Seit einem guten Monat sind Sie mit Thjnk Zürich an der Arbeit. Was gibt am meisten zu tun?
Beruhigenderweise dasselbe wie in meinem letzten Job: Eine gute Idee zu finden.
Sie waren vorher für die Kreativabteilung bei Jung von Matt/Limmat zuständig – jetzt für die ganze Agentur. Wie ist das für Sie?
Wissen Sie, ich habe mich nie nur als Leiter der Kreationsabteilung verstanden. Mein Interesse galt immer der ganzen Agentur. Ich verfolgte stets einen holistischen Ansatz und hatte engen Austausch mit allen Spezialisten im Haus. Aus diesem Grund ist für mich die Position des Co-Geschäftsführers nicht neu.
Sie kommen von einer Agentur mit 85 Mitarbeitern zu einer mit vier Mitarbeitern. Wie gehen Sie mit dieser Umstellung um?
Da ich mir nicht angewöhnt habe, den süssen Annehmlichkeiten einer Grossagentur zu erliegen und alles für mich erledigen zu lassen, war es für mich keine dramatische Umstellung. Wer mich kennt, weiss dass ich «hands on» bin. Heute bin ich vielleicht ein bisschen mehr Macher als Möglichmacher.
Wer sind die vier Mitarbeiter und woher kommen sie?
Wir planen ab September bereits mit sechs Mitarbeitern. Dazu kommt ein kleines Freelance-Netzwerk aus Kreativen, Digitalen, PR-Beratern und Creative Services. Nach den Sommerferien kann ich dazu mehr sagen.
Sie waren 15 Jahre lang bei Jung von Matt/Limmat. Was läuft in Ihrer neuen Agentur anders?
Naturgemäss profitieren wir von der Schlagfertigkeit und Unbekümmertheit eines Start-ups. Wir freuen uns, mit einer Wunschaufstellung starten zu können, die über viel Branchenerfahrung verfügt. Das bedeutet im Alltag zielgerichteteres Arbeiten bei der Kundenberatung und im Entwickeln von Konzepten.
Welche Kunden haben Sie bereits gewinnen können?
Glauben Sie mir, ich würde Ihnen das jetzt so gerne verraten. Leider ist es noch nicht spruchreif. Auch hier: Nach der Sommerpause sind wir so weit.
Sie waren nicht beim Cannes Lions Festival. Weshalb?
Wir waren in den vergangenen Wochen mit der Gründung der Agentur und mit Präsentationen beschäftigt. So gerne ich da gewesen wäre, es passte zeitlich nicht.
Werden Sie nächstes Jahr selber Arbeiten für Cannes einreichen?
Als Kreativagentur muss dies das erklärte Ziel sein. Dieses Jahr wurden es zwei Löwen. Das gilt es zu schlagen.
Welche weiteren Ziele haben Sie mit Ihrer neuen Agentur?
Wir wollen für kluge Kommunikation stehen. Ideen, die Menschen zum Lachen, zum Nachdenken oder auch mal zum Weinen bringt, wenn es der Sache dient. Davon ausgehend stellen wir hohe Anforderungen an die Produktionsqualität. Wir ordnen jedoch nicht alles bedingungslos dem Erfolg unter. Andrea und ich haben uns zum Ziel gesetzt, einen Ort zu schaffen, wo sich Mitarbeiter und Auftraggeber gerne aufhalten. So etwas wie ein Lieblings-Club.
Wie eigenständig sind Sie in Ihrer Arbeit? Wie häufig kommen Inputs aus Deutschland?
Wir führen die Agentur faktisch wie Inhaber. Da wir beide am Unternehmen beteiligt sind, gibt uns das die nötige unternehmerische Freiheit. Aus Hamburg spüren wir vor allem Vertrauen und Hilfsbereitschaft, uns in allen Belangen zu unterstützen.
Sie spezialisieren sich auf «moderne Markenführung» – was ist darunter zu verstehen? Ist Contentmarketing, das derzeit in aller Munde ist, auch ein Thema für Sie?
Wenn Sie 2016 für die Führung einer Marke verantwortlich sind, stehen Sie vor zwei Herausforderungen: Getrieben von der Digitalisierung müssen Sie mit der Vernetztheit klarkommen. Zudem passiert alles in Echtzeit. In einem Land, in dem wir gerne vorausschauend planen und eine Idee erst dann in den Markt setzen, wenn sie perfekt ist, stehen wir vor einem immensen Kulturwandel. Zur Klaviatur der klassischen Markenführung gehört darum auch Storytelling und Live-Kommunikation. Oder Contentmarketing, wie von Ihnen erwähnt. Marken brauchen heute ein ganzes Ökosystem an Strategien.

