Die NZZ-Gruppe weist für das vergangene Jahr einen Verlust von 50 Mio. Franken aus. Der Medienkonzern um die Neue Zürcher Zeitung ist damit das einzige der drei grössten Deutschschweizer Verlagshäuser (NZZ, Ringier, Tamedia), das 2002 rote Zahlen schrieb.
Hauptgrund für das schlechte Ergebnis seien ein massiver Einbruch beim Anzeigenverkauf (- 27 Prozent allein bei der Neuen Zürcher Zeitung) und die ungünstige Entwicklung an den Finanzmärkten. Hinzu kämen Projektkosten, vor allem für die Lancierung der NZZ am Sonntag, teilte der Medienkonzern am Freitag mit. Die NZZ am Sonntag sei angesichts des harschen Gegenwindes im Mediensektor erfreulich gut gestartet. Ihre Anlaufkosten hätten das Gesamtergebnis mit 16 Mio. Fr. um mehrere Millionen weniger belastet als ursprünglich geplant.
Insgesamt resultierte im Traditionskonzern ein Betriebsverlust von 30 Mio. Franken und ein negatives Finanzergebnis von 20 Mio. Franken. Der Umsatz ging im Berichtsjahr um 6.2 Prozent auf 481.5 Mio. Franken zurück. Der Generalversammlung könne erstmals seit Jahrzehnten für einmal keine Dividendenzahlung beantragt werden.
Cash Drain bei Bund-Gruppe und Neue Zürcher Zeitung AG
Verlustquellen waren wiederum die Berner Bund-Gruppe (Cash Drain von 6.7 Mio. Fr.) und die Neue Zürcher Zeitung AG (- 6.1 Mio. Fr.). Nach Abschreibungen habe die Bund-Gruppe einen Verlust von rund 8 Mio. Franken verursacht, "was auf die Länge wohl in diesem Umfang nicht verkraftet werden kann", wie die NZZ in ihrer Freitagsausgabe schreibt. Klar defizitär seien zudem NZZ Online und das Ausgehmagazin NZZ Ticket. Weiterhin einen positiven Cash Flow verzeichneten dagegen die Teilbereiche "St. Gallen", wozu unter anderem das St. Galler Tagblatt und TeleOstschweiz gehören (10.7 Mio. Fr.), der Teilbereich "Buchs" mit Radio Ri (1.1 Mio. Fr.) sowie der Geschäftsdruck (8.8 Mio. Fr.). -- 2001 hatte die NZZ-Gruppe noch eine "schwarze Null" ausgewiesen. Der Gewinn wurde nachträglich von 0.1 Mio. auf 1.34 Mio. Fr. revidiert. Im Jahr 2000 hatte der Überschuss gar noch 50 Mio. Fr. betragen.
Der Personalbestand erhöhte sich im Berichtsjahr von 2078 auf 2095. Das neue Jahr verspreche bei den Einnahmen keine Linderung, was zu weiteren Sparanstrengungen zwinge. Das Inseratevolumen ging im ersten Quartal nochmals deutlich zurück. Ob der letztes Jahr angekündigte Abbau von 80 Stellen ausreicht, ist laut NZZ-Gruppenleiter Hugo Bütler offen.
Stark gesunkener Eigenfinanzierungsgrad
Die Bilanzstruktur der NZZ-Gruppe hat sich im vergangenen Jahr ebenfalls verschlechtert. Der Eigenfinanzierungsgrad sank von 68.4 auf 49.5 Prozent. Hauptgrund hierfür sei die Abschreibung des Goodwill von 104 Mio. Fr. aus dem Erwerb von 41.75 Prozent an der Neuen Luzerner Zeitung (LZ Medien Holding). Verkäuferin der Beteiligung war der grösste private Schweizer Medienkonzern Ringier. Unter anderem dank diesen Einnahmen konnte Ringier den Gewinn 2002 trotz der Branchenkrise um 4.4 Mio. Fr. auf 39.2 Mio. Fr. steigern.
Anders als die NZZ-Gruppe wies auch der andere grosse Zürcher Medienkonzern Tamedia für 2002 schwarze Zahlen aus. Der Gewinn betrug 35.6 Mio. Franken, nachdem im Vorjahr die Schliessung von TV3 einen Verlust von 11.8 Mio. Fr. verursacht hatte. Gleich ist hingegen bei allen drei Verlagshäusern, dass sie 2002 einen Umsatzrückgang erlitten. (sda)
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