Herr Rohner, wie beurteilen Sie den momentanen Zustand der Publigroupe?
Wir haben am 30. August unser Halbjahresergebnis bekannt gegeben. Die Resultate sind, vergleicht man mit den beiden Vorjahren, äusserst zufrieden stellend. Wir stellen markante Verbesserungen in allen Bereich fest, so verfügen wir über eine gesunde Bilanz und ein Eigenkapitalquote von 50 Prozent. Durch gezielte Desinvestitionen haben wir nun eine Investitionskapazität von über 100 Millionen Franken, die wir in nächster Zeit auch strategiekonform einzusetzen gedenken.
In welchen Bereichen?
In den strategisch definierten Wachstumsbereichen; entweder Searchmarketing oder Digitalmarketingservices.
Also alles heiter Sonnenschein bei der P...
Nein, überhaupt nicht. Unsere Gesamtrentabilität ist nicht ganz befriedigend, obwohl Media Sales in diesem und dem nächsten Jahr markante Fortschritte machte und machen wird. Insgesamt hat unser Unternehmen wieder an Fahrt gewonnen. Die Baisse scheint überwunden, die Bereiche Digital und Online legen massiv zu. Wir erzielen hier in diesem Jahr einen Umsatz von 300 Millionen Franken in diesen strategisch definierten wachstumsbereichen. Im ersten Halbjahr von 2010 ist dieser Bereich um 38,4 Prozent gewachsen, ein Ende ist nicht abzusehen. Aus diesem Grund werden wir in hier weitere Akquisitionen tätigen. Beim Print hingegen kann man kein organisches Wachstum mehr generieren.
Welche Vorkehrungen treffen Sie für das nächste Jahr?
Wir haben in den kommenden 2 Wochen einen grossen Strategieworkshop mit 50 Businessleadern unserer Gruppe. Dieser steht unter dem Motto Transformation und Innovation. Ich glaube, damit wird unsere Zielsetzung am besten umschrieben. Ganze Geschäftsmodelle verändern sich, der Rhythmus der Innovationen erhöht sich in allen Bereichen. So werden beispielsweise unsere Internetplattformen home.ch oder local.ch auch in Zukunft mit voller Offensivkraft unterwegs sein. Mit der Firma Instanz, die wir soeben erworben haben, erhoffen wir einen grossen Schub für die ergebnisorientierte Onlinewerbung. Ich glaube, dass die erfolgsbasierte Werbung in den nächsten Monaten stark an Bedeutung gewinnen wird. Wir müssen lernen zu akzeptieren, dass ein Bäcker beispielsweise nicht mehr 500 Franken für ein einzelnes Inserat ausgeben will, sondern seinen Anteil pro verkaufter Gipfel bezahlen will. Der Reflex, die gehe nicht, ist fatal. Es wird Lösungen geben. Die Publigroupe führt diesbezüglich die ersten Pilotversuche durch.
Themenwechsel: Welchen Einfluss hat der Wegfall der Zürcher Landzeitungen für die Publicitas?
Mit dem Tauschhandel der Zürcher Landzeitungen gegen die Thurgauer Zeitung durch die Tamedia und die NZZ-Gruppe hat sich auch für uns die Situation selbstverständlich verändert. Statt der Zürcher Landzeitungen übernehmen wir nun ab dem 1. Januar 2011 die Thurgauer Zeitung in Regie. Betrachtet man den Umsatz, verlieren wir aufgrund dieser Änderung eventuell ein paar Prozent. Auf Ebene der Bruttomarge hält sich das Tauschgeschäft die Waage. Je weiter man in die Tiefe geht, desto interessanter wird der Deal für uns. Der Zuzug der Thurgauer Zeitung kompensiert für die Publicitas den Wegfall der Landzeitungen vollumfänglich. Diese Änderung ist aber seit dem Frühling dieses Jahres bekannt. Warum Herr Kall diese Änderung gerade jetzt so lautstark kommuniziert, ist mir schleierhaft. Vielleicht wollte er damit seine nicht ganz so geglückte Initiative mit den Regionalsplitts kaschieren.
Der Markt Zürich dürfte trotzdem auch für Sie wichtig sein.
Klar verlieren wir durch den Wegfall der Landzeitungen eine Anzahl wichtiger P-Leute. Dies ist zweifelsohne bedauerlich. Die meisten von ihnen finden aber bei der Tamedia eine Stelle. Gleichzeitig können wir dadurch teure Fixkosten abbauen, indem wir auf dem Land Filialen schliessen. In den Städten Zürich und Winterthur ist die Publicitas weiterhin sehr prominent vertreten.
Die Cinecom hat gleichzeitig die Vermarktung des Werbefensters von Sat.1 verloren. Was bedeutet dies für Sie?
Dies ist wirklich schmerzhaft. Die gesamte Cinecom-Crew im Kino- und TV-Bereich hat in diesem Jahr ausgezeichnete Arbeit geleistet, so dass wir 2010 ein absolutes Rekordergebnis verbuchen können. Dies dank einer äusserst positiven Entwicklung im Kinomarkt. Aber auch bei den TV-Sendern liegen die Umsatzanteile sogar deutlich über den Zuschauermarktanteilen. Trotzdem haben wir Sat.1 aufgrund eines strategischen Entscheides verloren. Trotzdem werden wir alles daran setzen, dass wir zusammen mit dem Schweizer Fernsehsender 3+ und anderen Anbietern weiterhin im TV-Geschäft präsent sind. Ich denke dabei vor allem die grossen Internetprovider, die schon bald mit eigenen Programmen starten, und auch Werbung generieren müssen.
Wann wird die Cinecom verkauft?
Dies ist für uns kein Thema mehr. Wir behalten Cinecom und werden die Firma weiterentwickeln.
Lösen Sie sich von weiteren Beteiligungen?
Bei den Verlagsbeteiligungen ist aktuell nichts spruchreif. Wir prüfen selbstverständlich immer wieder einzelne Verkaufsmöglichkeiten, konkret kann ich Ihnen aber nichts sagen.
Letzte Frage: Wie lange behalten Sie noch Ihre Doppelfunktion CEO und VR-Präsident der Publigroupe aufrecht?
(lacht) Die Antwort dieser Frage könnte man an der Verlegertagung in Pontresina auf eine grosse Tafel schreiben. Es ist nämlich die meistgestellteste Frage überhaupt. Fakt ist, ich wurde 2009 auf Wunsch unserer Grossaktionäre als VR-Präsident gewählt worden. Dies mindestens für 3 Jahre, also bis 2012. An dieser Ausgangslage hat sich für mich nichts geändert.
Interview: Matthias Ackeret
Der "persönlich"-Verlag gehört zur Publigroupe.

