"Was stimmt hier nicht? Sie wissen Ihren Arbeitsplatz und Ihr Einkommen zu schätzen. Aber Sie fahren ein Fahrzeug der Konkurrenz." Mit dieser Botschaft hat der bayrische Autobauer BMW seine Mitarbeiter zur Markentreue aufgefordert. Mittels blau-weisser Werbekarten, die unter die Scheibenwischer geklemmt wurden, sollen vor allem jene Angestellten angemahnt werden, die keinen Mini oder BMW fahren. Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge fand etwa jeder zehnte aller Mitarbeiter in den deutschen BMW-Werken die ungewöhnliche Eigenwerbung für die Produkte seines Arbeitgebers an seinem Privatauto.
"Der Schuss dürfte eher nach hinten losgehen, da BMW-Fahrzeuge im Premium-Segment angesiedelt sind und von den Betriebskosten höher als andere Marken liegen", erläutert Stefan Reindl, stellvertretender Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. Laut dem Fachmann haben bereits andere Automobilhersteller ähnliche Massnahmen gestartet - grösstenteils ohne durchschlagenden Erfolg. Diese Einschätzung bestätigt sich mit Blick auf Volkswagen. Erst im Februar hatte VW Fremdmarken die Einfahrt ins Werk untersagt.
Trotz dieser bereits bei anderen Herstellern im Vorfeld negativen Erfahrungen liess BMW die Karten verteilen. Aber nicht jeder mit einer Fremdmarke bekam den dezenten Hinweis. Wer etwa mit einem Chrysler Voyager, einem VW Sharan oder einem anderen Van zu seinem Arbeitsplatz fuhr, blieb unberücksichtigt. Vergleichbare Grossraumautos bietet die BMW-Gruppe nämlich nicht an. Gezielt ausgewählt wurden dagegen Fahrzeuge, die direkte Konkurrenzprodukte sind. So wurden die Volkswagen-Modelle Golf und Passat sowie der Audi A4 bedacht.
BMW will eigenen Angaben nach "einen Denkprozess anregen". Das Münchner Unternehmen betont, seinen Mitarbeitern nicht vorschreiben zu wollen, welche Fahrzeuge sie zu fahren haben und niemand personalrechtliche Folgen zu befürchten habe. Man stelle "leidenschaftliche" Fahrzeuge her und wolle lediglich die "Sensibilität für emotionale Produkte wecken", so BMW. (pte)

