18.08.2009

Presserat

Beschwerde gegen "Basler Zeitung" gutgeheissen

Privatsphäre sei verletzt worden.

Der Presserat hiess eine Beschwerde des Pächters gegen die "BaZ" gut, wie aus dem am Dienstag bekannt gewordenen Entscheid hervorgeht. In einem Artikel vom 11. Oktober 2008 über ein behördlich bewilligtes Hanffeld in Rümlingen BL hatte die Autorin auch Gerüchte und Verdächtigungen betreffend Drogen oder Drogenhandel kolportiert. Dabei nannte sie den vollen Namen des Pächters und erwähnte eine bedingte Gefängnisstrafe von 2004, die gegen ihn als Hilfsperson beim Anbau stark THC-haltiger Hanfpflanzen ergangen war. "Presseethisch interessant und problematisch" ist laut dem Presserat dabei der Grundton der Kurzreportage.

Denn die Autorin finde nichts, was darauf hindeute, dass der Hanfanbau nicht in Ordnung sein könnte. Im Gegenteil bescheinige ein amtlicher Kontrolleur, dass sich der Pächter an Gesetze und Verträge halte. Doch diesen Tatsachen stelle die Autorin "eine Reihe von Verdächtigungen und anonym geäusserten Gerüchten" entgegen. Der Artikel rücke den Pächter "ins Zwielicht der Kriminalität" und nähere sich in seiner Tendenz der Kriminalreportage - nur "dass ihm leider das nötige Verbrechen dazu fehlt". Die Erwähnung der Vorstrafe diene im Kontext des Artikels "nur als scheinbare Stütze der Gerüchte, für die die Autorin sonst keinerlei Beweise erbringen kann".

Dies widerspreche aber journalistischer Berufsethik und verletze die Privatsphäre des Pächters. Ebenso habe kein öffentliches Interesse bestanden, im Zusammenhang mit zumeist anonymen Verdächtigungen den Namen und die vier Jahre alte Vorstrafe zu nennen. Auch habe der Pächter, indem er der Autorin Auskunft gab, nicht stillschweigend in die Namensnennung eingewilligt. Dagegen hatte die BaZ gegenüber dem Presserat eine stillschweigende Einwilligung und ein öffentliches Interesse geltend gemacht: Wer aus Hanfanbau ein Erwerbseinkommen erziele und die öffentliche Sicherheit gefährde, könne sich nicht auf das Recht berufen, nicht namentlich genannt zu werden. (sda)


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