18.08.2005

"Moral und Religion werden wichtiger"

"persönlich" freut sich, eine neue Partnerschaft mit dem Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) bekannt zu geben. Es findet künftig eine enge Zusammenarbeit mit dem Think-Tank statt. Regelmässig wird aus der neuesten GDI-Forschung im Bereich Trends, Marketing, Detailhandel berichtet. "persoenlich.com" präsentiert einen ersten Beitrag zur Herausforderung der Globalisierung aus dem neuen "persönlich blau". David Bosshart, CEO des GDI, hat fünf Thesen zur Globalisierung und den neuen Aufgaben, die sie mit sich bringt, aufgestellt.
"Moral und Religion werden wichtiger"

"Die Globalisierung stellt uns vor neue Aufgaben. Was bedeuten sie für uns und wie sind sie zu meistern? Fünf Thesen.

1. Der Kern der Globalisierung liegt in der zunehmenden Vernetzung. Somit hat die Globalisierung eine eminent politische Dimension. Souveränität wird neu definiert, die gegenseitigen Abhängigkeiten steigen exponentiell an. Je vernetzter wir sind, desto anfälliger werden wir. Informationen werden immer schneller immer billiger, und damit wird Schaden anrichten auch immer billiger. Die Hemmschwellen sinken, grenzenloser Terror zum Discount-Tarif gehört heute zum Alltag: Mit Low-Cost-Strukturen und Low-Tech-Know-how wird maximaler Schaden angerichtet und mediale Weltöffentlichkeit gewonnen.

2. Keiner ist alleine stark genug. Nur wer im Wettbewerb erfolgreich kooperieren kann, überlebt. Die Herausforderung liegt in der langfristigen strategischen Fähigkeit, intelligent zu kooperieren. Das Phänomen heisst ³Koopetition², womit das Paradox gemeint ist, Wettbewerber anzuerkennen und gleichzeitig mit ihnen zusammenzuarbeiten. China und Indien sind die besten Beispiele dafür.

3. Kein Wettbewerbsvorteil mehr durch Wissensvorsprung ­ denn nicht Wissen gewinnt, sondern das Wissensdesign. Im Vorteil ist, wer Wissen flexibel gestalten und anderweitig kommunizieren kann. In einer Welt, in der immer mehr Menschen immer schneller genau dasselbe Wissen haben, dessen Austauschbarkeit zunimmt und immer mehr gestohlen wird, müssen zum Beispiel Patentrechte aus ökonomischen Gründen kürzere Gültigkeitsdauer haben ­ nur so kann schnellere Innovation garantiert werden.

4. Direkte Demokratie gehört zu den Gewinnern. Das heisst, dass nicht die grossen Systeme und hierarchischen Abläufe gewinnen, in denen sich viel Macht konzentriert, sondern dass die Bedeutung dezentraler Einheiten steigt und Sympathiekapital entscheidend wird. Was heute in der EU passiert, die Ablehnung der europäischen Verfassung durch die Bürger, ist ­ paradoxerweise ­ logisch und vernünftig. Denn Menschen wollen partizipieren, das Schlimmste, was die Machthaber tun können, ist zu kommunizieren: ³Dich braucht es nicht, du bist unwichtig!² Das sind Good News für die ach so verunsicherte Schweiz! Je grösser und anonymer die Systeme, desto autoritärer und rücksichtsloser müssen sie geführt werden, wofür China, die USA oder die internationalen Grosskonzerne gute Beispiele sind.

5. Moral und Religion werden wichtiger. Je freier der Zugang zu Informationen, desto grösser die Überforderung des Einzelnen und desto intensiver die Suche nach Überblick und Zusammenhängen. Damit sind moralische Fragen angesprochen, die letztendlich religiös fundiert sind. Noch wichtiger: Sie prägen und kanalisieren die Motivation von Menschen. Wer nicht versteht, kauft nicht, investiert nicht und vor allem: Er glaubt nicht an die Zukunft. Der Vorteil der Amerikaner gegenüber den Europäern liegt genau in der religiösen Fundierung des Handelns, auch wenn uns deren Auswüchse wie Political Correctness oder Fundamentalismus ein Gräuel sind. Bei uns erkennen wir: Wer an nichts glaubt, ist bereit, jeden politischen oder medialen Hype mitzumachen. Motivation ist letztlich immer in Glaubensüberzeugungen begründet. Wir müssen ein Verhältnis zur Religion und zur Moral rückgewinnen. Denn das ist die Basis unseres Handelns, auch der Wirtschaft. Wenn nicht, werden wir den wirtschaftlichen Abstieg nicht vermeiden können.


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