, wenn im Falle eines Sieges alle Beteiligten, inklusive Kunden, an der Preisverleihung teilnehmen können. Das ist in Cannes aufgrund der grossen Kosten fast unmöglich.»

Übrigens: Im letzten Jahr schickte der ADC Switzerland zwar ebenfalls Youngsters ans Kreativfestival nach Cannes, die Teams konnten aber nicht an der Young Lions Competition teilnehmen. Dieses Jahr aber schon (persoenlich.com berichtete). «Möglich gemacht wird dies durch die Unterstützung der Kategorie-Sponsoren des ADC Young Creatives Awards, der jeweiligen Agenturen Jung von Matt Limmat, Wunderman Thompson und TBWA\ sowie des Schulterschlusses zwischen Weischer.Cinema und dem ADC Switzerland», so Gioia Bozzato, Managing Director des ADC Switzerland.

Ganz auf den Nachwuchs setzt die Serviceplan-Gruppe, die den Fokus und das Budget vollkommen den Youngsters widmen wird. «Im letzten Herbst ist das ‹Spark creative experience›-Programm gestartet, welches allen jungen Mitarbeitenden die Möglichkeit gibt, sich kreativ weiterzubilden. In einem Bewerbungsprozess werden die grössten Talente ausgesucht», so Raul Serrat, Chief Creative Officer und Partner von Serviceplan Suisse. «Vom House of Communication Zurich nehmen dieses Jahr vier Personen aus unterschiedlichen Disziplinen teil – Strategie, Beratung, Copy & Art.» In Cannes finde der Abschluss des Programms statt, wo neben der Cannes-Luft schnuppern auch gearbeitet werde. Die Agentur habe ausserdem zwei Arbeiten am Start: «Die eine Arbeit ist für die Antiquariatsmesse Zürich – eine digitale Aktivierung, damit mehr junge Menschen die Messe besuchen. Die andere Arbeit ist für unseren Kunden Ohhh! Foundation, die sich zum Ziel gesetzt haben, die Stigmatisierung von HIV zu beenden.»

In Cannes dabei, aber inkognito

«Offiziell wird Wirz nicht anwesend sein. Unser Agency Producing wird man aber trotzdem beim Networken antreffen», sagt Lorenz Clormann, Executive Creative Director und Partner bei Wirz. «Dieses Jahr sind wir mit derart vielen Kundenprojekten beschäftigt, dass wir auf eine Teilnahme verzichten.» Jedoch wird eine Arbeit von Wirz ins Rennen um einen Löwen gehen: das Oui/Non-Bier für die Migros als ein trinkbares Symbol für die Demokratie. «Zur kommunikativen Begleitung der polarisierenden Alkoholabstimmung erfanden wir das Bier. Das ‹Non-Bier schaffte es dann in die Regale und war nach zehn Wochen bereits auf Platz zwei im Verkauf der nichtalkoholischen Biere in der Migros», so Clormann.

Die Agentur Freundliche Grüsse lässt alle Optionen offen: «Wir wissen noch nicht, ob wir Last Minute hingehen. Das Airbnb ist schon mal reserviert», so Kreativchef Samuel Textor. «Falls wir gehen, dann als Mini-Delegation. Inspiration, Gespräche, Insights und neue Ideen: Es ist gut, sich das alle paar Jahre zu geben.» Jedes Jahr wäre zu oft – und zu teuer, so Textor. Eingereicht wurde der Fifa-Case «Unplay the Hate» für All Out. Dieser gewann bei den Webby Awards, wie am Dienstag bekannt wurde.

Heimat Zürich hat den Besuch und Einreichungen im Unterschied zu früheren Jahren nicht aktiv in Erwägung gezogen. «Jetzt wo uns eure Fragen daran erinnern, ist es wohl auch etwas spät dafür», heisst es auf Anfrage. Genutzt würden stattdessen die verschiedenen Formate des TBWA-Netzwerks, zu dem Heimat Zürich gehöre. «Die Diskussionen bei regelmässigen und mehrtägigen physischen Events mit den vielen Kolleginnen und Kollegen aus anderen Ländern sind für uns tiefgründiger, ehrlicher und ebenso inspirierend wie ein Besuch eines Festivals. Und kosteneffizienter.»

Ähnlich klingt die Antwort bei Rod Kommunikation: «Wir gehen nicht nach Cannes und wir haben nicht eingereicht», so Mitbegründer David Schärer. Aktuell sei die Agentur stark ins Tagesgeschäft eingebunden und habe die Teilnahme nicht mal diskutiert. «Vielleicht ändert diese Anfrage dies jetzt, und es werden sich zwei Personen noch entscheiden, relativ spontan hinzugehen.»

«Wichtig als Qualitäts-Gradmesser»

Offen ist die Teilnahme auch noch bei Thjnk Zürich. «Momentan ist jedenfalls nichts gebucht. Nicht bewusst, sondern einfach, weil wir noch nicht dazu gekommen sind, eine finale Entscheidung zu treffen, ob es dieses Jahr in unsere Pläne passt», so Alexander Jaggy, Mitgründer und Geschäftsführer Kreation. «Grundsätzlich finden wir die Veranstaltung für die Kreativbranche wichtig als Qualitäts-Gradmesser und als Business- und Inspirationsplattform.» Thjnk Zürich habe die besten Arbeiten eingereicht.

Eine Absage gibt es von Webrepublic. Die Agentur sei aktuell operativ in vielen spannenden Kundenprojekten engagiert, so Co-Gründer und Partner Tobias Zehnder. «Dieses Jahr konzentrieren wir unsere Kapazitäten auf nationale Awards wie den Best of Swiss Web. Dort stehen wir mit vier Cases auf der Shortlist.» Ausserdem sei Webrepublic an verschiedenen kleineren Anlässen vertreten, um so den Austausch in der Branche noch stärker zu verfolgen.



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