11.02.2021

Lidl Schweiz

«Am Ende ist das Gesamtpaket entscheidend»

Wenige Tage nach Aldi Suisse: Lidl Schweiz doppelt mit einer Werbekampagne nach und verweist auf den höchsten Mindestlohn im Detailhandel. Ein perfektes Timing? Janine Hohengasser über die neue Kampagne.
Lidl Schweiz: «Am Ende ist das Gesamtpaket entscheidend»
«Uns war es in diesem Jahr wichtig, nochmal die Arbeit unserer Mitarbeitenden, den Helden des Alltags, in den Vordergrund zu stellen», so Janine Hohengasser, Department Manager Recruiting & Employer Branding bei Lidl Schweiz. (Bilder: zVg.)
von Matthias Ackeret

Frau Hohengasser, Sie starten nun auch eine Werbekampagne, in welcher Sie darauf hinweisen, dass Lidl Schweiz den höchsten Mindestlohn im Detailhandel zahlt (persoenlich.com berichtete). Ihr Mitbewerber Aldi hat sich bereits als grosszügigster Arbeitgeber angepriesen. Wer hat nun recht?
Wir zahlen unseren Mitarbeitenden auf die Stunde gerechnet den höchsten Mindestlohn in der Branche. Zudem ist dieser Mindestlohn bei uns sogar GAV-garantiert. Wir beschäftigen ausschliesslich festangestellte Mitarbeitende mit einem fixen Monatssalär. Für die bessere Vergleichbarkeit innerhalb der Branche haben wir aber den Stundenlohn herangezogen, da es hier Unterschiede zu den Mitbewerbern gibt. Dies hat einen direkten Einfluss auf die Höhe des effektiven Stundenlohns. Wenn Sie vom «grosszügigsten Arbeitgeber» sprechen, zählt natürlich auch das Gesamtpaket.

Zum Beispiel?
Dazu gehört bei uns die 41-Stunden-Woche, vier Wochen Vaterschaftsurlaub, 18 Wochen Mutterschaftsurlaub und der vollständige Verzicht auf den Koordinationsabzug in der BVG sowie viele weitere Vorteile gemäss unserem GAV. Zu erwähnen ist aber auch, dass wir mit einer generellen Lohnerhöhung von 0,5 Prozent dieses Jahr ebenfalls ein klares Zeichen für alle Mitarbeitenden gesetzt haben.

Ist es Zufall, dass Ihre Kampagne gerade kurz nach derjenigen von Aldi Suisse erscheint?
Die Lohnrunde von Lidl Schweiz steht jährlich vor dem neuen Geschäftsjahr an. Das Geschäftsjahr von Lidl Schweiz startet im März, und wir veröffentlichen jedes Jahr im Februar das Ergebnis. Weil es uns in diesem Jahr wichtig war, nochmal die Arbeit unserer Mitarbeitenden, den Helden des Alltags, in den Vordergrund zu stellen, und stolz sind auf den höchsten Mindestlohn, haben wir daraus eine Kampagne gestrickt. Diese baut auf unserer Arbeitgebermarken-Kampagne «Da steckt mehr dahinter» auf, die wir bereits letzten Sommer lanciert haben. Mit der Erhöhung des Mindestlohns können wir diesen Slogan erneut unter Beweis stellen.

«Es ist richtig, dass über die Anstellungsbedingungen gesprochen wird»

Früher haben sich Detailhändler vor allem über den Preis und die Qualität ihrer Produkte konkurrenziert, jetzt über Sozialleistungen. Warum plötzlich diese Verschiebung?
Es ist richtig, dass über die Anstellungsbedingungen gesprochen wird und den Mitarbeitenden im Lebensmittel-Detailhandel, die in der gesamten Krisenzeit für uns da waren, so auch eine Wertschätzung entgegengebracht wird. Am Ende ist natürlich das Gesamtpaket entscheidend. Da gehören die Sozialleistungen und die Zeit mit der Familie genauso dazu. Nachdem wir zum Start der Kampagne bereits Themen wie Teamwork, Vielfalt und Entwicklungsmöglichkeiten in den Vordergrund gestellt haben, wollten wir jetzt mit der Mindestlohnerhöhung einen weiteren Impuls setzen.

Wo erscheint Ihre Kampagne?
Es ist eine 360-Grad-Kampagne, die sich über Print, Online, Social Media, Home, Out of Home und TV erstreckt. Für mich ist es dabei ein besonderes Highlight, dass wir das erste Mal mit einer Arbeitgebermarken-Kampagne im TV zu sehen sind.


Sie haben mit Silbersalz Film eine deutsche Produktionsfirma gewählt. Warum?
Wir arbeiten mit verschiedenen Agenturen zusammen und haben uns für die ursprüngliche Kampagne «Da steckt mehr dahinter» nach einem Pitch für die Zusammenarbeit mit Silbersalz entschieden. Wir profitieren bei Silbersalz von der Nähe zu anderen Lidl-Ländern und einem guten Verständnis unseres Geschäfts. Zudem spüren wir eine enorme Dynamik und Schnelligkeit, die uns sehr gefällt.

Wie hat sich Corona auf Ihren Geschäftsgang ausgewirkt?
Das Corona-Jahr hat Spuren hinterlassen. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir zu den Geschäften gehörten, die immer geöffnet hatten, wenn auch mit Sortimentseinschränkungen. Dies war in den letzten Monaten nicht selbstverständlich.

Was bedeuten die staatlichen Vorschriften für Sie?
Die neuen Richtlinien sind auch für uns und unsere Mitarbeitenden eine Herausforderung, auch, da sie oft angepasst werden. Die Beschaffung von Schutzmaterial und die Umsetzung des Schutzkonzeptes waren sehr kostenintensiv. Der gesamte Lebensmittel-Detailhandel, und daher auch Lidl Schweiz, hat jedoch zu einem gewissen Grad von den Restaurantschliessungen profitiert, da viel mehr zu Hause gekocht wird. Zudem hatten die Grenzschliessungen einen deutlichen Effekt, da der Einkaufstourismus nicht mehr möglich oder die Ausreise ins benachbarte Land nicht erlaubt war. Uns war es dementsprechend sehr wichtig, uns auch bei unseren Mitarbeitern für ihren grossen Einsatz zu bedanken. Eine Mindestlohnerhöhung und eine generelle Lohnrunde sind aus unserer Sicht deshalb auch angemessen.



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