Nach der geplatzten Hochzeit mit Orange kommt Sunrise doch noch unter die Haube: Der Finanzinvestor CVC Capital Partners will die Tochter der dänischen TDC-Gruppe für 3,3 Mrd. Fr. kaufen. Der Regulator beurteilt den Deal als positiv. Ein erneutes Nein der Weko wird nicht erwartet. Sunrise habe einen starken Eigentümer gefunden, der die Entwicklung des Unternehmens sichere, teilte TDC am Freitag mit. Die Dänen, die Sunrise vor etwa zehn Jahren erworben hatten, suchten schon seit Jahren einen Käufer für ihren Schweizer Ableger.
Die geplante Hochzeit von Sunrise und der France-Télécom-Tochter Orange wurde Anfang Juni endgültig abgesagt, nachdem die Wettbewerbskommission (Weko) den Zusammenschluss im April verboten hatte. Damit wollten die Wettbewerbshüter ein Duopol durch die fusionierte Sunrise/Orange und die Swisscom im Mobilfunkmarkt verhindern. Denn mit Sunrise wäre ausgerechnet jener Anbieter verschwunden, der am meisten Bewegung in den hiesigen Mobilfunkmarkt gebracht habe. Zudem würde ein allfälliger Eintritt eines ausländischen Mobilfunkanbieters in die Schweiz praktisch verunmöglicht, argumentierte die Weko damals.
Durch das Verbot habe man verhindert, dass der Schweizer Markt zubetoniert werde, sagte Weko-Direktor Rafael Corazza am Freitag der Nachrichtenagentur SDA. Nun zeige es sich, dass es neben den bisherigen Akteuren weitere Interessenten für den hiesigen Telekommarkt gebe: "Das ist ein gutes Zeichen." Die Wettbewerbshüter wollen nun die geplante Übernahme von Sunrise durch CVC anschauen. Nach einem Monat muss die Weko entscheiden, ob sie den Deal für unbedenklich hält oder eine vertiefte Prüfung einleitet. Die Eidg. Kommunikationskommission (Comcom) ihrerseits beurteilt den Verkauf von Sunrise an CVC als positiv. Es sei ein Vorteil, dass sich mit CVC eine finanzstarke Gesellschaft im Schweizer Markt engagieren wolle, sagte Comcom- Präsident Marc Furrer im Gespräch.
Die Private-Equity-Firma habe die Mittel, um Sunrise mit dem nötigen Kapital für die anstehenden Herausforderungen auszustatten, Denn alleine beim Mobilfunk stünden im Hinblick auf die neue Generation LTE grosse Investitionen an. Diesmal rechne er mit keinem Widerstand der Weko gegen den Deal, sagte der Comcom-Präsident. Aus seinen Gesprächen mit CVC-Vertretern habe er einen guten Eindruck gewonnen, sagte Furrer: "Die kommen nicht nur husch-husch in die Schweiz, um das schnelle Geld zu machen." Allerdings sei auch klar, dass eine Private-Equity-Firma irgendwann wieder aussteigen werde.
CVC ihrerseits sieht sich als langfristige Investorin. Sie konzentriere sich auf die Entwicklung von Unternehmen und bleibe in der Regel fünf Jahre oder länger investiert, bevor sie eine Beteiligung wieder abstosse. CVC wolle "dauerhafte Werte" schaffen, teilte sie mit. Man unterstütze die Strategie, den Investitionsplan sowie das Management von Sunrise unter der Leitung von Oliver Steil "voll und ganz", beteuerte CVC- Partner Lorne Somerville.
Nach Absage der Fusion mit Orange hatte der neue Sunrise-Chef Steil zur Attacke auf Swisscom und Orange geblasen: Sunrise werde das Netz selber ausbauen und in den nächsten fünf Jahren 1 Mrd. Fr. investieren, sagte Steil vor kurzem. Sunrise wolle den Vorteil eines besseren Handynetzes gegenüber Orange halten, hatte Steil mit Blick auf die Konkurrentin verkündet, die ihrerseits 700 Mio. Fr. in den nächsten fünf Jahren investieren will. Im ersten Halbjahr war Sunrise trotz der Lähmung durch die Hochzeitsvorbereitungen mit Orange auf Wachstumskurs geblieben. Der Umsatz kletterte um 2,2 Prozent auf 995 Mio. Franken. Der Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) stieg gar um 15,4 Prozent auf 277 Mio. Franken.
Einen Preiskrieg will Sunrise nach dem Besitzerwechsel aber nicht entfesseln, sagte Steil am Freitag: "Wir sind bei sehr vielen Produkten die Günstigsten." Der Besitzerwechsel zu CVC sei sehr positiv. Nun falle die Unsicherheit über die Absichten der Sunrise-Eigentümerin TDC weg, sagte Steil. Bisher sei immer offen gewesen, wie lange TDC noch an der Schweizer Tochter festhalten würde. Der Verkauf von Sunrise an CVC solle im vierten Quartal abgeschlossen sein, hiess es weiter. Experten sehen Orange durch den Deal mehr unter Druck als die Swisscom. Einen materiellen Einfluss auf die Wettbewerbssituation in der Schweiz habe der Sunrise-Verkauf an CVC aus heutiger Sicht allerdings kaum, hiess es. Die Swisscom-Aktie bewegte sich kaum. (sda)

