25.04.2003

"persoenlich.com"-Serie "Zur Lage der Nation"

Martin Spillmann

Globalisierung, Konjunkturflaute, Werbeverbote -- wie wirken sich die Rahmenbedingungen auf die Werbung aus? Was ist von Gratis-Pitches zu halten? Und werden Below-the-Line-Aktivitäten in klassischen Agenturen zunehmen? "persoenlich.com" präsentiert in lockerer Folge die Einschätzung wichtiger Exponenten der Branche. Heute: Martin Spillmann (Bild), Kreativchef und Mitinhaber der Zürcher Newcomer-Agentur Spillmann/Felser/Leo Burnett.
"persoenlich.com"-Serie "Zur Lage der Nation": Martin Spillmann

Welchen Einfluss hat die Globalisierung auf die Schweizer Werbung?

Viele Auftraggeber wollen mehrere Märkte mit ähnlichen Voraussetzungen gemeinsam bearbeiten. Das macht sehr viel Sinn. Und das bietet grosse Chancen für Schweizer Agenturen. Ich freu mich zum Beispiel sehr, dass wir Kunden wie Carl F. Bucherer oder Mammut von Zürich aus international betreuen dürfen.

Leidet die Kreativität unter der schlechten Konjunktur?

Die Kreativität leidet nicht. Leiden tut allenfalls der Mut, kreative Lösungen zu kaufen. Hier gibt es eine Analogie zum generellen Werbeverhalten: Alle wissen, dass sich antizyklische Werbeinvestitionen in rezessiven Zeiten auszahlen und mit relativ bescheidenen Budgets Marktanteile gewonnen werden können. Und doch tun es die wenigsten. Genauso verhält es sich mit kreativer Werbung. Eigentlich weiss jeder, dass man mit geringeren Budgets pointierter und dramatischer kommunizieren muss. Und doch tun es die wenigsten.

Welchen Einfluss haben die Werbeverbote auf Werbung und Medien?

Werbeverbote wirken sich negativ auf unsere Werbebranche aus. Womöglich noch stärker treffen sie die Medien. Denn Agenturen können die klassischen Werbeverbote mit unkonventionellen Massnahmen umgehen. Und da sehe ich auch die Hauptproblematik von Werbeverboten: Klassische Werbung ist eine grundehrliche Angelegenheit. Die Betrachter wissen, jetzt kommt Werbung, jetzt will mir jemand etwas verkaufen. Wenn Werbung ersetzt wird durch Product-Placement und ähnlichem, das nicht eindeutig als Werbung deklariert ist, dann wird die Beeinflussung verdeckter. Und schliesslich finde ich es grundsätzlich widersprüchlich, dass man etwas verkaufen, aber nicht bewerben darf.

Schadet die Pitch-Inflation den Agenturen und Auftraggebern?

Ich bin ganz ehrlich: Für uns als Newcomer-Agentur ist die Pitch-Inflation eine willkommene Chance. Dank Pitches haben wir in den letzten Monaten Mammut gewonnen, Carl F. Bucherer, den Verband Schweizerischer Kantonalbanken, Feldschlösschen und Globus am Bellevue.

Grundsätzlich ist es ja so: Keine Agentur wird zur Teilnahme an einem Pitch gezwungen. Wenn ein Auftraggeber zehn Agenturen zu einem Pitch einlädt, braucht es immer noch zehn Agenturen, die einen solchen Unsinn mitmachen. Man muss als Agentur auch nein sagen können.


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