Ein rechtsgerichteter Juristenverband in der Türkei hat eine neue Strafanzeige gegen den Schriftsteller Orhan Pamuk eingereicht. Die Kläger werfen Pamuk vor, mit Äusserungen in der Tageszeitung Die Welt die türkische Armee verunglimpft zu haben.
Dies berichtete der türkische Fernsehsender CNN-Türk am Mittwoch. Die Strafanzeige wurde derselben Staatsanwaltschaft zugestellt, die den Autor bereits wegen des Vorwurfs der "Beleidigung des Türkentums" vor Gericht bringt. Diese Anzeige steht im Zusammenhang mit dem Völkermord an den Armeniern.
Verunglimpfung
Pamuk hatte kürzlich in einem Interview mit der deutschen Tageszeitung Die Welt gesagt, es sei nicht die islamisch geprägte Regierungspartei AKP, sondern vielmehr das Militär, das eine demokratische Entwicklung manchmal verhindert.
Nach Einschätzung des Juristenverbandes verstiess Pamuk mit dieser Äusserung gegen den Paragrafen 301 des türkischen Strafgesetzbuches, der bei Verunglimpfungen der Armee bis zu zwei Jahre Haft vorsieht. Auch beim bereits laufenden Verfahren gegen Pamuk geht es um den Paragrafen 301.
Strafprozess im Dezember
Dem diesjährigen Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels steht deshalb in der Türkei voraussichtlich ab Mitte Dezember ein Strafprozess bevor. Die Anklage wirft ihm "öffentliche Herabsetzung des Türkentums" vor und fordert drei Jahre Haft für den Autor.

