16.06.2008

EURO 08

"Unser Bier" erfolgreich mit Trittbrettfahren

Sympathie- und Umsatzgewinne mit provokativem Auftritt.

Während offizielle Fanzonen-Standbetreiber miese Umsätze beklagen, freut sich in Basel die Kleinbrauerei "Unser Bier" über reissenden Absatz. Sie kultiviert Trittbrettfahren zum Sport und profitiert so von der Unmutswelle gegen UEFA-Vorschriften.

Auf der grünen "Unser Bier"-Etikette steht: "Basel. Mehr als nur Calrsbreg. Das offizielle Trittbrettfahrerbier". Für das lustvolle Foul am EURO-Sponsoren gab es bisher keine juristische gelbe Karte. Auf Rechtsgutachten hatte "Unser"-Chef Istvan Akos verzichtet; er baut auf die Narrenfreiheit eines Davids im Kampf gegen Goilath.

Er ziele nicht auf die Firma Carlsberg, sondern kritisiere "die Gesamtveranstaltung" EURO, sagte Akos am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Er nehme den Werbeslogan des Standortmarketings "Basel. Mehr als 90 Minuten" beim Wort, denn Basel habe eben auch mehr als nur eine Brauerei. Sein Bier sei die "lokale Antwort auf die globale Konzentration".

Diese Antwort kommt an, hat doch "Unser Bier" schon von Januar bis Ende Mai trotz oft lausigem Wetter 15 Prozent mehr Umsatz verzeichnet als im Vorjahr. Und im Juni "brechen alle Rekorde", lacht Akos. 1000 "Basel. Mehr als nur Calrsbreg"-T-Shirts an der GV reichten nicht; auch 750 nachgedruckte waren innert einer Stunde weg.

Auch "Ueli Bier", die andere Lokalbrauerei in Basel, legt zu: Der Umsatz von Januar bis Ende Mai stieg gegenüber 2006 um rund 19 Prozent (eine Umbau-Pause der Brauereibeiz herausgerechnet). "Ueli Bier" profitiert von der Medienpräsenz jener drei Wirte in der Fanzone am Rheinufer, die sich lieber einzäunen lassen, als nur Carlsberg-Bier auszuschenken.

Akos betont zwar, dass seine David-gegen-Goliath-Kampagne Spass machen solle. Aber er muss auch betriebliche Investitionen schützen und Arbeitsplätze sichern. Neckischerweise hilft der höhere Gewinn im EURO-Jahr einen kostspieligen geplanten Ausbau zu finanzieren.

Akos betont zwar, dass seine David-gegen-Goliath-Kampagne Spass machen solle. Aber er muss auch betriebliche Investitionen schützen und Arbeitsplätze sichern. Neckischerweise hilft der höhere Gewinn im EURO-Jahr einen kostspieligen geplanten Ausbau zu finanzieren. - In Basel lohnt sich sogar Trittbrett-Surfen auf der Unmuts-Welle.

Lokalbrauerei-Witze gegen EURO-Sponsorenbier kommen indes nicht überall gleich gut an: BernMobil hatte in Tram und Bus Fahrgästen, die "ein anständiges Schweizer Bier" suchen, versprochen sie "in nullkommanichts aus der Fanzone" hinaus zu befördern. Nach Reklamationen stellte das Unternehmen die Durchsagen wieder ein. (sda)


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