19.04.2010

Albert P. Stäheli

"Auch die NZZ wird auf die Schaffhauser zugehen"

Deal öffnet Türen für weitere Schachzüge.

Die NZZ ist in einer relativ komfortablen Ausgangssituation: Nach dem Tausch "Zürcher LandZeitungen" gegen "Thurgauer Zeitung" muss Tamedia erst noch weiter verhandeln, die NZZ hingegen weiss, was sie hat, kann bereits mit den Detailarbeiten beginnen und schon mal auf die "Schaffhauser Nachrichten" zugehen. Und auf City-Kombi-Mitglied "MittellandZeitung". Das öffnet Türen für weitere Schachzüge. "persoenlich.com" sprach darüber mit NZZ-CEO Albert P. Stäheli.

Mit ihrem Zeitungstausch machen NZZ und Tamedia eigentlich nichts anderes als eine Gebietsaufteilung, eine Art Gebietskartell: Zürich an Tamedia, die Ostschweiz an die NZZ.

Nein, das sehen wir überhaupt nicht so, sondern als sinnvolle Entflechtung und von uns aus als Übernahme eines Titels, der den St. Galler "Tagblatt Medienverbund" bestens ergänzt. Zudem wird die Marktstärke, die das SGT durch diese Übernahme erhält, den Wettbewerb im nationalen Bereich nur stärken. Zur Seite Tamedias kann ich genau dasselbe sagen: Wenn Regionalzeitungen um den Zürichsee eine intelligente Kooperation eingehen, werden auch sie den Wettbewerb verstärken. Dasselbe gilt für den Wettbewerb zwischen NZZ und Tamedia - er wird angeregt fortgesetzt.

Insgesamt erscheint die NZZ nach diesem Deal in der besseren Situation als Tamedia: Die NZZ weiss, dass sie die "Thurgauer Zeitung" erhält und muss nicht mehr verhandeln. Tamedia hingegen muss mindestens beim "Zürcher Oberländer" (ZOL), bei dem sie bloss zu 38 Prozent beteiligt sein wird, noch einige Überzeugungsarbeit leisten und Vertrauen aufbauen.

Ich will das nicht vergleichen, aber es ist so, dass wir natürlich wissen, wie der "Tagblatt"-Medienverbund funktioniert. Er hat ja heute schon verschiedenste Teile, und der Thurgau erhält nun innerhalb des SGT ein noch grösseres Gewicht. Aber die Detailarbeiten müssen genauso erfolgreich abgeschlossen werden wie das Tamedia im Raum Zürich tun muss. Dass beim ZOL der Verwaltungsrat einer allfälligen Kooperation zustimmen muss, ist richtig – doch liegen die Vorteile auf der Hand.

Tamedia muss auch den "Landboten" und vor allem die "Schaffhauser Nachrichten" erst noch um ihre Gunst bitten. Wie stellt sich die NZZ dazu? Werden Sie nun ebenfalls auf die Winterthurer und Schaffhauser zugehen oder überlassen Sie diese Felder ganz Tamedia?

Wir sind selbstverständlich offen für alle Kooperationen. Ich denke aber, dass die Lösung, die Tamedia mit dem "Landboten" und den "Zürcher Landzeitungen" anstrebt, sinnvoll ist. Ich kann mir deshalb nicht vorstellen, dass der "Landbote" es ablehnt, den Mantelteil, den er bisher für "Thurgauer Zeitung" und "Schaffhauser Nachrichten" produzierte, auch für die ZLZ zu machen - und mit ihnen eine Werbekombination einzugehen. In Schaffhausen hingegen ist die Situation offen. Das müssen Sie direkt dort nachfragen. Selbstverständlich werden wir aber auch auf sie zugehen und die neue Situation erläutern.

Was bedeutet der Deal für das Cityplus-Werbekombi, dem neben dem "St. Galler Tagblatt", der "Mittelland Zeitung", der "Neue Luzerner Zeitung" auch die "Zürcher Landzeitung" angehört? Letztere wird ja wohl rausfallen.

Es ist noch etwas früh, dazu etwas zu sagen. Im Rahmen der Arbeiten, die jetzt beginnen, werden auch solche Frage geklärt werden.

Welche Rolle spielte eigentlich die PubliGroupe bei den Verhandlungen? War CEO Hanspeter Rohner bei den Gesprächen dabei?

Nein, die PubliGroupe hat bei diesen Verhandlungen keine Rolle gespielt. Aber selbstverständlich war Herr Rohner als Mitglied des Verwaltungsrates der NZZ-Tochter Freie Presse Holding (FPH) über diesen Handel informiert.

Diesen Deal könnte man als Beispiel sehen dafür, dass ein Kleiner es durchaus schafft, zwei grosse Verlage an denselben Tisch zu bringen statt sie gegen einander auszuspielen.

Das kann man durchaus so sagen. Herr Guts Ziel war zwar, eine gute Nachfolgeregelung für die ZürichseeZeitung zu finden und auch einen rechten Preis zu erhalten. Andererseits gab es auch die Vorkaufsrechte, auf die wir jetzt beiderseitig verzichteten. Dieser Verzicht erst machte dann den Weg frei für die grössere Lösung mit Tamedia. Insofern kann ich Ihre Aussage nur unterstützen: Das ist Familie Gut tatsächlich gelungen. Wohl auch aus der Motivation heraus, mit dem Partner NZZ, mit dem sie lange zusammen gearbeitet hat, eine einvernehmliche Lösung zu finden.

Das Klima zwischen Familie Gut und Tamedia war unlängst angespannt. Ist der rasche Verhandlungserfolg deshalb auch Ihrer Person zuzuschreiben – als ehemaliges Verwaltungsratmitglied bei Tamedia und heutiger NZZ-CEO konnten Sie vielleicht eine Brückenfunktion übernehmen?

Ich denke nicht, dass persönliche oder emotionale Faktoren eine grosse Rolle gespielt haben. Es ist rational betrachtet für alle Parteien schlicht weg die beste Lösung.

(Interview: Markus Knöpfli)


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