Frau Brand, Sie haben mit Pumpkin Stream eine Division für Viralfilme aufgebaut. Ist dieser Geschäftsbereich bereits ein relevantes Geschäftsfeld?
Zunächst muss man sagen, dass "Virals" lediglich einen kleinen Teil der Möglichkeiten beschreiben, das Medium Film im Internet zu nutzen. Unser Ansatz geht über diese Verbreitungsform hinaus: Wir wollen ganz allgemein die Vorzüge dieser Medien nutzen -- und diese werden in der Tat immer wichtiger. Das sieht man daran, dass auch die grossen Werbeagenturen wie Publicis und Advico Young & Rubicam daran sind, ihre Digital-Abteilungen auszubauen. Dies führt dazu, dass wir auch hier ganz andere, viel online-affinere Ansprechpartner haben. Letztlich aber reagieren auch die Agenturen auf den Bedarf der Kunden.
Wie gross ist denn heute bereits der Anteil der Online-Filme am Gesamtumsatz?
Schwierig zu sagen. Denn oftmals lässt sich nicht genau abschätzen, was nun online ist, und was TV. Ich würde den Anteil aber auf etwa zehn Prozent schätzen.
In der Schweiz fliessen die Werbegelder immer noch sehr spärlich in die Online-Medien -- was am fehlenden Know-How auf Seiten der Agenturen liegt, wie Google Schweiz-Chef Andreas Schönenberger findet. Kommen Sie da mit einer Viralspot-Abteilung nicht zu früh?
Ich habe das Gefühl, dass wir uns alle dem Online-Medium nähern, respektive nähern müssen. Dieser Prozess ist nun in Gang gekommen. Es werden immer mehr Werbeprojekte crossmedial angedacht. Die Agenturen sind deshalb froh, dass sie mit uns einen Partner haben, den Sie ansprechen können. Es ist ja nicht immer so, dass man einen TV-Spot eins zu eins ins Netz stellen will.
Braucht es ein spezielles Know-How, um Online-Filme produzieren zu können?
Das lässt sich nicht mit Ja oder Nein beantworten. Leider ist es heute noch oft eine budgetäre Frage. Ich bin zwar überzeugt, dass auf Dauer die Nachfrage nach Online-Filmen steigt und die Auftraggeber mehr Geld in diese Werbeform investieren werden wie dies andernorts bereits der Fall ist. Im Moment aber ist das Budget für Internet-Filme eher bescheiden. Deshalb ist es gar nicht möglich, Online-Filme mit ähnlichen Mitteln zu produzieren wie klassische TV-Spots. Für uns heisst das, dass wir mit anderen Kameras drehen, mit kleineren Crews arbeiten, Wir gehen schneller und spontaner an die Sache heran, als bei klassischen Formaten. Zugleich ist die Arbeit sehr agenturintensiv. Auch die Agenturen müssen umdenken und schneller handeln. So ist es bei Online-Filmen kaum mehr möglich, ein Videocasting in vier Ländern durchführen und die Auswahl der Schauspieler in fünf Meetings zu besprechen.
Stimmt also die Gleichung: Internet = Low Budget?
Nein, nicht grundsätzlich. Es wäre ein grosser Fehler, wenn die Agenturen ihren Kunden Online-Filme nur als Low-Budget-Produktionen verkaufen würden. Damit macht man dieses Geschäft kaputt. Unser Ziel muss deshalb sein, die Wichtigkeit von solchen Online-Spots herauszustreichen.
Machen wir uns doch nichts vor: Online-Filmchen sind hierzulande in aller Regel lustige Beigaben zur klassischen Kampagne, bei dem die Kreativen ein wenig spielen dürfen.
Ich weiss, dass viele Agenturen so denken. Viele Kreativen machen eben gerne lustige Filme und denken dabei bereits an Cannes. Aber das darf nicht sein. Letztlich sollte es doch immer um die Frage gehen, was man mit der Online-Werbung für den Kunden bewirken kann. Mit kleinen, lustigen "Homemade"-Videos ist es nicht getan. Es gibt aber auch hierzulande schon gute Beispiele von Kampagnen, die gezielt die Online-Medien einbinden. Ich denke etwa an das Projekt von KPT mit Fitnesstrainer Max oder auch die M08 der Migros.
Gefährden Sie durch die Betonung der Online-Film-Geschäfts nicht ihr Stammgeschäft, die viel teureren klassischen TV-Spots?
Nein. Denn klassische Werbung wird es immer geben. Die Filme fürs Internet werden derweil auf Dauer nicht klein und billig bleiben. Vielmehr werden grosse Firmen fürs Internet eigene Kampagnen fahren, die viel genauer auf bestimmte Zielgruppen fokussieren als in der TV-Werbung. In Deutschland etwa investieren viele Firmen schon heute viel Geld in solche Internet-Filme. Mit dem Vorteil, dass das Internet auch die Möglichkeit bietet, längere Filme zu realisieren und die Schaltkosten sind im Internet ebenfalls zu vernachlässigen.
Immer mehr einheimischen Werbeagenturen lassen ihrer Spots im Ausland produzieren -- sei es aus Kostengründen oder weil dort professioneller gearbeitet wird. Kann es die hiesige Branche mit dem Ausland aufnehmen?
Es war immer schon so, dass Agenturen mit grossen Budgets ins Ausland gehen. Dass sich diese Tendenz in den letzten Jahren verstärkt hat, kann ich jedoch nicht feststellen. Wir haben hier gute Leute am Platz das wissen viele Werbeagenturen und schätzen es, hier in der Schweiz Partner an der Seite zu haben, statt nach London, Paris oder New York fliegen zu müssen.
Wie stark hängen Sie am Tropf der Werbeagenturen?
Die Schweiz ist ein kleiner Markt, wir sind sehr abhängig. Zumal es nur wenige TV-intensive Agenturen gibt. Wir haben uns deshalb zum Ziel gesetzt, internationaler zu werden. Snap Film etwa hat eben einen weltweit erfolgreich tätigen deutschen Regisseur verpflichtet. Mit ihm wollen wir stärker auch internationale Projekte reinholen.
Ist die Schweizer Produktion im Vergleich zum Ausland nicht immer noch zu teuer?
Das ist ein falsches Vorurteil. Natürlich sind wir nicht so billig wie die Länder in Osteuropa. Aber mit Deutschland, Italien, Frankreich und Österreich können wir uns sehr gut messen. Unsere Preise sind sicherlich nicht höher als im nahen Ausland.
(Interview: David Vonplon)

