10.10.2012

Matter & Gretener

Fit mit Bewegung & Gemüse

Interview zur Grosskampagne der Gesundheitsförderung.

Mit einer umfangreichen Kampagne - entwickelt von der Zürcher Agentur Matter & Gretener - versucht die Gesundheitsförderung des Kantons Zürich die Bürgerinnen und Bürger zu mehr Bewegung zu animieren. Der Hintergrund: Rund ein Drittel der Zürcherinnen und Zürcher ist übergewichtig. Doch was können Plakate, Banner, Radio- und TV-Spots bewirken? Persoenlich.com befragte die Projektverantwortliche Annett Niklaus.

Frau Niklaus, seit knapp drei Jahren will der Kanton Zürich die Bevölkerung mit einer Plakatkampagne zu mehr Bewegung animieren. Funktioniert das?

Wir wissen aus mehreren Befragungen der Bevölkerung, dass die Zürcherinnen und Zürcher unsere Tipps wahrnehmen und auch umsetzen. Natürlich macht kein Plakat aus einem Bewegungsmuffel einen Marathonläufer. Es kann aber dazu beitragen, Einstellungen zu verändern und die Bereitschaft erhöhen, auch das Verhalten zu verändern.

Worauf haben Sie beim Erarbeiten der Werbekampagne geachtet?

Wir haben darauf geachtet, dass wir der Zürcher Bevölkerung alltagstaugliche Tipps geben, die sie möglichst am Ort und im Moment, wo sie das Plakat sehen, umsetzen können. Z.B. mit dem Plakat im Tram und Bus, das dazu auffordert, eine Station früher auszusteigen.

Bei den auf den Plakaten festgehaltenen Ratschlägen handelt es sich ja um eher banale Tipps. Muss das so sein?

Die Kampagne hat die Förderung des gesunden Körpergewichts zum Ziel: Sie fokussiert demzufolge auf die Themen Ernährung und Bewegung. Wichtig ist dabei, dass nicht ausgefallene Diäten oder intensive Sportprogramme empfohlen werden – die meisten von uns haben schon die Erfahrung gemacht, dass sich solche Vorsätze schnell wieder verflüchtigen und dass vor allem das Portemonnaie schlanker wird. Viel erfolgversprechender sind eine ausgewogene Ernährung über lange Zeit hinweg und genügend Bewegung im Alltag. Die daraus resultierenden Tipps mögen auf den ersten Blick banal erscheinen: Das heisst aber auch, dass sie eher umsetzbar sind. Veränderungen gelingen dann am besten, wenn sie in kleinen, alltäglichen Schritten erfolgen.

Von Politik und Öffentlichkeit ist die Kampagne zum Teil sehr kritisch beurteilt worden. Das positivste Votum eines Fernsehbeitrags war etwa "nützt's nix, so schadet's nix". Ist das nicht ernüchternd?

Der Öffentlichkeit gefällt unsere Kampagne und sie wird als sinnvoll beurteilt. Das zeigen vier externe wissenschaftliche Evaluationen. Von der Politik wurde die Kampagne in der Tat kritisch beurteilt. Wenn Sie aber mal daran denken, wie viele Politikerinnen und Politiker uns vor den Wahlen jeweils von den Plakaten herunter anstrahlen, dann staunt man dann schon etwas, wenn die selben Politikerinnen und Politiker behaupten, Kampagnen nützten gar nichts.