09.08.2020

Luxushotellerie

«Die Wiedereröffnung war ein besonderer Moment»

Tanja Wegmann ist Direktorin des Grand Hotels «Les Trois Rois», dem einzigen Fünfsternhotel in Basel. Das Traditionshaus, in dem schon Picasso übernachtete, wurde als GaultMillaus «Hotel des Jahres 2020» ausgezeichnet. Ein Gespräch über Corona und die Auswirkungen auf die Luxushotellerie.
Luxushotellerie: «Die Wiedereröffnung war ein besonderer Moment»
Das «Les Trois Rois» in Basel ist eines der ältesten Stadthotels Europas. Tanja Wegmann verfügt über grosse Führungserfahrung in der internationalen Hotellerie und im Luxusgütersegment. (Bilder: Christoffer Rudquist, Grand Hotel Les Trois Rois)
von Matthias Ackeret

Frau Wegmann, wie haben Sie die Coronakrise erlebt? Für ein Fünfsternhotel war die Zeit sicherlich nicht einfach?
Es war tatsächlich nicht einfach. Wir haben am 21. März 2020 die Türen des Hotels geschlossen, was ein sehr trauriger Moment nach der Wiedereröffnung von 2006 war. Es gab aber auch positive Momente in dieser Lockdown-Phase. So haben wir viel Herzblut in den Unterhalt investiert und beispielsweise die Brasserie gestrichen und mit Kunstwerken neu bestückt. Es wurde auch im Hintergrund viel gearbeitet, und ich war ebenfalls sehr präsent und bekam teilweise Privatkonzerte der Pianistin und eines Mitarbeitenden, der Klarinette übte. Die beiden haben regelmässig geprobt, und die Musikklänge begleiteten mich immer wieder auf meinem Gang durchs leere Hotel. Wir haben auch während des Lockdowns mit Blumenlieferungen und einem Kuchen-Take-away-Angebot den Kontakt zur Basler Bevölkerung gepflegt.

Können Sie den Schaden, den das Hotel durch den Lockdown erlitten hat, schon beziffern?
Dafür ist es noch immer zu früh, da weiterhin Veranstaltungen abgesagt werden, wie kürzlich die Art Basel oder auch die Baloise Session, die auf nächstes Jahr verschoben wird. Dieses Jahr wird auf jeden Fall ein Jahr der Schadensbegrenzung sein. Deshalb planen wir bereits für die nächsten drei Jahre, also für die Zeit von 2021 bis 2023.

«Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob es ein Journalist war»

Sie haben auch internationale Hotelgäste. War das nie ein Problem?
Eine Woche vor der Schliessung, etwa Mitte März, wurde ich informiert, dass im Eingang ein Gast mit Maske und einer Bescheinigung vom Unispital stehe, der ein Zimmer haben wolle. Ich erinnere mich, dass ich zu diesem Gast hingegangen bin und er mir mit italienischem Akzent gesagt hat, dass er nicht mehr nach Hause könne und unbedingt ein Zimmer brauche. Er hat gehustet und mir das Zeugnis unter die Nase gehalten. Ich habe ihm gesagt, dass ich ihm kein Zimmer geben könne. Ich bin mir aber bis heute nicht sicher, ob es ein Journalist war, da es zu jenem Zeitpunkt immer wieder solche Tests von Journalisten gab. Da wurde mir aber erstmals bewusst, dass wir zum Schutz unserer Gäste und unseres Betriebes ab sofort jeden fragen müssen, ob er gesund ist und er sich kürzlich in einem Krisengebiet aufgehalten hat. Da dies rechtlich nicht einfach ist, haben wir uns mit Hotellerie Suisse kurzgeschlossen, und ich muss sagen: Unsere Ansprechpartner haben einen super Job gemacht, vor allem in Sachen Rechtsberatung. Was sie vor und während des Lockdowns geleistet haben, ist grossartig. Schliesslich haben urplötzlich Hunderte von Hotels um Hilfe gebeten.

Ihr Hotel wurde dieses Jahr zum Hotel des Jahres gekürt. Können Sie trotz Corona von der Auszeichnung profitieren?
Für uns ist das eine sehr wichtige und schöne Auszeichnung. In der Schweiz und in Europa ist es ein sehr renommierter Titel. Wir hatten viel geplant für dieses Jahr als GaultMillaus «Hotel des Jahres 2020». So wollten wir etwa den grossen Event «La nuit by Les Trois Rois» lancieren. Für Basel wäre es im Zeichen des Dreiländerecks die Veranstaltung des Jahres gewesen. Die deutsche Köchin Tanja Grandits, die vom Gastroführer «GaultMillau» zum «Koch des Jahres» 2020 gekürt wurde, hätte daran teilgenommen sowie weitere neun Spitzenköche aus der Dreiländerregion. Die Bewilligung, die Umgebung zu sperren und für unseren Event nutzen zu dürfen, hatten wir schon. Musikalische Acts waren geplant, und wir wollten eigenes Bier und eigenen Wein kreieren. Dies alles mussten wir aber leider absagen beziehungsweise verschieben. Doch der Titel GaultMillaus «Hotel des Jahres 2020» wurde uns durch den Lockdown nicht weggenommen. Wir können ihn weiterhin nutzen und wollen damit vor allem auch unser USP, das vielfältige gastronomische Angebot des «Les Trois Rois», pushen.

Was zeichnet ein gutes Luxushotel aus?
Wir sind dankbar, dass wir ein tolles Produkt haben und Besitzer, die in dieses Haus und seine Geschichte investierten. Diese Historie haben wir belassen, was uns meiner Meinung nach einzigartig macht. Auch unsere Lage am Rhein ist sensationell. Schliesslich sind es aber unsere Mitarbeitenden mit ihrem authentischen Service und ihrer Herzlichkeit, die unser Hotel zu dem machen, was es ist. Ich selbst liebe es, Gastgeberin zu sein, und dasselbe erwarte ich von jedem Einzelnen, egal, ob er an der Front oder im Hintergrund arbeitet. Freundlichkeit und Herzlichkeit stehen bei uns an erster Stelle.

«Gäste buchen viel kurzfristiger, alles ist schnelllebiger geworden»

Wie haben sich die Bedürfnisse der Gäste in dieser Zeit verändert?
Sie buchen viel kurzfristiger, alles ist schnelllebiger geworden, und ihre Erwartungshaltung ist gestiegen. Die Gäste im Fünfsternbereich bezahlen gerne den Preis, aber ihre Erwartungen müssen dann auch erfüllt oder sogar übertroffen werden. Ein wichtiges Buchungskriterium wird künftig noch mehr die Nachhaltigkeit sein, worauf auch wir viel Wert legen. Deshalb haben wir das Nachhaltigkeitsteam «Les Rois du Future» gegründet. Gemeinsam überarbeiten wir derzeit unsere Prozesse bezüglich Nachhaltigkeit. Das betrifft alle Bereiche und reicht vom Einkauf lokaler Produkte über Foodwaste bis hin zu Plastikverschwendung.

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Ist in der heutigen Zeit, in der vieles gratis ist, der 30- oder 40-jährige Gast noch bereit, viel Geld für eine Übernachtung in einem Fünfsternhotel auszugeben?
Wir profilieren uns nicht über den Preis, sondern über das Angebot. Wir versuchen, attraktive Erlebnisse zu kreieren wie jenes, das wir kurz vor dem Lockdown lanciert haben. Es ist ein Package für alle Baslerinnen und Basler und heisst «Z'Basel am mym Rhy». Damit wollen wir die einheimische Bevölkerung während dieser turbulenten Zeiten etwas verwöhnen. Es läuft sehr gut, die Gäste werden mit der Hotellimousine zu Hause abgeholt. Sie bekommen eine «behind the scenes»-Führung des Hauses, einen Fensterplatz in der Brasserie und einen Blumengruss aus der hauseigenen Blumenboutique Fleurs des Rois. Unsere Gäste sind gewillt, den Preis für eine einzigartige Erfahrung in einem Fünfsternhotel zu bezahlen. Sie buchen jedoch nicht für eine Woche, sondern kommen meistens für eine Städtereise für eine oder zwei Nächte zu uns.

Wenn Sie auf die letzten Wochen zurückblicken: Welches war das aussergewöhnlichste Erlebnis für Sie?
Die Wiedereröffnung nach dem Lockdown war ein besonderer Moment. Viele Mitarbeitende, die täglich am Gast arbeiten, sassen während Wochen einfach zu Hause. Als Gastgeber fehlt dir einfach dieses Sich-um-die-Gäste-Kümmern. Zurückzukommen und die Hoteltüren wieder zu öffnen, unseren Claim «Rich in history, young at heart» wieder zu leben und die Freude in den Gesichtern der Gäste zu sehen, das ist ein wunderschönes Erlebnis. Für die Einheimischen sind wir das Wohnzimmer von Basel. Viele kommen bei einem Stadtbesuch bei uns vorbei und lassen sich in unserer Bar, Lobby, Brasserie oder im Restaurant Cheval Blanc verwöhnen.



Das ausführliche Interview mit Tanja Wegmann finden Sie in der aktuellen Printausgabe von persönlich.

Mitarbeit: Marion Loher

 

 



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