Nadja Stickl, wofür haben Sie ein besonderes Flair?
Nadja Stickl: Ein besonderes Flair? Ja – mit Y. Denn genau das macht uns aus: ein bisschen anders, ein bisschen überraschender. Mein persönliches Flayr liegt darin, kreative Ideen so zu übersetzen, dass daraus Lösungen entstehen, die wirken – und gleichzeitig diese Ausstrahlung behalten, die man nicht erklären muss, sondern einfach spürt.
Und Sie, Michel Schmidt?
Michel Schmidt: Wenn Sie Flair mit besonderem Gespür übersetzen, dann ist es bei mir das Einrichten von Räumen. Ich habe schon als Zehnjähriger wahnsinnig gerne Innenarchitekt gespielt. Und später auch beim Setbau. Beruflich gesehen habe ich ein gutes Gespür dafür, was einer Marke guttut oder was man eher sein lassen sollte.
«Flayr ist ein Homofon zu Flair»
Sie gründen zusammen mit Andreas Fuss die Agentur Flayr (persoenlich.com berichtete). Woher kommt der Name?
Stickl: Flayr ist ein Homofon zu Flair – und steht für unsere besondere Atmosphäre und unsere Markenpersönlichkeit. Das Y haben wir bewusst gewählt: Es symbolisiert «Your ideas, Your brand, Your agency». Gleichzeitig wirkt es jung, progressiv und spiegelt den kreativen Charakter unserer Agentur wider.
Sie haben erst vor zwei Jahren das Fraser-Büro in Zürich mit aufgebaut. Warum folgt jetzt schon der Schritt in die Selbstständigkeit?
Stickl: Die Zeit bei Fraser war für mich unglaublich wertvoll. Ich durfte das Büro in Zürich von Beginn an mitgestalten, vieles lernen und wichtige Erfahrungen sammeln. Gleichzeitig wuchs in mir der Wunsch, eigene Ideen noch freier einzubringen und meinen ganz persönlichen Weg zu gehen. Mit Michel und Andreas habe ich genau die Menschen gefunden, mit denen es sich richtig anfühlt, diesen Weg gemeinsam zu starten. Für uns ist jetzt der perfekte Zeitpunkt – und für mich ist es ein Herzensentscheid, voller Vorfreude auf alles, was kommt.
Im Vorgespräch sagten Sie mir, nicht «Agentur 267 in Zürich» sein zu wollen. Was genau stört Sie am aktuellen Agenturmarkt, und wie will sich Flayr konkret davon abheben?
Stickl: Ich würde nicht sagen, dass mich etwas stört – jede Agentur hat ihre Berechtigung. Unser Antrieb ist vielmehr, es bewusst anders zu machen. Wir sind bei Flayr von Anfang an anders aufgestellt, mit einem klaren Gespür dafür, was mit welchen Tools wirklich möglich ist. Dadurch können wir Prozesse schlanker und effizienter gestalten.
Schmidt: Was uns am aktuellen Agenturmarkt stören würde, ist ja nicht so relevant. Was mir persönlich immer wieder auffällt, ist die häufige Trennung von Idee, Machbarkeit und Umsetzung. Zu oft enden Projekte beim Moodboard oder werden durch zu viele interne und externe Schnittstellen verkompliziert und verzögert. Oft klafft zwischen kreativer Idee und konkreter Umsetzung eine «Lücke». Als Kreativer ist es mir besonders wichtig, diese zu schliessen. Sodass Ideen nicht nur inspirieren, sondern auch realisierbar sind.
Laut Ihrer Mitteilung lautet Ihr Versprechen «Kreativ denken. Machbar machen. Produziert liefern». Machen das nicht alle anderen auch?
Schmidt: Das kann schon sein. Das erwartet man auch irgendwie, nicht? Aber hinter diesem einfach klingenden Dreiklang stehen ja Prozesse und diese wiederum sind von Agentur zu Agentur sehr unterschiedlich. Besonders beim «Machbar machen» poppen doch oft die meisten Fragezeichen auf. Und gerade hier ist ein enger Austausch und das Zusammenspiel von Kreation und Produktions-Know-how besonders entscheidend für einen guten Workflow. Hat man diesen nicht, verliert man Zeit, muss gegebenenfalls Erwartungen schmälern oder sogar neu denken. Alles schon erlebt. Bei uns sind alle Kompetenzen von Anfang an involviert – was grossartig ist – und so können wir mit sehr gutem Gewissen dieses Versprechen geben.
«Wir vereinen Kreation und Produktion»
Flayr will nicht nur Ideengeber sein, sondern auch Umsetzer. Konkret: Übernehmen Sie auch die Produktion von TV-Spots, Printmaterialien oder digitalen Kampagnen?
Stickl: Ja, wo nötig, ziehen wir Partner hinzu beziehungsweise unser Münchner Team. Michel und ich bringen unsere Erfahrung aus Kreativagenturen ein, Andreas ergänzt uns mit fundierter Produktionsexpertise. Unser klares Asset: Wir vereinen Kreation und Produktion. So fliesst in jede Beratung automatisch ein Machbarkeitsfilter ein, und unser Team verfügt über eine echte Full-Production-DNA. Um Prozesse noch schlanker und effizienter zu gestalten, setzen wir ausserdem auf Technologie, eine klare Haltung und ein flexibles Inhouse-Team.
Sie sprechen von «schlanken Prozessen» und wollen auch KMU mit kleineren Budgets ansprechen. Wie schaffen Sie es, trotzdem profitabel zu arbeiten – gerade in einem teuren Markt wie Zürich?
Stickl: Unsere Prozesse sind schlanker und transparenter aufgebaut. Dadurch benötigen wir weniger Stunden als andere Agenturen. Dank einer anderen Hierarchie und Struktur arbeiten wir insgesamt effizienter – und können so weniger in Rechnung stellen, ohne an Qualität einzubüssen.
Schmidt: Indem wir genau hinschauen, worauf es wirklich ankommt. Viele Projekte scheitern nicht am Budget, sondern an falschen Prozessen, unnötigen Meetings oder überdimensionierten Teams. Dank unserer Erfahrung wissen wir, wo wir Zeit und Geld sparen können, ohne Qualität einzubüssen. Wir setzen auf smarte Tools, klare Strukturen und eine sehr transparente Zusammenarbeit mit unseren Kundinnen und Kunden. Früher einbinden, früher abholen.
Sie setzen auch auf künstliche Intelligenz und bieten dazu Workshops an. Wie integrieren Sie KI konkret in Ihren Workflow, und wo sehen Sie die Grenzen?
Schmidt: Die Grenzen verschieben sich momentan ja Woche für Woche. Grundsätzlich bieten wir für jede Produktion unterschiedliche Wege und Methoden an. Wenn es für ein Projekt sinnvoll und gewünscht ist, kann KI-gestützte Produktion ein absoluter Gamechanger für Effizienz in Zeit und Kosten sein.
Viele Agenturen kämpfen mit der Frage: Ersetzt KI kreative Arbeit oder ergänzt sie? Wie ist Ihre Haltung dazu?
Stickl: KI ist kein Ersatz, sondern ein Werkzeug – wirksam wird sie erst durch Menschen, die sie steuern.
Wie bauen Sie das Flayr-Team auf – und wen suchen Sie konkret?
Stickl: Mit Michel und Andreas haben wir ein starkes Kernteam und dank der engen Verbindung zu München sind wir von Anfang an voll einsatzfähig. Entscheidend ist für uns, was unsere Kunden brauchen – wir werden das Team jederzeit so erweitern und ausrichten, dass wir flexibel sowie zukunftssicher sind und stets die beste Lösung für unsere Kunden bieten können.
Andreas Fuss hat bereits eine Flayr GmbH in München. Wie sieht die Zusammenarbeit aus?
Stickl: Die Zusammenarbeit ist sehr eng – und das ganz bewusst. So stellen wir sicher, dass wir von Anfang an alle Disziplinen abdecken und die Projekte ganzheitlich denken können. München und Zürich ergänzen sich dabei perfekt: Wir bündeln unsere Stärken, tauschen uns laufend aus und schaffen so ein gemeinsames Flayr, das grösser ist als die Summe seiner Teile.
«Wir möchten keine Nische besetzen, sondern neue Perspektiven eröffnen»
Der Zürcher Agenturmarkt ist hart umkämpft. Welche Nische wollen Sie besetzen?
Stickl: Wir möchten keine Nische besetzen, sondern neue Perspektiven eröffnen. Ja, wir sind eine Kreativagentur – aber mit einem Ansatz, der auf frische Denkweisen, Fortschritt und Zukunftsorientierung setzt. Uns geht es darum, Projekte gemeinsam neu zu gestalten und Wege aufzuzeigen, die heute, morgen und übermorgen relevant sind.
Schmidt: Wir verstehen Flayr nicht als klassische Werbeagentur, sondern als kreative Möglichmacherin. Wir besetzen keine Nische. Wir sind so aufgestellt, dass wir die Bedürfnisse des Markts bedienen können. Es gibt viele Agenturen, die tolle Ideen präsentieren. Und viele Produktionshäuser, die exzellent umsetzen. Aber nur wenige können beides: starke kreative Ideen entwickeln – und sie gleichzeitig realisierbar, effizient und wirkungsvoll produzieren. Genau das ist unser Spielfeld.
Können Sie schon erste Referenzkunden oder Projektarten nennen?
Stickl: Aktuell können wir dazu noch keine Details nennen.
Wo sehen Sie Flayr in drei Jahren – und welche Rolle wollen Sie im Schweizer Kommunikationsmarkt spielen?
Stickl: Unser Ziel ist es, Akzente zu setzen und uns klar zu etablieren. Wir wollen, dass Kunden direkt zu uns kommen – nicht, weil wir die «Leadagentur» sind, sondern weil wir ihre Need-Agentur sind: immer da, wenn sie uns brauchen, und der Partner, mit dem sie ihre Ideen wirklich umsetzen wollen.


