Damit die im letzten Jahr lancierte Initiative "Keine Spekulation mit Nahrungsmitteln" so richtig auf Touren kommt, gibt jetzt Solidar Suisse als Partnerin der Juso Vollgas. Und zwar mit einem Viral, der die ganze Problematik auf einfache und überraschende Art auf den Punkt bringen soll.
Ziel der Initiative ist es, dass Schweizer Finanzakteure wie Banken, Versicherungen und Pensionskassen nicht mehr in Finanzinstrumente investieren, die sich auf Agrarrohstoffe und Nahrungsmittel beziehen. Denn bei dieser Form der Profitmacherei würden Preise für Nahrungsmittel weiter nach oben getrieben werden. Hauptbetroffene seien dabei die Ärmsten auf dieser Welt, die bis zu 80 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben müssen, so Spinas Civil Voices. Circa ein Drittel des weltweiten Nahrungsmittelhandels werde über die Rohstoffdrehscheibe Schweiz abgewickelt.
Auf der ebenfalls von Spinas Civil Voices gestalteten Kampagnen-Website www.solidar.ch/spekulation kann man sich der Forderung anschliessen und die Initiative unterstützen.
persoenlich.com hat sich mit Matthias Freuler, Creative Director Spinas Civil Voices, über den Viralspot unterhalten. Das Interview:
Herr Freuler, wo haben Sie genau gedreht?
Mit dem Schweizer Regisseur Alexander Meier wurde dieser Spot in Kapstadt gedreht. Weil man uns von allen Seiten entgegenkam, konnte der Viral schliesslich günstiger in Afrika vor Ort gedreht werden als in der Schweiz in einem Studio.
Wie viel hat die Produktion denn gekostet?
Genaue Zahlen geben wir nicht bekannt. Aber als Anhaltspunkt: der Film hat maximal 1/10 davon gekostet, was Michael Steiner für seinen Economiesuisse- Viral zur Verfügung hatte. Mit andern Worten, er war günstig.
Der Spot erinnert stark an denjenigen für Amnesty International, mit "Blocher", der den Zottel kocht (vgl. persoenlich.com). Ist die bildsprachliche Anlehnung bewusst gewählt?
Nein, überhaupt nicht. Er ist zwar von der gleichen Agentur und dem gleichen Produzenten gemacht worden, aber das ist auch das einzig Verbindende.

Ist nicht ein Problem dieser Spots, dass beim Betrachter letztendlich nur der Witz, das Episodenhafte ("Blocher" kocht Zottel, dem Ferrari-Banker fällt die Kokosnuss auf den Kopf) in Erinnerung, die politische Forderung hingegen auf der Strecke bleibt?
Man muss sich bewusst sein, dass Amnesty, Solidar, aber auch die meisten unserer anderen Kunden wie Heilsarmee, WWF etc. praktisch kein Mediabudget haben. Was heisst, das grosse Geld muss durch eine gute Idee wettgemacht werden. Wenn wir also einen Film drehen, der sowohl online als auch offline Beachtung finden soll, muss er in irgendeiner Art in der Menge auffallen – zum Beispiel mit einer Prise Humor. Dass die politische Forderung dabei auf der Strecke bleiben soll, stimmt nicht. Der Clooney-Viral für Solidar hat über 40'000 Unterschriften gebracht, der Blatter-Viral für Solidar über 30'000 und auch der Ferrari-Banker sammelt bereits wie wild Unterschriften.
Lohnt sich der Aufwand tatsächlich, für einen solchen Spot extra nach Afrika zu reisen und einen Ferrari in die Pampa zu chauffieren?
Auf jeden Fall. Der Viral dient zur Unterstützung der Spekulationsstopp-Initiative und hat ein Ziel: Unterschriften zu generieren. Und das macht er mit Erfolg. Nachdem er erst seit ein paar Stunden auf dem Netz ist, sind bereits fast 5000 Stimmen zusammengekommen. Und noch ein Wort zum Ferrari: Der wurde in Kapstadt gemietet und an einen kleinen Ort gerade mal 30 Minuten ausserhalb Kapstadt gekarrt.
Welche Feedbacks bekommen Sie auf den Spot aus der Finanzbranche?
Auf 20min online haben bei einer Umfrage fast 6000 Leute geantwortet und 150 Personen haben auch gleich noch einen Kommentar abgegeben. Aus der Finanzbranche haben wir bis jetzt noch nicht viel gehört, aber wir freuen uns über jede Reaktion, die den Dialog weiter ankurbelt.
Interview: Benedict Neff
Verantwortlich bei Solidar Suisse: Christian Engeli (Kampagnenleiter), Andrea Arezina (Campaignerin). Verantwortlich bei Spinas Civil Voices: Matthias Freuler, Stephan Huwiler (Kreation), Sarah Wenger, Reinhard Kronenberg (Beratung), Alexander Meier (Regie). (pd)

