2023 ist Wahljahr – und nach den Parlamentswahlen ist vor den Bundesratswahlen. Für die Medien gibt es viel zu tun, darunter auch für die SRG. In einem Kommentar in der Weltwoche bekam diese kürzlich ihr Fett ab. Kolumnist Marcel Odermatt lobte darin insbesondere Matthias Steimer, Leiter Bundeshaus der elektronischen Medien von CH Media. «Die Solo-Show von Steimer ist oft sogar besser als das, was die Armada von Redaktoren der SRG abliefert», so Odermatt.
Da dies lediglich eine Einzelmeinung ist, hat persoenlich.com bei jenen nachgefragt, die die Effizienz von SRG und CH Media aus ihrem täglichen Leben beurteilen können: bei den Parteipräsidentinnen
und -präsidenten oder Fraktionschefs. «Was man sicher spürt, ist, dass die SRG viel mehr Mittel zur Verfügung hat», so Thomas Aeschi, Fraktionspräsident der SVP. «In einem Vorzimmer des National- oder Ständerats hat jede Regionalgesellschaft eigene Kameramänner plus eigene Journalisten. Es kann gut sein, dass das gleiche Fernsehen dreimal am Tag die gleiche Frage stellt – einmal auf Deutsch, einmal auf Französisch und einmal auf Italienisch.» Im Gegensatz dazu sei Matthias Steimer mehr oder weniger immer allein unterwegs. Aeschi: «Er stellt die Kamera allein ein, filmt allein, stellt die Fragen allein. Und das macht er in meinen Augen mindestens gleich gut – wenn nicht besser – in Sachen Qualität.»
Im Studio Bundeshaus hat die SRG für Radio, TV und Online – von SRF, RTS, RSI, RTR und Swissinfo – insgesamt 54 Journalistinnen und Journalisten akkreditiert. Hinzu kommen 57 Technikerinnen und Techniker – ohne externe Firmen. Macht summa summarum 111 Mitarbeitende, die im Bundeshaus ein- und ausgehen. Bei CH Media Entertainment – also TV, Radio und Online – ist ein Journalist dauerhaft im Bundeshaus stationiert, regelmässig ergänzt durch einen zweiten, während der Sessionen bis maximal vier pro Tag. Techniker? Fehlanzeige.
Die Partei- und Fraktionsspitzen von Grünen und Grünliberalen liessen mehrere Anfragen von persoenlich.com unbeantwortet. Cédric Wermuth, Co-Präsident der SP, antwortete: «Wir verzichten auf diese öffentliche Einschätzung.»
FDP-Präsident Thierry Burkart meinte: «Da die Voraussetzungen der SRG und der Regionalmedien unterschiedlich sind, ist ein direkter Vergleich kaum möglich. Die SRG hat einen Informationsauftrag und ist mit den entsprechenden Ressourcen ausgestattet. Die Regionalmedien haben einen anderen Auftrag, leisten aber trotzdem einen wichtigen Beitrag zur Informationsvielfalt.»
«Ein Phänomen»
Ausführlicher nahm Mitte-Präsident Gerhard Pfister Stellung. Wer «besser» sei, könne er in dem Sinne nicht beurteilen, weil es von der Qualität einzelner Beiträge und der Journalisteninnen und Journalisten abhänge. «Der grosse Unterschied: SRG ist zur Ausgewogenheit verpflichtet und hält sich oft nicht daran. CH Media ist meines Erachtens dazu nicht so verpflichtet wie die SRG, aber ist es öfter als die SRG.»
Pfister thematisierte den Unterschied zwischen der SRG und CH Media ziemlich konkret: «Herr Steimer selbst ist ein Phänomen. Schnell, immer freundlich – aber kritisch und immer fair. Er ist enorm effizient. Das macht es mir sehr viel leichter, seine Anfragen für ein Statement meistens anzunehmen, weil ich weiss, die Sache dauert fünf Minuten, er ist vorbereitet, macht einen effizienten Job, und ich kann weiter. Bei der SRG ist das alles viel aufwendiger, mehrere Personen nötig, die wollen manchmal dreimal eine Antwort auf die gleiche Frage – und das Ganze dauert dreimal so lang. Manchmal machen sie noch lange Vorgespräche am Telefon. Deshalb mache ich das mit der SRG nur, wenn ich muss.» Das Ergebnis sei bei beiden das Gleiche: maximal ein paar Minuten Sendezeit.
Für Pfister ist klar: «Falls Herr Steimer noch nie einen Journalistenpreis gewonnen hat, wär's langsam Zeit.»
Auch Urs Leuthard, Leiter der Bundeshausredaktion von SRF, findet, dass Matthias Steimer «unbestritten einen sehr guten Job» mache. «Die Ansprüche sind bei der SRG jedoch andere: Wir produzieren Sendungen für vier Sprachregionen, und bei wichtigen politischen Ereignissen bedienen wir innerhalb einzelner Sprachregionen unterschiedliche Sendungen – in der Deutschschweiz zum Beispiel gleichzeitig die ‹Tagesschau› und ‹10 vor 10›, teilweise auch ‹Schweiz Aktuell›. In Sachen Ausgewogenheit bei der politischen Berichterstattung werden uns übrigens sehr gute Noten attestiert, wie die diesjährige Fög-Studie der Universität Zürich bestätigt», so Leuthard. Und wenn es eile, daure es auch bei SRF nicht länger als fünf Minuten.
KOMMENTARE
17.11.2023 10:45 Uhr
17.11.2023 09:43 Uhr
17.11.2023 08:04 Uhr
17.11.2023 07:14 Uhr

