04.05.2018

Publicitas in Schwierigkeiten

Kunden klagen über schlechte Kommunikation

Die in Nachlassstundung stehende Publicitas fährt in ihrer Kommunikation eine zurückhaltende Strategie. Am späten Donnerstagnachmittag wurden Vertreter der Verlage nach Glattbrugg eingeladen. persoenlich.com war dabei, aber nicht lange.
Publicitas in Schwierigkeiten: Kunden klagen über schlechte Kommunikation
Steil bergab oder seitwärts? Am Donnerstag folgten rund 80 Entscheidungsträger von Verlagen den Schildern zum Raum am Hauptsitz in Glattbrugg, wo ihnen Publicitas ein Sanierungsplan präsentierte. (Bild: persoenlich.com)

«Nein, Sie können nicht dabei sein. Wir wollen dieses Gespräch vertraulich führen mit den Verlegern, daher haben wir im Vorfeld alle Presseanfragen abgelehnt», begründet Carsten Brinkmeier seinen Entscheid, persoenlich.com keinen Zutritt zu gewähren. Obwohl wir das wussten, waren wir am Donnerstag auf die Nachricht über die provisorische Nachlassstundung nach Glattbrugg an den Publicitas-Hauptsitz gereist, wo für 16 Uhr zum Treffen geladen wurde, um einen alternativen Lösungsansatz vorzustellen (persoenlich.com berichtete). 





«Wir wollen keine Journalisten benachteiligen oder bevorzugen», erklärt der Group-CFO weiter. persoenlich.com muss darum also den Rückmarsch antreten, während Entscheidungsträger von rund 50 Schweizer Verlagen, darunter auch NZZ und Admeira, einzeln oder in kleinen Grüppchen in den Vortragssaal eingelassen werden. CFO Brinkmeier verspricht eine Pressemitteilung im Anschluss an das Treffen, das bis 18 Uhr angesagt ist und ein Telefongespräch – «wenn ich dann nicht zu müde bin».

Später, als ihn persoenlich.com um 19 Uhr kontaktiert, ist er freundlich und gefasst. Er hat nicht nur vor den Verlegern referiert, sondern auch den Sachwalter, der das Nachlassstundungsverfahren leitet, kennengelernt. Die Atmosphäre beschreibt Brinkmeier als «sachlich». Es habe keine hitzigen Diskussionen gegeben, keinen Tumulut. Aber viele Fragen zu den Altforderungen, respektive wann und in welchem Umfang diese bedient werden können.

«Am liebsten heute und grad in bar»

Die Verleger oder Verlagsmitarbeitenden, darunter viele von kleinen Verlagen, sind aus Bern, der Innerschweiz oder anderen Regionen der Schweiz angereist. Sie sind nicht wütend oder aufgebracht, sondern hoffen ganz einfach, das ausstehende Geld, oder wenigstens einen Teil davon, zu erhalten. «Ich bin mit dem Auto gekommen, ich könnte gut einige Tausender nach Hause transportieren», sagt einer, während er beim Warten vor dem Gebäude seine Zigarette ausdrückt. Ein anderer hakt in diesen Galgenhumor ein: «Ja, in meinem Rucksack wäre auch noch Platz».

Es sind über mehrere Monate angehäufte Beträge, die den Verlagen fehlen. Zwar vermarkten mittlerweile die meisten einen Grossteil ihrer Anzeigen selber und seien daher nicht mehr so stark auf die «P» angewiesen. Trotzdem: «Das uns zustehende Geld nähmen wir gerne, am liebsten heute und grad in bar». Denn in der Summe ist der Betrag hoch: Es handle sich um einen «zweistelligen Millionenschaden», schrieb Branchen-Kenner Karl Lüönd im letzten «Sonntagsblick» (persoenlich.com berichtete). Brinkmeier sagt zu dieser Zahl am Telefon nichts, weist stattdessen daraufhin, dass laut seinen Berechnungen den Schweizer Verlagen 30 Millionen jährlich an Werbeumsatz wegfallen würde, falls es die «P» nicht mehr gäbe.

Alles läuft über die Kommunikationschefin

Zurück zu den Verlegern in Glattbrugg. Sie wollten sich den Vorschlag der P-Chefs anhören, denn Informationen von Publicitas zu bekommen, war schwierig. «Letzten Mittwoch hatte ich letztmals Kontakt mit meinem Ansprechpartner, seither erfuhren wir Nichts mehr. Ich werde nur noch an die Kommunikationschefin weiterverwiesen und von ihr erhalte ich keine Antwort», sagt einer im Gespräch mit persoenlich.com. Tatsächlich war es in den letzten Tagen nicht nur für Kunden, sondern auch für die Journalisten unmöglich, Konkretes zu erfahren. Mitarbeiter verwiesen auf Anfrage an die Kommunikationschefin Elisabeth Aubonney. Diese wurde wahrscheinlich überhäuft und beantwortete die Anfragen daher mit Verzögerung – meist mit den Worten: «Wir bitten um Geduld». Inhaltlich hatte sich «P» am Freitag letztmals geäussert: Damals kündigte das Unternehmen dieses Treffen mit den Verlegern an.

«Print-Buchungsverhalten genau analysieren»

Indes sind auch die Auftraggeber ungeduldig. «Wir haben leider bisher keine zufriedenstellenden Antworten der Publicitas auf unsere Fragen erhalten und zum Anlass am Donnerstag wurden nur Verlagspartner eingeladen, sagt Roland Ehler, Direktor des Verbandes der Schweizer Werbeauftraggeber SWA, auf Anfrage von persoenlich.com.

Daher ist auch dort Warten angesagt: «Inzwischen haben wir natürlich unsere Mitglieder darüber informiert wie unklar und unsicher die Lage bei der Publicitas aus unserer Sicht ist». Und was hat der Verband den Auftraggebern geraten? Sollen sie die Rechnungen weiterhin an Publicitas oder direkt den Verlagen bezahlen? Der Verband habe den Mitgliedern geraten, das «Print-Buchungsverhalten» genau zu analysieren und in dieser unklaren und unsicheren Situation selbst zu entscheiden wie und wo gebucht wird. «Was jedoch bereits bei Publicitas gebucht wurde, muss aus unserer Sicht auch bei Publicitas bezahlt werden – ausser es werden Abtretungsforderungen von Dritten geltend gemacht», so Ehrler.

Verlegerverband schweigt

Still ist auch der Verband Schweizer Medien. Eigentlich wollte er sich diese Woche äussern, wie Direktor Andreas Häuptli vor Wochenfrist auf Anfrage von persoenlich.com sagte. Das ist aber nicht geschehen. Nachfragen vom Mittwoch und Donnerstag um eine Stellungnahme blieben unbeantwortet.

Nun ist der Ball bei den Verlagen: Alle Teilnehmer des Treffens wurden gebeten, bis am 10. Mai dem Antrag zuzustimmen. Publicitas will, dass die Verlage künftig zu insgesamt 50 Prozent an der Publicitas beteiligt werden (persoenlich.com berichtete). Das Bezirksgericht erwartet bis am 18. Mai eine Rückmeldung über die Kooperationsbereitschaft der Verlage.


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