Ein Jahr SFLB. Was fällt Ihnen heute zum Stichwort Advico Young & Rubicam ein?
Felser: Wir sind so intensiv mit unserer Arbeit beschäftigt, dass wir wenig Zeit haben, uns um Andere zu kümmern.
Spillmann: Trotzdem fällt einem nach so langer Zeit immer wieder mal der eine oder andere frühere Kollege ein. Es gibt da einige, die man vermisst. Und natürlich pflegt man den Kontakt.
Nach Ihrem Abgang in Gockhausen wurde ein gerichtliches Nachspiel angedroht. Wie ist der Stand der Dinge?
Felser: Dazu wollen wir nichts sagen.
Hat SFLB den Break-Even schon erreicht?
Felser: Nein. Das war im Business-Plan auch nicht vorgesehen. In Bezug auf unseren Siebenjahresplan liegen wir jedenfalls überraschenderweise über Budget. Wann genau wir schwarze Zahlen schreiben wollen, ist eine interne Angelegenheit.
Die Positivmeldungen von der Ämtlerstrasse häufen sich. Warum geht es SFLB besser als der restlichen Branche?
Spillmann: Wir sind alle im gleichen Markt, und der verläuft zickzackmässig: mal rauf, mal runter. Uns geht es nicht besser als den anderen, bloss werden wir intensiver beobachtet. Da verkommt jede Positivmeldung gleich zur Sensation.
Sie betreuen mit nur 22 MitarbeiterInnen grosse Kunden wie zum Beispiel Globus, Swisscom, Kuoni und Feldschlösschen. Wieviel Überzeit machen Ihre Leute?
Felser: Wir arbeiten tatsächlich viel, insgesamt aber kaum mehr als marktüblich.
Wo liegt denn für Sie die ideale Agenturgrösse?
Spillmann: Maximal 40 bis 50 Leute könnten wir uns für die Zukunft vorstellen. Das ist überschaubar . Und erlaubt es, alle Fäden in den Händen zu behalten. Felser: 40 bis 50 Mitarbeiter sind aber ein langfristiges Ziel.
Welche neuen Budgets sind in Aussicht?
Felser: Wir sind in verschiedene Pitches involviert.
Gibt es inzwischen Kunden aus dem Netzwerk?
Felser: Im Moment nicht. Es bestehen aber Diskussionen, die auch grössere Kunden betreffen könnten. Wir jedenfalls können uns das vorstellen.
Wie sind die Erfahrungen nach einem Jahr Zusammenarbeit mit Leo Burnett?
Felser: Weil wir bis jetzt noch keine gemeinsamen Kunden haben, sind auch die Erfahrungen klein. Das Netzwerk partizipiert kaum an unserem Tagesgeschäft.
Spillmann: Wir fühlen uns wohl, pflegen einen regelmässigen Austausch, jedoch keine aktive Zusammenarbeit. Ich schätze den Zugang zu den kreativen Ressourcen des Netzwerks. Ideal ist für uns natürlich auch, dass Michael Conrad in Zürich wohnt.
Das Werbefestival in Cannes wird vermehrt zum Networking-Event. Warum haben Sie auf eine Teilnahme verzichtet?
Spillmann: Nachdem ich die vergangenen zehn Jahre regelmässig teilgenommen hatte, war das eine ideale Pause. Wir wollten das Festival einmal aus Distanz beobachten, zumal wir hier in Zürich am Aufbauen sind. Zudem wurden von uns dieses Jahr keine Arbeiten bewertet -- da fehlt dann eben der Anlass zum Mitfiebern. Auf das Networking kann man auch mal verzichten, das findet ja auch auf anderen Ebenen statt. So sitze ich beispielsweise im Moment in der Jury des New York Festivals, bei dem die Bewertung online stattfindet -- eine Methode, die übrigens zunimmt. In Cannes wird man uns nach diesem Zwischenjahr bestimmt wieder sehen.

