29.10.2023

10 Jahre Teads Switzerland

«Zürich ist der Hub für einige Länder in Europa»

Die 2011 in Frankreich entwickelte digitale Werbeplattform verfügt seit zehn Jahren über eine eigene Niederlassung in Zürich-West. Managing Director Claudio Lumbiarres über das Erfolgsgeheimnis von Teads und die Entwicklung des Werbemarkts.
10 Jahre Teads Switzerland: «Zürich ist der Hub für einige Länder in Europa»
«Generell empfinde ich den digitalen Werbemarkt in der Schweiz als sehr fortschrittlich», so Claudio Lumbiarres, Managing Director Schweiz, Österreich und Skandinavien bei Teads. (Bild: Michael Rohner)
von Matthias Ackeret

Herr Lumbiarres, Teads feiert sein 10-Jahr-Jubiläum in der Schweiz. Für einen digitalen Werbeanbieter in einer sich ständig wechselnden Branche ist dies nicht selbstverständlich. Was haben Sie richtig gemacht?
(Lacht.) Das stimmt. Wir leben wirklich in einem schnelllebigen Markt, in dem keine Landesgrenzen mehr existieren und durch Technologie stetig neue Möglichkeiten aufkommen. Wir konkurrieren mit globalen Unternehmen, was eine ganz andere Dynamik mit sich bringt als in der Post-Internet-Phase. Ich habe damals meine Lehre bei der Publicitas gemacht, später habe ich unter anderem auf Verlagsseite bei Tamedia gearbeitet. Damals waren die Anbieter vor allem im nationalen und regionalen Bereich tätig.

Aber schlussendlich geht es immer um den Verkauf?
Ich hatte eine sehr gute und lehrreiche Zeit bei Tamedia. Aber schlussendlich handelte es sich um das Verlagsgeschäft. Einer der Gründe, warum ich bei Teads eingestiegen bin, ist die Tatsache, dass wir uns ausschliesslich auf den digitalen Werbemarkt fokussieren. Mit einer selbst entwickelten End-to-End-Technologie – kombiniert mit Qualitätsumfeldern und Publishern in den jeweiligen lokalen Märkten – verfügen wir über ein extrem starkes Angebot. Diese Kombination hat mich sogleich fasziniert, da ich bei meinen früheren Tätigkeiten schon immer viel mit dem Vermarkten von digitalem Qualitätsjournalismus zu tun hatte.

«Unter Premium-Umfelder verstehen wir in erster Linie Qualitätsjournalismus»

Sie schalten Ihre Platzierungen ausschliesslich in Premium-Umfeldern?
Das ist zweifelsohne eine unterschiedlich interpretierte Definition. Unter Premium-Umfelder verstehen wir in erster Linie Qualitätsjournalismus, also Portale, die von Journalistinnen und Journalisten sowie Redaktionen verfasst oder kuratiert werden, und grenzen uns dabei vor allem gegenüber den User-generated-Content-Umfeldern (Social) ab.

Konkret: Wodurch unterscheidet sich Teads von anderen Vermarktern?
Die Gründer von Teads, die allesamt aus dem französischen Montpellier stammen, hatten 2011 die brillante Idee, die Videowerbebotschaften von Werbeauftraggebern nicht innerhalb eines Content-Videostreams als klassische Pre-, Mid- oder Post-Roll zu präsentieren, sondern zwischen den Paragrafen der jeweiligen Artikel in digitalen Newsportalen. Das war die Geburt unseres Outstream-Video-Formats «inRead», wodurch sich für Werbekunden und Publisher ganz neue Möglichkeiten eröffneten.

Welche?
Auf einmal waren dadurch extrem hohe Reichweiten in einem qualitativ hochwertigen Umfeld mit Video-Werbebotschaften möglich. Die spannende Platzierung innerhalb des Artikels und das darin deutlich langsamere Scroll-Verhalten der User bieten eine hohe Sichtbarkeit der Werbebotschaft. Wir erreichen im Schnitt über zehn Sekunden In-View-Time mit unseren Formaten, die sich auch nicht über den Content legen, wie das bei Instream-Videos der Fall ist. Zudem können wir den Player so einstellen, dass das Werbevideo nur läuft, sofern dieses im sichtbaren Bereich ist und auch vom User wirklich gesehen werden kann. Das wurde von Werbekunden enorm geschätzt, da wir damit eine garantierte Einblendung im sichtbaren Bereich anbieten. Auch das Abrechnungsmodell auf garantierte Einblendungen bis zum Videoende war damals einzigartig in diesen hochwertigen Umfeldern.

Warum konnte Teads in den vergangenen zehn Jahren seine Vormachtstellung behalten?
Es freut mich, dass ein europäisches – und eben kein amerikanisches – Unternehmen bei den Outstream-Videos Pionierarbeit leistet und damit zum globalen Marktleader wird. Wie fast bei jedem Start-up suchte man anfänglich auch nach einem funktionierenden Business und testete verschiedene Möglichkeiten digitaler Werbeformate. Die Grundidee des «inRead»-Formats entstand aufgrund der Zusammenarbeit mit einem grossen französischen Medienhaus, das Werbevideos aufschalten wollte, ohne dafür Video-Content zu benötigen. Ein weiterer Erfolgsgarant war vor neun Jahren die Fusion mit Ebuzzing. Teads hatte zwar eine gute Technologie, aber keine aktive Verkaufsmannschaft. Da Teads enormes Potenzial in dieser neuen Werbeform sah, wollte man das unbedingt aktiv im Markt anbieten und die Outstream-Video-Kategorie weiter vorantreiben. Durch den Zusammenschluss konnten auch die Beratung und der Verkauf gestartet werden, was schliesslich dann zum kommerziellen Durchbruch führte.

«Die Schweiz verfügt bezüglich Mentalität und Rhythmus über ein anders Marktumfeld als Deutschland»

Warum haben Sie vor zehn Jahren in Zürich eine eigene Dependance gegründet? Internet ist ja ein grenzüberschreitendes Medium.
Viele globale Unternehmen versuchen, den gesamten DACH-Raum von Deutschland aus zu bewirtschaften. Ich bin der Ansicht, dass dies nur bedingt funktioniert. Obwohl wir eine ähnliche Sprache sprechen wie die Deutschen, verfügt die Schweiz bezüglich Mentalität und Rhythmus über ein anders Marktumfeld als Deutschland. Die Erfahrung zeigt: Um wirklich Erfolg zu haben, benötigt man Mitarbeitende vor Ort, die den Markt kennen und das in der lokalen Art und Weise wiedergeben können. Hätte Alex Savic vor zehn Jahren Teads nicht proaktiv nach Zürich geholt, würde Teads hierzulande höchstwahrscheinlich von Deutschland aus bearbeitet. Nach dem Start von Alex kamen Joachim aus Montpellier und ich in das Unternehmen, und wir haben mit weiteren grossartigen Kollegen über die Jahre Teads in der Schweiz aufgebaut. Mittlerweile sind wir in Zürich der Hub für einige Länder in Europa. Zwar spielt die Schweiz im europäischen Digitalmarkt bezüglich Gesamtvolumen eine untergeordnete Rolle, liegt aber neben UK und einigen nordischen Ländern, was das digitale Werbevolumen pro Kopf der Bevölkerung angeht, ganz weit vorne. Auch generell empfinde ich den digitalen Werbemarkt in der Schweiz als sehr fortschrittlich, wir müssen uns nicht vor anderen Ländern innerhalb Europas verstecken.

Wie viele Mitarbeitende beschäftigt Teads in Zürich?
Wir sind momentan über dreissig Mitarbeitende, die sich vor allem um Verkauf, Kampagnenmonitoring, Produktentwicklung und Publishing über die gesamte Technologie kümmern. Wir versuchen dabei stets, auf die Bedürfnisse der Schweizer Werbekunden, Agenturen und Publisher einzugehen und unsere Technologie und Produkte hierzulande passend in den Markt zu bringen.



Das ausführliche Interview lesen Sie in der persönlich-Printausgabe vom Oktober.



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