Zum Entscheid der SevenOne Media (Schweiz), die Vermarktung ab 2011 bei der Goldbach-Tochter IP Multimedia zu bündeln, haben in den letzten Wochen verschiedene Player Stellung genommen - nur der Schweizer Werbeauftraggeberverband (SWA) nicht. Falsch: Der SWA hat sehr wohl Position bezogen, wie ein Blick auf seine Website zeigt. Grundtenor: Der SWA ist nicht erfreut, aber auch nicht völlig unglücklich über das IP-Monopol.
SWA spricht von Quasimonopol und Zynismus
SWA-Direktor Jürg Siegrist bezeichnet dort die neue Marktsituation bei der Vermarktung der Privatsender unumwunden als "Quasimonopol" der IP Multimedia. Die logische Konsequenz sei eine Preiserhöhung bei den Werbefenstern - was ja auch bereits geschehen sei: IP Multimedia habe für die meisten seiner Sender noch für die Monate September bis Dezember 2010 die Preise hinaufgesetzt. Das rein juristische Argument, wonach nicht die IP als Vermarkterin die Preise bestimme, sondern dass diese Kompetenz nach wie vor bei den Sendern liege, lässt Siegrist nicht gelten. Eine solche Aussage grenze angesichts der Besitzverhältnisse bei IP Multimedia (Schweiz) "an Zynismus". Denn die Vermarkterin sei zu 54 Prozent im Besitz der Goldbach Media, und zu je 23 Prozent gehöre sie IP Deutschland GmbH (RTL-Gruppe) und SevenOne Media (Schweiz) AG (ProSiebenSat1-Gruppe).
Umklammert das Portemonnaie!
Siegrist fragt sich, was der SWA nun gegen Entscheid von SevenOne Media unternehmen könne. Ein juristisches Vorgehen wäre zwar möglich, würde aber zu lange dauern, meint er. Sein Fazit: "In praxi lässt sich also gegen die Monopolisierung nicht mehr tun, als der SWA tut: In hartnäckigen Gesprächen für vernünftige Preise kämpfen." Gleichzeitig bittet er die SWA-Mitglieder um Rückendeckung: Sie dürften die Preiserhöhungen nicht kommentarlos schlucken. "Die Faust im Sack zu machen nützt sehr wohl - sofern man dabei das Portemonnaie umklammert", hält der SWA-Direktor fest.
Vorwürfe gegen Mediagenturen
Interessant ist, wen Siegrist als "die Leidtragenden" des Deals betrachtet: "In erster Linie Cinecom, der nur noch 3+ verbleibt". Und die Mediaagenturen, "die nun kaum mehr mit Kickbacks und Boni umworben werden." Die Werbeauftraggeber hingegen sieht er in einer ambivalenten Situation: "Sie müssen zwar tiefer in die Tasche greifen, dürfen dafür aber auch mit grösserer Transparenz rechnen, wenn die verpönten Vergütungen an die Mediaagenturen von Seiten der Medien mehrheitlich wegfallen." Diese Vorwürfe an die Mediaagenturen erstaunen nicht, hat doch Mediacom-Chef Axel Beckmann in einem Interview auf "persoenlich.com" dem SWA punkto IP/SevenOne-Deal Versagen vorgehalten ("persoenlich.com" berichtete). Exakt darauf nimmt Siegrist auch Bezug und hält Beckmann entgegen, dass der SWA schon vor fünf Jahren "dezidiert gegen die Monopolisierung der Schweizer Medien Stellung genommen und dafür harsche Kritik eingeheimst" habe.
Freundliche Worte für die IP
Die Heftigkeit von Siegrists Retourkutsche lässt tief blicken in den Abgrund zwischen SWA und Agenturen. Dieser scheint sogar tiefer und breiter zu sein als der Graben zwischen SWA und der neuen Monopolistin IP. Jedenfalls findet Siegrist am Ende seiner Standpauke durchaus noch positive Worte für die IP, bezeichnet er sie doch beinahe tröstend als einen "im Übrigen geschätzten Mediapartner". Die Agenturen hingegen erhalten keine solche Anerkennung. (Text: Markus Knöpfli)

