16.11.2025

Migros-Weihnachtsspot

«Finn ist viel mehr als nur ein Film»

Ein Kloss im Hals beim Lesen des Skripts, Taschentücher bei der Präsentation – der neue Migros-Weihnachtsspot mit Wichtel Finn bewegt. Jan Kempter von Wirz und Désirée Strassmann von Migros erklären, wie die berührende Geschichte entstand, was Finn erfolgreicher macht als andere Weihnachtsfiguren und wie sie jedes Jahr die nächste Story finden.
Migros-Weihnachtsspot: «Finn ist viel mehr als nur ein Film»
«Unser Wichtel Finn ist da, wo auch unsere Kunden sind, und macht die Migros zu einem magischen Ort»: Jan Kempter, Creative Director bei Wirz, und Désirée Strassmann, Leiterin Campaigning bei der Migros. (Bild: Wirz)

Désirée Strassmann und Jan Kempter, auch in diesem Jahr steht Finn im Mittelpunkt des Migros-Weihnachtsspots (persoenlich.com berichtete). Hand aufs Herz, wer von Ihnen hat geweint?
Jan Kempter: Ich hatte damals beim Durchlesen des Skriptes einen kleinen Kloss im Hals. Das ist immer ein gutes Zeichen – wenn man merkt, dass die eigene Geschichte auch einen selbst berührt, sogar bevor sie überhaupt verfilmt ist. Unterdessen habe ich mich aber etwas immunisiert. Freude habe ich aber immer noch daran.

Désirée Strassmann: Ich war vorbereitet und hatte schon bei der Skriptpräsentation Taschentücher mit dabei. Scheine auch weniger abgebrüht zu sein als Jan – bei mir hält es an. Falls wir ein Umsatzplus bei den Taschentüchern zu verzeichnen haben – das war ich (lacht).

Ich habe bereits im Vorgespräch erfahren, der Film werde «traurig». Wie viel Traurigkeit verträgt es an Weihnachten?
Kempter: Ich finde, eine leichte Melancholie gehört zu Weihnachten dazu. Man denkt in dieser Zeit automatisch an früher. Und an die Menschen, die fehlen. Trotzdem hätte ich den Film eher als sehr berührend beschrieben, nicht als traurig. Ja, es geht um Abschied, aber vor allem ums Weitergeben.

Strassmann: Mich berührt die Geschichte emotional positiv. In diesem Jahr musste ich mich leider auch von jemandem verabschieden. Erinnerungen bleiben, und ich empfinde sie als tröstend. Wenn diese dann noch in Traditionen weiterleben, finde ich das einen sehr schönen und zuversichtlichen Gedanken.

Finn durchläuft alle Lebensphasen – vom Kind über den rebellischen Teenager zum Erwachsenen, der selbst Vater wird. Das klingt nach einem Best-of zum grossen Finale. Ist es das?
Strassmann: Man kann es natürlich als Finale Grande sehen. Aber wer weiss, vielleicht geht es erst jetzt so richtig los …

Was war zuerst da: die Idee mit Vater und Sohn oder der Song «Father and Son»?
Kempter: Das war tatsächlich nahezu gleichzeitig. Noch bevor ich das Skript fertig geschrieben hatte, ging mir der Gedanke durch den Kopf, dass «Father and Son» hier wunderbar passen würde.

Hätten Sie im Jahr 2017, als der erste Wichtel-Spot lanciert wurde, gedacht, dass diese Geschichte acht Jahre lang Bestand haben wird?
Strassmann: Vor dem Kampagnenstart noch nicht – da dominiert diese leichte Nervosität, ob die Idee gefallen wird. Umso schöner, dass wir hier gutes Bauchgefühl bewiesen haben und Finn umgehend die Herzen der Menschen erobert hatte. Der Rest ist Geschichte: So ein Wichtelleben bietet unglaublich viel Potenzial für spannende Geschichten.

Finn war mal einsam unter dem Kassenscanner, dann verliebt, jetzt geht es um Familie. Wie entscheiden Sie, welche Lebensphase Finn als Nächstes durchmacht?
Kempter: Das entscheidet Finn selber. Wir schreiben nur auf, was er uns einflüstert. Nein, wir definieren im Vorfeld verschiedene Themen, die spannend sein oder sich aus der vorherigen Geschichte ergeben könnten. Und dann schauen wir, wo es uns hinzieht.

Das heisst, das wird von Jahr zu Jahr so entschieden – oder steht die ganze Storyline eigentlich schon seit 2017 fest?
Strassmann: Ich weiss nicht, wie viele Geschichten schon in Jans Kopf herumschwirren. Aber wir stürzen uns jedes Jahr neu und unbefangen in die kommende Weihnachtssaison.

Der erste Finn-Spot lief weltweit über 20 Millionen Mal. Spüren Sie bei jedem neuen Film den Druck, das zu toppen?
Kempter: Ich spüre schon einen gewissen Druck. Weniger wegen der Klicks, aber Finn hat unterdessen eine ziemlich grosse Fangemeinde, die ganz genau hinschaut. Mit der möchte ich es mir nicht verscherzen.

«Der TV-Spot ist der emotionale Höhepunkt»

Finns Welt umfasst Hörspiele, Spiele, Social Media. Wie wichtig ist das fürs grosse Ganze – oder ist der TV-Spot das Entscheidende?
Kempter: Der TV-Spot ist der emotionale Höhepunkt. Aber Finn ist viel mehr als nur ein Film. Rund um Weihnachten entsteht eine der grössten Kampagnen des Landes – und da spielt Finn eine wichtige Rolle. Die vielen zusätzlichen Formate sorgen dafür, dass die Menschen ihm immer wieder begegnen und die Marke präsent bleibt. Denn am Ende geht es trotz herzigen Wichteln und süssen «Miips» natürlich darum, dass sich die Leute für die Migros entscheiden.

Was macht Finn erfolgreicher als andere Weihnachtsfiguren im Schweizer Detailhandel?
Strassmann: Ich bin da sicher nicht ganz objektiv, aber für mich ist es die Weihnachtsfigur mit dem grössten Jööö-Faktor überhaupt. Vor allem ist es aber natürlich die Idee. Dass unter jeder Migros-Kasse ein kleiner Wichtel wohnt, ist einzigartig. Es gibt keine andere Figur, die so eng mit dem Supermarkt verbunden ist. Unser Wichtel Finn ist da, wo auch unsere Kunden sind, und macht die Migros zu einem magischen Ort.

Wenn Sie Finn ein Geschenk machen müssten: Was würden Sie einpacken?
Strassmann: Säcke voller Scannercodes. Sobald der kleine Zahlenfresser im Scanmodus ist, flippt er aus vor Freude.

Kempter: Vielleicht mal neue Kleidung? Er trägt ja mindestens seit dem Jahr 2017 immer das gleiche Outfit. Das muss langsam ganz schön müffeln.


Newsletter wird abonniert...

Newsletter abonnieren

Wollen Sie Artikel wie diesen in Ihrer Mailbox? Erhalten Sie frühmorgens die relevantesten Branchennews in kompakter Form.

Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Timo Büchi
18.11.2025 03:54 Uhr
Immer wieder bin ich erstaunt wie sich das Marketing von der Migros in den Himmel lobt während die Konkurrenz die Millionen in bessere Preise und somit in die Kundschaft investiert. Die Migros kennt jeder, wofür Werbung. Eigentlich sollten die Genossenschafter das endlich verbieten diesen Exodus.

Die Branchennews täglich erhalten!

Jetzt Newsletter abonnieren.

Neue Podcast-Folge: Jetzt reinhören