01.11.2009

"Alle Eigenproduktionen sind ein grosses Risiko für uns"

Seit drei Jahren lenkt der 40-jährige Dominik Kaiser den Privatsender 3+ durch die wilden Gewässer des Schweizer Fernsehgeschäfts. Bislang hat sich seine Strategie der kleinen Schritte ausgezahlt: Eigenproduktionen wie "Bauer, ledig, sucht..." oder "Bumann, der Restauranttester" haben gute Quoten. Aber wieso wagt er nicht mal ein bisschen mehr? Und wie sieht's auf der finanziellen Seite aus? – Im Gespräch mit "persoenlich.com" liefert Kaiser die Antworten. Zum Interview:
"Alle Eigenproduktionen sind ein grosses Risiko für uns"

Herr Kaiser, Ihre neue Eigenproduktion "Bumann, der Restauranttester" läuft sehr erfolgreich. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Ich glaube, das Thema der Sendung ist interessant und unterhaltend. Und Daniel Bumann macht wirklich einen hervorragenden Job.

Die Sendung arbeitet sehr stark mit dem Vorher-Nachher-Fernseheffekt. Vorher pfui, nachher hui. Das ist doch sehr simplifizierend, oder nicht?

Ganz so simplifiziert zeigt die Sendung die Restaurants nicht. Daniel Bumann findet oft schon am Anfang Dinge, welche gut sind und versucht danach auf diesen aufzubauen. Und am Schluss der Sendung ist er auch nicht immer mit allem zufrieden. Bumann würde auch nie vor der Kamera etwas loben, was er selbst als Perfektionist nicht wirklich gut findet. Aber natürlich wollen wir einen Effekt erzielen.

Wie werden die Restaurants überhaupt ausgewählt?

Die Restaurants konnten sich bei uns bewerben. Alle Bewerber wurden von einem Kamerateam besucht und die Kochkünste wurden beurteilt. Danach haben wir zusammen mit Daniel Bumann die Restaurants ausgewählt.

Mit der Wahl des Wallisers Daniel Bumann hat der Sender eine gute Wahl getroffen. Wie schwierig war es, eine geeignete Person für den Job zu finden?

Wir haben sieben Spitzenköche unter realen Bedingungen gecastet. Schon beim ersten Anschauen der Castingbänder war für uns klar, dass wir die Sendung mit Bumann machen wollen. Er hat uns durch seine Art sofort überzeugt. Dass wir uns so schnell entschieden haben ist eher ungewöhnlich. Normalerweise lassen wir uns ein paar Tage Zeit und beraten hin und her. Bei ihm waren wir uns sofort alle einig.

Zu Ihrer anderen Eigenproduktion: Können Sie sich vorstellen auch noch eine fünfte und sechste Staffel von "Bauer, ledig, sucht…" zu produzieren?

Wir sind im Moment in der Vorbereitung der vierten Staffel. Klar, wenn diese auch wieder so gut läuft, werden wir danach eine weitere machen. Uns macht "Bauer, ledig, sucht…" viel Freude.

Sie sind der Mann des kalkulierten Risikos und arbeiten sehr erfolgreich mit dieser Strategie. Juckt es Sie nie ein richtig grosses Risiko einzugehen, mit einer richtig grossen, selbst entwickelten Eigenproduktion? Oder mit einer Studioshow?

Risiko ist etwas sehr Relatives und rückblickend weiss man es immer besser. Ich glaube nicht, dass unsere Vorgänger der Meinung waren, dass sie ein unkalkulierbares Risiko eingegangen sind. Wir hatten den grossen Vorteil, dass wir vor dem Start genau analysieren konnten was bei TV3, Tele24 und dem Schweizer Fenster von RTL/ProSieben gut und was weniger gut funktioniert hat. Vor unserem Start wurde unser Risiko überschätzt, man war der Meinung was wir vorhatten, ist unmöglich oder sogar naiv. Heute wird das Risiko, welches wir mit unseren Schweizersendungen eingehen, eher unterschätzt. Man darf nicht vergessen, dass wir uns in einem sehr kargen Umfeld bewegen und alle unsere Eigenproduktionen ein grosses Risiko für uns sind. Auch mit einem Hit wie "Bauer, ledig, sucht...", einer Sendung, die auch mit der letzten Staffel mehrfach Marktführer bei den 15-49-Jährigen war, verlieren wir im Moment pro Staffel ca. eine Million Franken. Natürlich gibt es riesige Studioshows in den USA, England oder in Deutschland, die mir sehr gefallen. Nur dafür sind wir eindeutig in einem zu kleinen Land. Diese Riesenshows kann sich auch das Schweizer Fernsehen mit Gebührengeldern nicht leisten. Mich persönlich würde es auch wesentlich mehr reizen einmal eine fiktionale Serie, nach amerikanischem Vorbild, zu entwickeln. Doch dafür bin ich im falschen Land, ohne Exportmarkt geht das nicht. Grundsätzlich finde ich es auch wesentlich spannender im bestehenden Umfeld einen Weg zu finden und weiter schrittweise und unabhängig zu wachsen, als davon zu träumen was alles möglich wäre, wenn wir in den USA Fernsehen machen würden.

Erst kürzlich haben Sie weitere Serien eingekauft. Darunter alte Kamellen wie "Knight Rider". Wären denn wirklich spannende US-Serien wie "Californication", "Entourage" oder "Dexter" finanziell unerreichbar?

"Knight Rider" ist ein Remake und brandneu. Die Serie ist ein paar Tage nach uns auch auf dem grössten deutschen Sender RTL gestartet. Die oben genannten Serien sind inhaltlich alle interessant. Ich selbst bin persönlich ein grosser Fan von "Entourage" und verpasse keine neue Folge. Es sind aber leider alles auch Sendungen, die nicht richtig zu unserem bestehenden Programm passen, stark polarisieren und für uns eine zu wenig breite Zuschauerschicht ansprechen. Sie sind auch nicht teurer, sondern im Gegenteil eher günstiger als die Serien, die wir zeigen. Wir konzentrieren uns auf Serien, die aus unserer Sicht gut zu unseren bestehenden Zuschauern passen und das Potential haben, unseren Marktanteil weiter zu steigern. Diese Serien zeigen wir immer mehr auch in Erstausstrahlung. Zum Beispiel haben wir gerade erst im Sommer mit der Ausstrahlugn der erfolgreichsten neuen US-Serie des letzten Jahres, "The Mentalist", begonnen.

"Wir müssen versuchen, Bezahlfernsehkonzepte zu finden", hat Pro7Sat.1-Konzernchef Thomas Ebeling letzte Woche am Rande der Medientage München gesagt. Damit will der Konzern seine starke Abhängigkeit von den Werbebuchungen lockern, die in letzter Zeit stark eingebrochen sind. Wie sieht das bei 3+ aus: Wie steht es um die Werbebuchungen? Und wäre eine Zukunft als Bezahlfernsehen vorstellbar?

Wir werden dieses Jahr mit klassischer Werbung über dem Vorjahr abschliessen. Natürlich wäre es auch für uns gut, ein weiteres Standbein aufzubauen. Ich bin sehr gespannt was Pro7Sat.1 da vorhat.

Wie läuft eigentlich die Zusammenarbeit RTL-TV-Gründer Helmut Thoma, der bei Ihnen im Verwaltungsrat sitzt?

Die Zusammenarbeit läuft gut. Es ist immer wieder interessant von ihm zu hören, wie es RTL damals geschafft hat zum grössten Sender Deutschlands zu werden.

Was ist für nächstes Jahr geplant?

Grundsätzlich wollen wir weiter, Schrittweise gesund wachsen. Diverse neue Serienstarts, wie "Lie to me" oder "Levarage" sind schon geplant. An weiteren Zukäufen sind wir dran. Welche neuen Schweizerproduktionen wir nächstes Jahr starten, haben wir noch nicht entschieden. Wir entwickeln gerade an mehreren. Anfangs Jahr startet auf jeden Fall die vierte Staffel von "Bauer, ledig, sucht…". Dieses Mal als Wintermärchen mit viel Schnee und Sonne in den Bergen.

Gibt es für Sie einen persönlichen Wochenhöhepunkt im Programm von 3+?

Ich bin ein grosser Fan von "Bumann, der Restauranttester", "The Mentalist" und "Bauer, ledig, sucht…". Sehr gut gefällt mir auch "Criminal Minds", "NCIS" und "Bones".

(Interview per Mail: Adrian Schräder)


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