26.08.2009

"Wir sind heute ein etablierter Marktplayer"

Vor einem Jahr gründeten ehemalige Mitarbeiter des Internet-TV-Anbieters Zattoo den Onlinevermarkter Serranetga. Die junge Firma entwickelte sich innert Kürze zu einem gefragten Spezialisten. Vor allem im Bereich Social Media machte sich die Agentur schnell einen Namen. So brachte das Team die Marke Axe auf Facebook gross ins Gespräch. "persoenlich.com" sprach mit dem Serranetga-Gründer Remo Prinz über den Onlinemarkt Schweiz, warum seine Firma nichts von der Krise spürt und was es mit dem ungewöhnlichen Firmennamen auf sich hat. Das Interview:
"Wir sind heute ein etablierter Marktplayer"

Herr Prinz, Sie sind Mitgründer einer Onine-Vermarktungsagentur mit dem ungewöhnlichen Namen Serranetga. Wie sind Sie zu diesem gekommen?

Wir haben die Firma sehr kurzentschlossen gegründet und uns nur eine Bierlänge Zeit für die Namensgebung genommen. Nach diesem Bier stand dann der Name Serranetga fest. Wie gewollt unterscheidet er sich komplett von den üblichen New Economy-Namen.

Und wie spricht man ihn richtig aus?

Das werden wir immer wieder gefragt. Auf unserer Homepage ist deshalb ein Jingle abrufbar.

Würden Sie heute nicht lieber einen anderen Namen wählen?

Nein. Der Name erweckt Interesse und die Bedeutung des Wortes bringt unsere Vision auf den Punkt. Serranetga heisst Reissverschluss auf Rätoromanisch und ist die Metapher dafür, die Werbewirtschaft mit den Publishern im Bereich Online-Werbung zusammenzubringen. Wie ein Reissverschluss eben.

Seit bald einem Jahr bieten Sie mit Serranetga Online-Vermarktung an. Wie hat sich die Firma entwickelt?

Wir haben als Vermarkter einzelner Websites angefangen. Nach einem Jahr bieten wir praktisch das ganze Online-Spektrum an: Auf Media-Seite platzieren wir Werbung auf inzwischen über dreihundert Websites. Technologisch – also im Bereich AdServing – sind wir auf dem absolut neuesten Stand. Auch im Produktionsbereich decken wir in Zusammenarbeit mit professionellen Partnern von der Konzeption und dem Design bis hin zur Programmierung von Flash-Applikationen die gesamte Wertschöpfungskette ab. Die Integration all dieser Kompetenzen erlaubt uns, selbst ausgefeilteste Rich Media-Kampagnen von A bis Z durchzuführen. Ich glaube, wir können heute stolz behaupten, dass wir ein etablierter Marktplayer sind.

Sie wurden von "20 Minuten" zum Jungunternehmen, das sich gegen die Krise behauptet, gefeiert. Warum läufts so gut?

Wir bauen unsere Firma grundsolide auf. Das heisst, wir sind hundertprozentig eigenfinanziert und unabhängig. Zudem verfügt Serranetga über höchst einfache und flexible Strukturen. So können wir uns diesem dynamischen Markt immer wieder anpassen und ihn aktiv mitgestalten. Der Erfolg ist letztlich aber auf unser engagiertes Team zurückzuführen. Wir sind verhältnismässig jung, aber hochqualifiziert und immer bereit, für unsere Kunden die Extrameile zu gehen.

Erklären Sie uns die Philosophie von Serranetga. Was machen Sie anders als die Konkurrenz?

Die Philosophie ist einfach. Wir wollen gute digitale Werbung machen. Das kann bei den Neuen Medien nur gelingen, wenn Kompetenz in konzeptioneller, planerischer und technologischer Hinsicht zusammenkommen. Ganz der Metapher des Reissverschlusses folgend, ergänzen wir die Kompetenzen unserer Partner. Je nach Ausgangslage spannen wir mit Mediaagenturen, Kreativagenturen oder direkt mit Endkunden zusammen. Unsere Rolle als unabhängige "Enabler" lässt eine Vielfalt von Kooperationsmöglichkeiten mit den einzelnen Marktplayern zu.

Herr Prinz, sind vier Onlinevermarkter in der Schweiz nicht zu viel?

Weshalb? Schauen Sie nach Deutschland – dort gibt es über dreihundert. Wettbewerb belebt bekanntlich den Markt. Davon wird schliesslich die ganze Schweizer Online-Branche profitieren.

War es schwierig, in diesem bereits gesättigten Markt Fuss zu fassen?

Weniger als gedacht. Als ehemaliges Vermarktungsteam des IPTV-Anbieters Zattoo, kannten wir den Markt gut. Wir konnten die Risiken und Herausforderungen gut einschätzen.

Gegen welche Widerstände mussten Sie ankämpfen?

Aus dem Markt gab es keine. Im Gegenteil, wir hatten den Eindruck, dass frischer Wind willkommen war.

Viele Unternehmen schichten ihre Werbebudgets nachweislich in Richtung Internet. Wird sich dies bei einem Aufschwung möglicherweise wieder ändern?

Kaum. Viele Schweizer Werbetreibende beginnen erst jetzt zu realisieren, dass der Werbefranken im Internet gut investiert ist. Wir hinken zwar unseren ausländischen Nachbarn hinterher, aber auch in der Schweiz wird das Online-Mediavolumen die zehn Prozent überschreiten.

Ihr Team hat sich auf Social Media spezialisiert. Eine Nische mit Zukunft?

Gute Social Media-Werbung erlaubt eine spielerische Interaktion mit der Marke und macht diese erlebbar. Sobald ein einzelner User mit der Werbebotschaft interagiert, wird er zum persönlichen Markenbotschafter in seiner Peer-Gruppe. Das Potential für Unternehmen, mit ihren Zielgruppen direkt und dialogisch zu kommunizieren, wird mit fortschreitender Digitalisierung und Vernetzung der Neuen Medien eindeutig noch grösser werden.

Lehnen Communities Werbung nicht eher ab?

Nicht, wenn man als Werbetreibender die "Gesetze" von sozialen Netzwerken beachtet: Wer in Social Communities erfolgreich werben will, darf nicht mit dem Holzhammer vorgehen. Clevere Social Community-Werbung wird oft gar nicht als Werbung wahrgenommen. Die Tatsache, dass die User als persönliche Markenbotschafter in Ihren Peer-Gruppen eingespannt werden, steigert die Glaubwürdigkeit und die Akzeptanz dieser Form der Markenkommunikation bei den Empfängern. Aus passiven Empfängern von Werbebotschaften werden aktive Kommunikatoren — und aus Kunden werden Fans. Nur ein Beispiel: Eine von uns betreute Facebook-Fanseite einer bekannten Marke hat bereits 15'000 bekennende Fans.

Was sind die nächsten Projekte?

Zur Zeit arbeiten wir an mehreren Rich Media-Kampagnen, die weit über herkömmliche Bannerwerbung hinaus gehen. Wir adaptieren und optimieren die Konzepte namhafter Kreativagenturen für das Internet. Das heisst, wir bringen TV-Spots online, vernetzen Bannerwerbung mit Facebook und machen die Werbebotschaft höchstgradig interaktiv. Diese Kampagnen werden grosse Brandingeffekte haben und sich zudem viral auf dem Internet verbreiten.

Blicken wir in die Kristallkugel: Wie wird sich der Onlinemarkt weiter entwickeln?

Er wird sich mit derselben Dynamik weiterentwickeln. Es wird leistungsfähigere Technologien geben, neue digitale Kanäle und neue Werbeformen. Ausserdem werden die Resultate des investierten Werbefrankens immer transparenter und messbarer werden. Auch wenn im Moment der Grossteil der Werbebudgets noch in klassische Medien gesteckt wird, ist es für die werbetreibende Wirtschaft an der Zeit, sich für die neuen Herausforderungen der digitalen Kommunikation zu wappnen. Wer sich diesen stellt und es schafft, die richtigen Ressourcen aufzubauen, wird in Zukunft auf viele interessante Business-Opportunitäten stossen.

(Interview: Christian Lüscher)

Kreatives Porträt: Remo Prinz


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