Der Detailhandel ist heute fast 85 Milliarden Franken gross, je hälftig Food und Non-Food. Die 51'000 Verkaufsstellen sind sozusagen die Lebensadern der Schweiz. Doch jetzt steht der Handel vor einigen Herausforderungen. Triebkräfte für die Entwicklung sind: der Alterungsprozess der Schweizer Bevölkerung, die zunehmende Knappheit der Ressourcen, insbesondere Öl, die wachsende Kluft zwischen den Einkommen von Arm und Reich, die zunehmende Verbreitung von Informations- und Vernetzungstechnologien auf Kundenseite und bei den Anbietern (Internet, RFID, Logistiksysteme), die Liberalisierung, Globalisierung und die wachsende internationale Wettbewerbsintensität.
Wachsen kann der Handel nur noch, wenn er sich mit seinen Kernkompetenzen internationalisiert oder in branchenfremde Märkte diversifiziert, sagt die GDI-Studie. Dabei muss er sich vielmehr auf den Kunden einlassen, der die Hemmungen ablegt und einfordert, was er zu welchem Preis will. Was bei den Airlines passiert ist, passiert auch beim Handel: eine grosse Preiserosion. Nicht mehr die Anbietersicht "Our Price" und das Produkt, sondern "My Price" und die Kundenbeziehung stehen im Vordergrund. Die Kunden definieren die eigenen Märkte, nicht mehr die Anbieter.
Zusammen mit Experten und Topleuten aus der Branchen hat das GDI folgende vier, extreme Szenarien entworfen:
Szenario 1: Eine volle Liberalisierung bewirkt eine schnellere Standardisierung und Internationalisierung des Angebots. Verlierer sind die Landwirtschaft und die in der Schweiz produzierende Industrie, auch Markenartikler, sowie die unabhängigen Händler in Kleinstädten auf dem Land. Gewinner sind die stärksten internationalen Fachmärkte und die Foodanbieter, die wie Category-Killers funktionieren; aus Aldi und Walmart wird Waldi, Migros und Coop schrumpfen, Denner gibt es nicht mehr, Manor zieht sich auf die Städte zurück.
Szenario 2: Handel und Zulieferer schotten sich ab, entziehen sich dem Globalisierungsprozess, gewinnen kurzfristig, verlieren langfristig, weil sie nicht fit werden.
Szenario 3: Beim Achterbahnszenario fährt die Schweiz mehr oder weniger kontinuierlich durch die stark schwankende Weltwirtschaft. Swissness gilt als Marke für alles, Abgrenzung und Integration bestimmen auch die Handelslandschaft in der Schweiz.
Szenario 4: Immer mehr internationale Anbieter kommen in die Schweiz, die auch billige Produkte aus China und billige Dienstleistungen aus Indien verkaufen. Dadurch verlieren unsere Grossverteiler, expandieren aber über die Grenzen.
Gemäss der Studie kommt der Detailhandel in der Schweiz von zwei Seiten her unter Druck: Zum einen verliert er gegenüber anderen Branchen markant an Wachstum -- das Wachstum findet nicht im Einzelhandel statt, sondern in Branchen wie Reisen, Gesundheit, Telekommunikation oder Steuern. Das heisst: Der grösste Konkurrent des Einzelhandels kommt künftig von ausserhalb der Branche. Zum anderen nimmt der Einfluss der Händler auf den Schweizer Markt stärker zu. Noch mögen die Schweizer Grossverteiler den Markt dominieren, so die Studie, doch in den nächsten zehn Jahren werden sich die Bedürfnisse der Konsumenten verändern und mit Ihnen die Anbieter mit ihren Vertriebstypen. Der Sonderfall Schweiz jedenfalls hat in der Schweiz bald ausgedient. Lidl und Aldi lassen grüssen.
Doch sehen die Detailriesen die Zukunft ähnlich düster? Und wo sehen die Schweizer Grossanbieter Ihr Unternehmer in zehn Jahren? An der Präsentation der GDI-Studie stand das oberste Kader der Grossanbieter Red und Antwort. "persoenlich.com" machte bei den CEOs die Runde:
Philippe Gaydoul, Denner

Wo steht Denner in zehn Jahren? Die Studie zeigt, dass der Preis und die Nähe zum Kunden auch noch in zehn Jahren sehr wichtig sein werden. Zwei Punkte, die wir mit unserem Konzept voll abdecken. Wir werden aber sicher nach neuen Ideen suchen, die in unserer Kompetenz liegen. Denner hat nicht die Ambitionen, alles neu zu erfinden. Selbstverständlich wollen wir auch in Zukunft wachsen, doch dies soll ein gesundes Wachstum sein.Momentan hat Denner einen solchen grossen Wachstumsschritt vor sich, der zuerst auch verdaut werden muss. Nochmals zur Zehnjahresperspektive: Auch wenn die Schweiz der EU beitritt, würde sich für den Detailhandel nicht allzu viel ändern. Überhaupt ist das Preis-Leistungs- Verhältnis in der Schweiz viel besser, als man es manchmal wahrhaben will.
Hansueli Loosli, Coop
Konkurrenz belebt auch das Geschäft -- auch bei Aldi und Lidl. Trotz Media-Markt ist der Unterhaltungsmarkt in der Schweiz nicht zusammengebrochen, im Gegenteil, er ist sogar noch gewachsen.Deswegen sehe ich der neuen Konkurrenz gelassen entgegen.Wir wissen, was diese können und was nicht. Trotzdem wird es in den nächsten Jahren starke Veränderungen geben: Gerade die Markenartikler müssen zur Kenntnis nehmen, dass sich der Detailhandel grundlegend ändern wird. Die Entwicklung in Deutschland hat gezeigt, dass die Menschen langfristig nicht mehr bereit sind, einen Mehrwert für eine Marke zu zahlen.

Konkurrenz belebt auch das Geschäft -- auch bei Aldi und Lidl. Trotz Media-Markt ist der Unterhaltungsmarkt in der Schweiz nicht zusammengebrochen, im Gegenteil, er ist sogar noch gewachsen.Deswegen sehe ich der neuen Konkurrenz gelassen entgegen.Wir wissen, was diese können und was nicht. Trotzdem wird es in den nächsten Jahren starke Veränderungen geben: Gerade die Markenartikler müssen zur Kenntnis nehmen, dass sich der Detailhandel grundlegend ändern wird. Die Entwicklung in Deutschland hat gezeigt, dass die Menschen langfristig nicht mehr bereit sind, einen Mehrwert für eine Marke zu zahlen.
Urs Riedener, Migros Genossenschafts-Bund

Migros geht davon aus, dass er auch in zehn Jahren der führende Schweizer Detailhändler sein wird. Zudem hoffen wir, auch im Foodbereich zusätzliche Marktanteile gewinnen zu können. Der Kampf dürfte jedenfalls härter und zäher werden. Unter diesem Gesichtspunkt freut sich die Migros, dass sie lediglich 10 Prozent des Nonfood-Bereichs abdeckt. Die Detailhändler werden sich in den nächsten Jahren sehr genau überlegen müssen, wie ihr Portefeuille aussehen wird. Migros beispielsweise ist ein sehr erfolgreiches Joint Venture mit Valora oder auch Obi eingegangen.
Alexander Jost, Pro Marca
Ich denke, dass die Markenartikelindustrie auch in zehn Jahren noch eine wichtige Rolle innerhalb des Detailhandels spielen wird. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Nur ein Markenprodukt kann auf hervorragende Weise Emotionalität, Prestige, Qualität oder Vertrautheit transportieren, prägende Beispiele sind dafür Ovomaltine oder Toblerone. Zweitens werden sich viele Markenartikler in Richtung Dachmarke entwickeln. Diese Megabrands, wie Nivea oder Nescafé, haben ein unheimliches finanzielles und internationales Potenzial. Die Markentartikelhersteller leisten eine grosse Vorarbeit in Forschung und Entwicklung, was sich auch in Zukunft auf die Qualität des Produktes auswirken wird. Gerade für ältere Leute stellen Marken in einer komplexeren Welt eine Orientierungshilfe dar.

Ich denke, dass die Markenartikelindustrie auch in zehn Jahren noch eine wichtige Rolle innerhalb des Detailhandels spielen wird. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Nur ein Markenprodukt kann auf hervorragende Weise Emotionalität, Prestige, Qualität oder Vertrautheit transportieren, prägende Beispiele sind dafür Ovomaltine oder Toblerone. Zweitens werden sich viele Markenartikler in Richtung Dachmarke entwickeln. Diese Megabrands, wie Nivea oder Nescafé, haben ein unheimliches finanzielles und internationales Potenzial. Die Markentartikelhersteller leisten eine grosse Vorarbeit in Forschung und Entwicklung, was sich auch in Zukunft auf die Qualität des Produktes auswirken wird. Gerade für ältere Leute stellen Marken in einer komplexeren Welt eine Orientierungshilfe dar.
Daniel Reinhard, Charles Vögele

Ich glaube, dass wir nicht zuletzt wegen der Globalisierung und der demografischen Entwicklung den wichtigen Weg gegangen sind, indem wir in fremde Märkte investierten.Dies hat unser Firmengründer bereits vor 25 Jahren vorexerziert, als wir unser Geschäft auch nach Deutschland verlagerten. Seit 11 Jahren sind wir zudem in Österreich tätig. Mittlerweile betreiben wir unsere Geschäfte auch in Holland, Belgien und seit neustem in Slowenien. Bald eröffnen wir auch Läden in Polen,Tschechien und Ungarn.Wir machen heute bereits zwei Drittel unseres Umsatzes im Ausland, von unseren 800 Filialen befinden sich bereits 650 ausserhalb der Schweiz. Trotzdem verdienen wir hier zu Lande sehr viel Geld, was uns erlaubt, auch in ausländische Projekte zu investieren. Ich bin überzeugt, dass wir auch in zehn Jahren selbstständig sein werden.
Rolando Benedick, Manor

