27.06.2005

Real Madrid

Top-Positionierung als Marke

Trotz ausbleibenden Titelgewinnen enorme Umsatzzuwächse.

Beim spanischen Erstligisten von Real Madrid gestaltet sich die finanzielle Situation besser denn je. Zu verdanken hat der Verein dies dem Bauunternehmer Florentino Perez, der im Jahr 2000 zum Präsidenten gewählt wurde, berichtet Business Week Online (BWO).

Dieser begann unmittelbar darauf, die weltweit besten Spieler einzukaufen und das noch in einer Dimension, die auch in der Fussballwelt auf Unverständnis stiess. Drei Jahre später hatte der neue Präsident das "weisse Ballett" dann zu einer Mannschaft geformt, die jetzt mehrheitlich aus internationalen Stars besteht. Diese haben den Fussballverein zu einer der weltweit stärksten Marken in der Welt des Sports aufsteigen lassen. Eine der Folgen: Fans auf der ganzen Welt huldigen der Super-Truppe und kaufen wie wild die heiss begehrten Merchandising-Artikel.

Der neue Real-Präsident schaffte es auch, den Verein finanziell zu konsolidieren. Der Schuldenberg in der Höhe von 270 Millionen Euro konnte abgebaut und die Umsätze auf Rekordniveau angehoben werden. Mit dem finanziellen Aufstieg kam mittelfristig jedoch auch der sportliche Niedergang. In den vergangen beiden Jahren konnte der Verein keinen einzigen Titel gewinnen. Die mittlerweile schon etwas ins Alter gekommen Stars wirken oft träge und demotiviert. In nur einem Jahr haben gleich drei Real-Trainer das Handtuch geworfen. Die Fans sind dementsprechend deprimiert.

Die Marke "Real Madrid" hingegen ist laut BWO so gut positioniert wie nie zuvor. Die Umsätze eines Fussball-Vereins sind in der Regel mit den Erfolgen verbunden. Bei Real ist dies nicht der Fall. Der erste Kauf eines Top-Spielers war der Portugiese Luis Figo um 46 Millionen Euro. Nachdem Figo nach Madrid kam, wurde im Jahr 2001 zum ersten Mal in vier Jahren auch der Meistertitel eingefahren. Kurz darauf stiess Zinedine Zidane von Juventus um 54 Miillionen Euro hinzu. 2002 gewannen die "Königlichen" dann die Champions League. Später in diesem Jahr wurde auch der brasilianische Super-Star Ronaldo von Inter Mailand um 36 Millionen Euro ausgelöst. 2003 wurde zusätzlich noch die britische Sport- und Mode-Ikone um David Beckham um 34 Milionen Euro nach Madrid geholt.

Beckham löste eine wahre Real-Madrid-Mania aus. Noch am Tag bevor der Brite als neuer Spieler der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, verkaufte der Klub 8000 seiner Trikots. Ihm ist es auch zu verdanken, dass Real den asiatischen Markt im Jahr 2003 während einer 17-tätigen Tour durch China, Hongkong, Thailand und Japan erobern konnte. In Japan alleine wurden während einer Trainings-Session Trikots im Wert von 174'000 Euro verkauft werden.

Neben den Triumphen im Stadion konnte Perez jedoch auch andere Erfolge verbuchen. Im Jahr 2001 verkaufte er die Trainings-Grundstücke (120'000 Quadratmeter) von Real an die Stadt Madrid um rund 500 Millionen Euro. Dem Bauunternehmer gelang es auch, ein unabhängiges Management für das Merchandising, Sponsoring und diverse Medienaktivitäten zu etablieren. Zusätzlich wurden Vereinsaktien an führende spanische Unternehmen verkauft.

Das Geld, das Real jetzt durch Sponsoren- und Werbeverträge erwirtschaftet, überflügelt bei weitem die Einnahmen aus dem Fussballgeschehen. In der Saison 2003/2004 stieg der Umsatz von den 183 Millionen Euro aus dem Jahr 2000 auf geschätzte 233 Millionen Euro an. 2005 soll er laut Analysten die 300-Millionen-Euro-Grenze überschreiten.

Die Fans stehen dem finanziellen Aufstieg ihres Klubs jedoch etwas argwöhnisch gegenüber und sind der Ansicht, dass die Stars durch ihre langfristigen Verträge keine Motivation mehr hätten, Fussball zu spielen. Ein ehemaliger Physiotherapeut meint treffend, dass das Team "neues Blut" benötige. Die Anhänger sehen ihren Verein aber nach wie vor als etwas Aussergewöhnliches und werden den Königlichen auch weiterhin die Treue halten. (pte)


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