18.07.2005

Moskau

Stadt verschwindet hinter Plakatwänden

Ähnlichkeit mit dem New York Times Square.

Das einst graue Zentrum von Moskau ist heute ein buntes Gemisch aus Plakaten, leuchtenden Bannern, bemalten Wänden und blinkenden Bildschirmen. Die Fassaden historischer Gebäude sind eingewickelt in fußballfeldgroße Werbeplakate riesiger Konzerne. So versteckt sich beispielsweise das Gebäude der Agentur Ria Novosti, ehemals ein Symbol der Sowjetära, derzeit hinter Motorolabannern und unweit des Kremls findet sich eine überdimensionale Rolex-Werbung.

Russlands 3.8 Mio. Dollar Werbemarkt ist heute der am schnellsten wachsende der Welt. Bis Ende des Jahres wird eine Steigerung von 30 Prozent auf gute fünf Mio. Dollar Umsatz in der Werbewirtschaft erwartet, berichtet das Wall Street Journal. Im Vergleich dazu werden für den europäischen und US-amerikanischen Markt nur etwa vier Prozent Zuwachs prognostiziert.

Viele der weltweit führenden Agenturen wie Rupert Murdochs News Corp. oder der Marketingriese WPP Group mischen deshalb inzwischen kräftig auf dem russischen Werbemarkt mit. Allein die Murdoch Tochterfirma News Outdoor Russia vermarktet ein Viertel der russischen Billboard-Flächen.

Vor allem die Aussenwerbung boomt in Moskau. Weil viele Geschäftsleute im Vergleich zu ihren westlichen Kollegen weit weniger fernsehen oder Zeitung lesen und sich aufgrund des zähen Verkehrs häufig stundenlang auf den Strassen befinden, hat sich Fassaden- und Plakatwerbung in der russischen Hauptstadt zur besten Methode entwickelt, um Investoren und Kunden zu erreichen. Zudem bieten die Häuser, dank sowjetischer Planung, mit ihren riesigen Flächen hin zu breiten Gehsteigen viel mehr Platz für grosse Werbebanner als dies in Europa der Fall ist.

Behörden und Umweltschützer zeigen sich aber wenig begeistert von dieser Reklameflut. Das Stadtzentrum sei übersättigt von Plakaten, so Vladimir Makarov, der Chef der Werbekommission der Regierung. Ein großes Problem seien so genannte Werbe-Piraten, die ihre Plakate illegal, ohne eine Erlaubnis einzuholen, an Fassaden anbringen. Insbesondere kleinere Firmen würden so agieren, sagt Makarov.


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