Herr Hess, mit der Xbox 360 will Microsoft die Marktführerschaft bei den Spielkonsolen an sich reissen. Wie soll dieses ehrgeizige Ziel erreicht werden?
In digitalen Spielen, ob Konsolen, PC oder Mobiles steckt ein extrem grosses Potenzial. Zu diesem Potenzial haben wir mit der Xbox 360 eine gute Geschichte. Die neue Xbox 360 wird mit spannenden Games, hochperformander Hardware und innovativen Services die High Definition Aera der Videogames einläuten. Es wird kaum ein Game geben, das nicht auf der neuen Xbox gespielt werden kann. Die wichtigsten und besten Publisher stehen geschlossen hinter uns. Zudem besteht mit Xbox live eine Multiplayer-Möglichkeit, die ihres gleichen sucht. Das neue Industrial Design der Xbox 360 ist auf Gamer global abgestimmt, so dass es keinen Grund mehr geben sollte, die Xbox nicht im Wohnzimmer aufzustellen.
Die Xbox 360 wurde der Öffentlichkeit in einer eigens dafür produzierten Fernsehsendung auf MTV, die am 12. und 13. Mai weltweit ausgestrahlt wurde, zum ersten Mal präsentiert. Welche Überlegung stand dahinter?
Wenn man ein neues Spielerlebnis wie die Xbox 360 gestaltet, will man dieses nicht nur einem kleinen Kreis zum ersten Mal zugänglich machen. Wir wollten die Premiere als popkulturelles Ereignis gestalten. Wir wollten nicht nur die eingefleischten 'Hardcore-Gamer' ansprechen, sondern auch die breite Öffentlichkeit. Mit der Zusammenarbeit mit MTV konnten wir eine Plattform bieten, um die Xbox 360 einer breiten Masse von Menschen mit Affinität zum Spielen exklusiv vorzustellen.
Wie waren die Reaktionen auf die MTV-Show?
Die 'Hardcore-Gamer' fanden, es sei etwas zu wenig Gaming dahinter gewesen. Bei den 'Casual-Gamern', die gelegentlich spielen, ist die Präsentation aber sehr gut angekommen. Obwohl MTV in der Schweiz einen geringeren Marktanteil aufweist, als beispielsweise in den USA, glauben wir doch auch an eine positive Abstrahlung hierzulande.
Wie sieht die Marketing-Strategie für den Launch der neuen Xbox aus?
Für die Aktivitäten, die wir geplant haben, ist ganz wichtig, dass die 'Dedicated Gamer', die das spielen als Hobby bezeichnen, am Xbox 360 Spielerlebnis -- Plattform, Games und Services -- gefallen finden. Das sind in der Schweiz ca. 100'000 bis 150'000 Personen. Dieser Kernzielgruppe wollen wir aufzeigen, welche Möglichkeiten die neue Xbox 360 bietet. Parallel dazu muss es uns gelingen, ein breites Publikum zu begeistern. Es ist wichtig diese beiden Pole zu nivellieren und einen Brand zu etablieren, der für beide Zielgruppen relevant ist. Das Fundament dazu bildet schlussendlich die Retail-Unterstützung, und da gibt es positive Zeichen, dass die Xbox 360 sehr gut angenommen wird.
Die Xbox wird weltweit lanciert, also sicher auch mit einem globalen Marketing-Konzept. Wie einfach oder schwierig gestaltet sich die Adaption für den Schweizer Markt?
In den USA steht in jedem zweiten Haushalt eine Spielkonsole, in England in jedem dritten. In der Schweiz hingegen ist nur jeder vierte oder fünfte Haushalt mit einer Spielkonsole ausgerüstet. Da gibt es also noch Aufholpotenzial. Zudem haben wir hierzulande einen geringeren Anteil an 'Hardcore-Gamern'. Es wird zwar schnell einmal eine Konsole gekauft, die neu auf dem Markt ist, diese wird dann aber zum Teil schnell nicht mehr genutzt. In der Schweiz müssen wir daher im Gegensatz zu den USA oder England noch etwas mehr die breite Masse ansprechen.
Xbox tritt als neuer Partner der Schweizer Fussballnationalmannschaft auf. Was verspricht man sich von diesem Engagement?
Fussball-Fans spielen gern und Xbox-Spieler schauen und spielen gerne Fussball. Wir haben den Fifa-Interactive-World-Cup gestartet, bei dem der Weltfussballer unter den Xbox-Spielern gesucht wurde. Bei dieser Kampagne haben wir gemerkt, das Fussball und Gaming zusammengehören. Diese Affinität versuchen wir mit einem gewissen Touch von Lokalkolorit, eben durch die Partnerschaft mit der Schweizer Fussbalnationalmannschaft, auszunützen. So bekommen wir auch Zugang zu dieser Szene und können interaktive Aktivitäten entwickeln, die über Bandenwerbung in einem Stadion hinaus gehen. Unser Joint Venture mit Electronic Arts in der Schweiz hilft uns enorm, um das interaktive Spielerlebnis auf dem Rasen und mit Pixeln verschmelzen zu lassen.
Die Presse wird bereits Monate vor dem Verkaufsstart zu Präsentationen der neuen Xbox eingeladen. Welche Rolle spielen die Journalisten bei Ihrer Marketing-Strategie?
Unser Ziel ist eine offene Kommunikation. Wir geben gerne Auskunft über die geplanten Aktivitäten und erzählen Dinge, um die sich gute Geschichten bauen lassen.
Im November 2005 soll der Verkauf der neuen Xbox in Europa starten. Also rechtzeitig aufs Weihnachtsgeschäft. Dieser ideale Zeitpunkt ist sicher kein Zufall, oder?
Nein, ganz sicher nicht. 70 Prozent aller Spielsysteme und Konsolen werden in der Weihnachtszeit verkauft. Was eine Markteinfühung in dieser Hauptverkaufszeit für Gamer, Zwischenhändler und uns zu einem Muss macht.
Die neue Playstation 3 von Sony scheint frühestens im Sommer 2006 zu Erscheinen. Wie wichtig ist es, mit der Xbox 360 vor der Playstation 3 auf den Markt zu kommen?
Dies ermöglicht uns sicher einen sehr guten Start. Wir sind glücklich, dass wir dieses Mal einen Vorsprung haben. Die Xbox360 kann und soll sich so in die Herzen der Spieler spielen. Diese werden schlussendlich entscheiden, welches das bessere Spielerlebnis ist.
Es wird bereits von einem neuen Konsolen-Kampf Microsoft vs. Sony gesprochen. Werden die Konsumenten durch den Konkurrenzkampf profitieren, weil er die Preise drückt ?
Konkurrenz ist etwas gutes. Wir glauben, dass wir uns gegenseitig anstacheln können, um sehr gute Leistungen zu vollbringen. Die Gewinner werden immer die Gamer sein! Es ist nicht primär unser Ziel, die Xbox so billig wie möglich zu verkaufen. Wir wollen ein gutes Erlebnis bieten. Dieses muss für den Kunden einen Wert darstellen, für den er auch gewillt ist etwas zu bezahlen. Wir arbeiten daran, einen solchen Wert und ein Erlebnis zu garantieren, dann werden Gamer auch dazu bereit sein, den entsprechenden Preis zu bezahlen.
Welchen Verkaufspreis wird die neue Xbox in der Schweiz haben?
Wir legen sehr grosses Augenmerk darauf, den richtigen Preis zu finden. Der Einstiegspreis muss durchdacht gewählt werden. Wir würden in Erklärungsnotstand geraten, wenn wir den Einstandspreis hoch ansetzen und nach sechs Monaten bereits deutlich reduzieren müssten. Letztes Mal war dieser etwas hoch, zu dem stehen wir. Bei der Xbox 360 werden wir nicht mehr zu diesem Preis kommen. Zu welchem Preis genau, kann ich aber noch nicht sagen.
Im Computer-Markt wird heute nicht mehr mit Hardware, sondern mit Software und Zubehör Geld verdient. Wird bei der Xbox das grosse Geschäft auch mehr mit den Spielen, als mit der Konsole selbst gemacht werden?
Es ist kein Geheimnis, dass es nicht einfach ist, heute noch mit Hardware Geld zu verdienen. Wir gehen bei unserem Business-Modell aber davon aus, auch mit der Hardware Geld zu verdienen. Vielleicht nicht unbedingt mit der Xbox selber, aber mit Zubehör, das wir dazu anbieten werden, wie z.Bsp personalisierbare Frontplatten, kabellosen Controllern oder Speichereinheiten. Games haben tatsächlich eine gute Margensituation, sowohl für den Retailer als auch für uns und sind und bleiben für Gamer der Motor für das Auswählen von Plattformen!

