Daniel Gauchat, mit Betty TV soll sich der Zuschauer direkt ins Fernsehgeschehen einschalten können. Besteht beim Publikum überhaupt ein Bedürfnis danach?
Mit Betty TV wird nicht das Programm eines Senders geändert oder beeinflusst. Der Fernsehzuschauer muss seinen TV-Konsum nicht aktiv gestalten, indem er sein eigenes Programm zusammenstellt. Betty TV bietet ein Zusatz zu bestimmten Sendungen. Das laufende Programm eines Senders wird dabei nicht konkurrenziert. Es wird lediglich ein zusätzliches Spannungselement geboten, das die Leute involviert.
Sind die Inhalte von Betty TV, die Sie "Betty-Events" nennen, immer an das Programm von TV-Anstalten gekoppelt?
In den meisten Fällen sind die Events bildsynchron mit den Programminhalten der Sender. Zum Beispiel kann der Zuschauer bei einem Quiz die Fragen selber beantworten, bevor der Kandidat seine Lösung äussert. Das Element des Mitspielens ist bei Betty TV sehr wichtig. Auch die Möglichkeiten während politischen Sendungen oder Voting-Sendungen im Stil von "MusicStar" abzustimmen oder einen Input zu liefern wird möglich sein.
Fliessen die Inputs der Betty TV-User direkt in die Sendungen ein?
Das ist unser Ziel. Zu Beginn wird das aber noch nicht die Regel sein. Dazu braucht es die Integration der Fernsehredaktionen. Das ist ein Prozess, der seine Zeit braucht. Ein Traum von uns wäre es beispielsweise, bei einer Fussballübertragung die Zuschauer zu fragen, welcher Spieler ausgewechselt werden soll, und die Antworten in das Pauseninterview mit dem Trainer zu integrieren.
Wer stellt die Inhalte von Betty TV her?
Betty TV hat eine eigene Redaktion, welche in der Anfangsphase die Inhalte zentral herstellt. Der TV-Sender, zu dessen Programm Zusätze angeboten werden, muss aber alles absegnen. Damit die Inhalte synchron zu den Programminhalten der TV-Sender sind, geht es nicht ohne Einbezug der TV-Redaktionen bzw. der Sender.
Wie sieht es mit dem Interesse der TV-Anstalten für eine Zusammenarbeit aus? Gibt es schon Verträge mit Sendern?
Von März bis Mai können wir SF2 mit einem Testlauf bespielen. Auch die Gespräche mit den grösseren Schweizer Regionalsendern sind schon weit gediehen. In Deutschland sind wir mit den beiden grossen deutschen Privatsender-Gruppen ProSiebenSat.1 und der RTL-Gruppe in Verhandlung. Wir gehen somit davon aus, dass wir beim Softlaunch alle grösseren Sendern, die in der Deutschschweiz empfangen werden, bespielen.
Werden zu jeder Art von Sendung Betty-Events angeboten?
Betty-Events machen nicht für jeden Sender oder jedes Programm Sinn. Das Programm von Nachrichtensendern oder Nachrichtensendungen ist nicht geeignet, um es mit Betty TV zu bespielen. Da werden auf dem TV-Bildschirm schon so viele Informationen transportiert, dass es illusorisch wäre, mit weiteren Textnachrichten auf dem Bildschirm der Betty-Fernbedienung einen Zusatznutzen zu erzielen. Ebenfalls bei Musiksendern sind die Möglichkeiten für den Einsatz von Betty TV eingeschränkt, weil die Zuschauer sich gewohnt sind, mit dem Handy zu interagieren.
Fernsehdirektorin Ingrid Deltenre sagte im Interview mit der HandelsZeitung zu Betty TV, dass diese Form von Interaktivität nicht erste Priorität habe. Manchmal wolle sich der Zuschauer einfach zurücklehnen und lediglich Fernschauen. Euphorisch klingt das nicht.
Das ist die Meinung von Ingrid Deltenre. Ob diese zutrifft werden wir bald sehen. Ein Feldtest in 600 deutschen Haushalten hat gezeigt, dass die angebotene Interaktion sehr gut funktioniert hat. Der entscheidende Punkt ist, dass die Leute einen Mehrwert bekommen und diesen auch als solchen erkennen. Dann werden die Zuschauer das Angebot auch nutzen.
Mit Elevator TV startet im Sommer ein neues nationales Privatfernsehen, das explizit auf Interaktivität setzen will. Haben Sie mit Initiator Dominik Kaiser schon geredet?
Gespräche hat es gegeben, allerdings bevor die Konzession für Elevator TV erteilt wurde. Wir wissen daher noch nicht genau, wie das Programm des neuen Senders aussehen wird. Ein nationaler Sender, der Interaktivität gross schreibt, ist für Betty TV aber sicher interessant.
Sie wollen dem Zuschauer einen Mehrwert bieten. Dieser soll teilweise kostenpflichtig sein. Für welche Dienste bezahlt der Betty TV-Benutzer?
Von allen Betty-Events sind mindestens 50 Prozent redaktioneller Art und kostenlos. Maximal 30 Prozent sind werbliche Events, die durch die Werbenden drittfinanziert werden. Die letzten 20 Prozent -- die sogenannten Mehrwertdienste -- werden kostenpflichtig sein. Dabei handelt es sich um Votings, Games, Teleshopping etc.
Bergen die kostenpflichtigen Mehrwertdienste und das Teleshopping nicht die Gefahr, dass Kinder und Jugendliche unkontrolliert die Angebote nutzen und auf die Eltern Ende Monat eine böse Überraschung wartet?
Diese Gefahr besteht, das haben wir erkannt. Darum lässt sich die Betty-Fernbedienung mit einem Pin-Code schützen. Den Aufsichtpersonen wird so die Möglichkeit gegeben, die kostenpflichtigen Inhalte zu sperren.
Sie haben gesagt, dass Betty TV auch Unternehmen als Werbeplattform angeboten wird. Muss der Benutzer mit einer Werbeflut rechnen?
Es wird keinen Spam geben. Werbliche Betty-Events werden sowohl das Programm wie auch TV-Spots mit Response-Modulen begleiten. Vorstellbar wäre zum Beispiel, dass man zu einem Werbespot für ein Auto mit Betty TV eine Probefahrt buchen könnte. So eine Testfahrt könnte auch im programmlichen Umfeld angeboten werden, wenn beispielsweise ein Protagonist in einem Film mit einem bestimmten Auto fährt.
Im März erfolgt nun der Softlaunch von Betty TV. Welche weiteren Ziele haben Sie sich gesteckt?
Der Softlaunch ermöglicht es, relativ schnell abzuschätzen, wie sich die Sache entwickelt. Nach unseren Vorstellungen werden wir im Mai direkt im Anschluss an die Testphase den eigentlichen Launch vollziehen. Dann wird die Betty-Fernbedienung auch im Handel erhältlich sein. Es gilt zudem, die Abkommen, die wir mit den Sendern für den Softlaunch haben, möglichst bald in langfristige Verträge umzuwandeln. Einer der wichtigsten Fernsehevents für uns ist die Fussball-WM im Sommer. Wir, und eine beträchtliche Anzahl Werbekunden, haben grosses Interesse, zu diesem Zeitpunkt möglichst viele Betty-Fernbedienungen im Markt zu haben.
(Interview: Stefan Wyss)

