Herr Gilliéron, wie sehr erschwert die Niederlage der Fussball-Nati gegen Deutschland von vergangener Woche Ihre Arbeit?
(lacht) Vielleicht wären unsere Mitarbeiter bei einem Sieg am Tag nach dem Spiel in euphorischerer Stimmung zur Arbeit gekommen. Im Ernst: der negative Ausgang des Länderspiels hatte auf unsere Arbeit keinen unmittelbaren Einfluss.
Schlägt sich die schlechte Stimmung in den Medien und beim Volk auch bei den Sponsoren nieder?
Potentielle Partner wollen wissen, welche Gegenleistungen sie für ihr Engagement erhalten. Die Leistungen der Nationalmannschaft sind eher weniger ausschlaggebend für die Akquisition eines Sponsors. Einzelne Spiele schon gar nicht -- ob Sieg oder Niederlage.
Aber gute Leistungen auf dem Platz schaffen doch für Verhandlungen ein förderndes Klima.
Wird die Schweiz Europameister, erleichtert das die Sponsorensuche sicher. Es ist aber vor allem wichtig, seriöse Arbeit zu leisten. Der SFV will den Partnern ein Produkt bieten, das nicht nur bei sportlichem Erfolg gut ist, sondern auch, wenn sich die Nationalmannschaft in einem Tief befindet. Die Credit Suisse ist seit 1993 Hauptsponsor und hat ihr Engagement auch nach Nicht-Qualifikationen zu Welt- oder Europameisterschaften aufrecht erhalten.
Der SFV verliert nun aber möglicherweise mit Swisscom, Sporttipp und Carlsberg drei Co-Sponsoren der Fussball-Nationalmannschaft gleichzeitig. Hat der Verband doch etwas falsch gemacht?
Sporttipp (Swisslos) hat schon lange signalisiert, dass die Parternschaft nicht verlängert wird. Mit Ferrero haben wir bereits einen neuen Co-Sponsoren gefunden, Swiss Life bleibt an Bord. Zudem haben wir eben gerade den Vertrag mit unserem Ausrüster Puma verlängert. Mit weiteren Unternehmen sind wir in Verhandlungen und sind zuversichtlich, dass wir bald einen Ersatz für Swisscom finden. Mit dem Hauptsponsor und den beiden bisher feststehenden Co-Sponsoren stehen wir aber finanziell jetzt schon besser da, als vorher.
Dies aber nur, weil der SFV die Sponsoringtarife deutlich angehoben hat. Aus diesem Grund haben Swisscom und Sporttipp den Vertrag nicht verlängert, das Preis-Leistungsverhältnis stimme nicht mehr. Haben Sie sich mit der Verdoppelung der geforderten Sponsoringbeiträge von einer auf zwei Millionen Franken bei den bestehenden Partnern verspekuliert?
Nein, das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt, weil wir mehr Leistungen anbieten als vorher. Der Sponsor erhält künftig mehr Rechte bei der Bandenwerbung, beim Ticketing und auch im Eventbereich. Dies rechtfertigt die Anhebung der Sponsoringsumme. Ausserdem hat der Wert der Nationalmannschaft mit den Qualifikationen zu den letzten Welt- und Europameisterschaften generell zugenommen. Würde unser Angebot nicht stimmen, hätten Swiss Life und Ferrero den Vertrag nicht unterschrieben.
Auch Carlsberg steht vor dem Ausstieg, zu den vorgelegten Konditionen will das Unternehmen den Vertrag nicht verlängern. Glauben Sie noch an eine Einigung?
Carlsberg hat das Problem, das die Gesetzgebung die Alkoholwerbung erschwert. Darum kann die Firma eventuell nicht von allen Leistungen Gebrauch machen, die wir anbieten. Wir werden aber sicher noch das Gespräch mit Carlsberg suchen.
Lassen Sie über den Preis mit sich reden?
So lange die Möglichkeit besteht, mit einem Partner einen Vertrag abzuschliessen, der unsere Leistungen zum geforderten Tarif annimmt, sehe ich keinen Grund, von unserer Preispolitik abzuweichen.
Die FIFA und die UEFA verlangen von Ihren Sponsoren auch immer mehr Geld. Ziehen da die Fussballverbände einfach mit?
Letztlich zeigt der Markt, was man verlangen kann. Die Firmen entscheiden, wieviel ihnen welche Leistungen wert sind und ob ein Engagement ins Kommunikationskonzept passt.
Um wieviel kann der Marktwert der Fussball-Nati durch eine gelungene Euro steigen, um wieviel bei Misserfolg sinken?
Ich glaube nicht, dass sich der Marktwert der Nationalmannschaft wie ein Börsenkurs verhält. Grosse Sprünge nach oben oder nach unten dürfte es aufgrund der Euro nicht geben.
Das Image der deutschen Nationalmannschaft hat sich aber durch die WM 2006 im eigenen Land international massiv verbessert.
Die Sympathien des Publikums darf man nicht mit den "Sympathien" eines kommerziellen Unternehmens verwechseln. Der Fan spürt Emotionen, ein Sponsor rechnet in Zahlen. Die Nationalmannschaft ist vor allem für den einheimischen Markt interessant und da hat Deutschland aufgrund der Grösse des Landes natürlich ein ganz anderes Potential als die Schweiz.
Die Euro 08 steht unmittelbar bevor. Mit welchen Sponsoring-Aufgaben sind Sie im Vorfeld und an der Euro beschäftigt?
Unsere Partner haben an der Euro im Gegensatz zu den UEFA-Sponsoren wenig Rechte. Darum müssen wir vor allem im Vorfeld kommunizieren. Natürlich dürfen die Sponsoringaktivitäten die Vorbereitung der Nationalmannschaft auf das Turnier nicht stören. Während der Euro werden wir im Rahmen der Hospitality und ausserhalb der UEFA-Perimeter aktiv sein.
(Interview: Stefan Wyss)

