Im SonntagsBlick ist ein längeres Interview mit Medienjurist Christian Schertz erschienen. Dieser vertritt Rammstein-Frontmann Till Lindemann (persoenlich.com berichtete). Auf die aktuellen Vorwürfe ging der Anwalt dabei praktisch nicht ein. «Das sind laufende Verfahren», sagte er.
Hingegen kritisierte Schertz die sogenannte «Verdachtsberichterstattung». «Wir haben immer wieder Fälle, in denen eine Person einseitig und ohne Belege Vorwürfe erhebt und die Medien das übernehmen. Dann kommt jeweils der Alibi-Satz: Es gilt die Unschuldsvermutung.»
Ein einseitig erhobener Vorwurf bringe den Betroffenen bereits in die Lage, dass er öffentlich stigmatisiert werde. «Das ist eine Entwicklung der letzten Jahre, die nicht gut ist und Menschen ungebremst öffentlich vorführt», so Schertz (laut SonntagsBlick «ein Name, der in vielen Redaktionen Bibbern auslöst»). Es könne nicht sein, dass jeder einseitige Vorwurf ohne ausreichende Beweise zu einer öffentlichen Vernichtung führe.
Auf die Feststellung von SonntagsBlick-Chefredaktor Reza Rafi, dass die Pressefreiheit immer mehr unter Druck gerate, Journalisten einer wachsenden Kommunikationsindustrie gegenüber stehen würden und Schertz hier munter mitspiele, sagte der Anwalt: «Meine Sorge um die Pressefreiheit hält sich in Grenzen.» Man könne Kanzleien, die im DACH-Raum «hochspezialisiert Betroffene gegen Berichterstattung vertreten, an zwei Händen abzählen».
Erst kürzlich hat die Berliner Kanzlei Schertz Bergmann den Ringier-Verlag abgemahnt. Der Blick löschte schliesslich einen Artikel rund um die beiden Rammstein-Konzerte von Mitte Juni in Bern und gab gegenüber Rammstein-Sänger Till Lindemann eine «umfangreiche strafbewehrte Unterlassungserklärung ab».
Christian Schertz vertritt aktuell auch den ehemaligen Magazin-Chefredaktor Finn Canonica. Dieser klagt gegen das deutsche Magazin Spiegel. (cbe)

