Der traditionelle Parlamentarier-Talk der Schweizer Werbung SW war diesmal dem Thema Werbeverbote gewidmet. In diversen Kantonen sind Postulate eingereicht worden, welche von der Regierung Werbeverbote für Tabak und teilweise auch Alkoholprodukte verlangen. Zwei dieser Politiker, Susanne Rihs-Lanz aus Zürich und Paul Weder aus Appenzell Ausserrhoden waren nach Bern gekommen, um ihre Thesen zu vertreten.
Die Befürworter von Werbeverboten sehen die Einschränkung der Kommunikationsfreiheit in erster Linie als Mosaikstein in einer ganzen Palette von Massnahmen im Kampf gegen den Missbrauch von Tabakprodukten. Auf der anderen Seite betrachten die Gegner von Werbeverboten den Abbau der Werbefreiheit als massiven Eingriff in die Meinungsäusserungsfreiheit. Es sei nicht am Staat zu sagen, was für den Bürger gut ist, kritisierte Christian Kauter, CEO der Plakatgesellschaft APG, die politischen Vorstösse. Wichtig sei der Kampf gegen Werbeverbote auch deshalb, weil man hier am Anfang einer ganzen Reihe noch zu gewärtigender Einschränkungen stehe: "Heute ist es die Alkohol- und Tabakwerbung, morgen vielleicht schon die Schokoladen- oder die Hamburgerwerbung," meinte Kauter.
Susanne Rihs ist der Meinung, dass sich die Zigarettenwerbung in erster Linie an junge Menschen richtet und ihnen sugeriert, nicht dazu zu gehören, wenn sie nicht rauchen. Diese Beeinflussung gelte es zu bekämpfen. Kauter widersprach dieser These und meinte, Tabak-Werbung werde gemacht, um Marktanteile zu gewinnen und nicht um, das Verhalten zu beeinflussen. Die Zürcher Kantonsrätin bezweifelt diese Aussage und zeigte sich in erster Linie besorgt über die stete Zunahme der Raucher bei den Jugendlichen.
Paul Weder ist ebenfalls der Meinung, dass es bei Werbeverboten darum gehe, Jugendliche davor zu bewahren, mit dem Rauchen zu beginnen. Insofern seien Werbeverbote Bestandteil der Prävention. Die Werbung animiere die ganz Jungen, die gerne bereits erwachsen sein möchten, mit ihren Bildern einer coolen Erwachsenenwelt.
Jürg Zbinden, Kommunikationsverantwortlicher des Schweizerischen Gewerbeverbandes, sieht die Situation genereller: Ihn störe es, dass man in diesem Land Probleme mit Verboten versuche zu lösen, dies sei die billigste und einfachste Lösung. Das Problem liege in der Gesellschaft, in welcher die ganz Jungen bereits früh mit dem Rauchen beginnen. Die Therapie auf diesen Missstand liege aber nicht im Verbot der Werbung. Dies sei eine zu einfache, ja populistische Lösung. "Sie sind gegen das Rauchen und prügeln dann auf die Werbung ein", meinte Zbinden.
Dem stimmte Kauter zu, im Zeichen der political correctness sei es leider gang und gäbe, Werbeverbote zu verlangen und die Konsequenzen dann andere tragen zu lassen, immerhin gefährden Werbeverbote in einem nicht unerheblichen Mass Arbeitsplätze.
Paul Weder sprach die kürzlich publizierte Studie der Weltbank an, welche besagt, dass der Konsum in Ländern mit Werbeverboten um sieben Prozent zurückgegangen sei. Das sei doch ein Erfolg, meinte der Appenzell Ausserrhodner. Dem entgegnete Kauter, dass sogar die WHO nach vierjährigen Verhandlungen auf ein weltweites Tabakwerbeverbot verzichtet habe. Offensichtlich sei man bei der WHO zum Schluss gekommen, dass solche Verbote nichts brächten.
Jürg Zbinden brachte als weiteren Vorwurf an die Werbeverbots-Befürworter die Frage der Meinungsäusserungsfreiheit, respektive der Zensur ein. Von einem liberalen Standpunkt aus seien Werbeverbote auch aus diesem Gund nicht zu tolerieren.

