18.12.2003

"Alexander Theobald, sind Sie ein Deserteur?"

Alexander Theobald (Bild), Bereichsleiter Zeitschriften der Tamedia, wechselt im Verlauf des kommenden Jahres zu Ringier, wo er ebenfalls für die Zeitschriften zuständig sein wird. Was bedeutet für ihn Loyalität? Warum wechselt er? Und wie erträgt er es, an seinem erfolgreichen Vater gemessen zu werden? "persoenlich.com" hat mit Alexander Theobald gesprochen. Das Interview:
"Alexander Theobald, sind Sie ein Deserteur?"

Sind Sie ein Deserteur?

Sie sind frech! Nun, ja und nein. Ja, weil ich einen Bereich verlasse, den ich massgeblich verändert habe und der jetzt komplett neu strukturiert ist. Nein, weil ich der Meinung bin, dass es eine Riesenchance ist, diesen Posten bei Ringier zu übernehmen. Das sollte eigentlich verständlich sein.

Mit Ihrer Einstellung landet Ringier einen doppelten Coup: Braindrain beim grössten Konkurrenten Tamedia und Übernahme dessen ganzen strategischen Wissens. Wie definieren Sie Loyalität?

Ich glaube kaum, dass der Brain, den Tamedia jetzt verliert, so riesige Lücken reisst. Ausserdem arbeiten mit Martin Kall, Christoph Tonini und Sari Simola bereits einige frühere Ringier-Leute bei Tamedia; nun geht der Austausch mal in die andere Richtung. Und zur Loyalität: Ich war während acht Jahren in ganz verschiedenen Funktionen bei Tamedia tätig. Das ist eine lange Zeit, meine bisher längste beim gleichen Arbeitgeber. Tamedia hat mir viel Gutes getan, umgekehrt habe wohl auch ich etwas zur Entwicklung des Unternehmens beigetragen. Ein schlechtes Gewissen muss ich daher nicht haben.

Haben Sie kein Konkurrenzverbot?

Nein, wir haben in der Schweiz vertragsmässig noch keine deutschen Zustände (lacht). Der Markt ist hier klein, und ich habe Erfahrungen gesammelt in einem Bereich, in dem Ringier jemanden suchte. Da wurde ich dann angefragt.

Was hat Sie zum Wechsel bewogen?

Schlicht und ergreifend: Die Chance, in dieser Position für den Marktführer tätig sein zu können. Ringier ist hierzulande der grösste Zeitschriftenverlag und verfügt über tolle, gut positionierte Produkte.

Tamedia hat ihren Bereich Zeitschriften radikal umgestellt. Mit dem Wegfall der Verlagsleitungen vergrösserte sich Ihr Aufgabenbereich. War Ihnen das unangenehm?

Nein, ich wollte das so. Meine Aufgabenbereich vergrösserte sich auch nur insofern, als ich neu zusätzlich auch die Anzeigen verantwortete. Das hätten wir aber sowieso korrigiert, die Doppelbelastung ist nicht zu bewältigen.

Was hätte sich geändert?

Ich hätte einen Leiter Werbemarkt gesucht.

Sie sind ja nicht eigentlich eine Verkäufernatur. Waren Sie in Ihrer Funktion als Anzeigenchef der Tamedia-Zeitschriften unglücklich?

Unglücklich sicher nicht. Ich habe einfach festgestellt, dass dieser Bereich eine grosse Herausforderung darstellt, die viel Zeit braucht. Das ist schwierig zu einem Zeitpunkt, in dem im Unternehmen auch andere gewichtige Diskussionen laufen.

Ihr Vater Adolf war bei Ringier in den Achtzigern eine legendäre Figur. Man wird nun wieder hören, Sie wollten in seine Fussstapfen treten. Was sagen Sie dazu?

Wenn der Sohn in der gleichen Branche tätig ist wie der Vater, heisst es halt immer gleich, der Junge laufe dem Alten hinterher. Damit muss ich leben. -- Ein lustiger Zufall will es übrigens, dass ich vermutlich das ehemalige Büro meines Vaters beziehen werde.

Dass da immer dieser Schatten des "Übervaters" ist, macht Ihnen demnach keine Probleme?

Nein. Am Anfang hat es mich genervt, dass man mich immer darauf ansprach. Das hat sich inzwischen aber geändert.

Können Sie schon Näheres zum Zeitpunkt Ihres Übertritts sagen?

Nein, da kann ich auch nicht mitreden. Das machen die CEOs Martin Kall und Martin Werfeli unter einander aus.



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