Der Presserat hat eine Beschwerde gegen die Wirtschaftszeitung Cash wegen Unterschlagung und Entstellung von Informationen teilweise gutgeheissen.
Die Wirtschaftszeitung Cash veröffentlichte ein Interview mit dem Journalisten, Juristen und CEO der AG für Wirtschafts-Publikationen (AWP), Hansjürg Saager, der vor allem zur Rolle seines Vaters Bruno M. Saager in der sog. Interhandel-Affäre befragt wurde.
Aufhänger des Interviews war die von Cash laut der Zeitung "enthüllte Tatsache, dass Bruno M. Saager -- ehemaliges Mitglied der Generaldirektion der damaligen Schweizerischen Bankgesellschaft -- 15 Jahre lang geheimer Besitzer der Schweizer Wirtschaftszeitung Finanz und Wirtschaft gewesen war.
Cash thematisierte im Interview den Zusammenhang dieses heimlichen Kaufes mit der Übernahme der Basler Interhandel AG durch die SBG Ende der 50er-Jahre des letzten Jahrhunderts und mit dem mit den USA 1963 abgeschlossenen Kompromiss über die Aufteilung der amerikanischen Interhandelfirmen zwischen den USA und der SBG.
Weiter wurde die Beeinflussung der öffentlichen Meinung in Form einer amerikafreundlicheren Berichterstattung der Finanz und Wirtschaft angesprochen, die in Zusammenhang mit diesem Deal erfolgt sei. Ebenso habe die Berichterstattung der Zeitung den Börsenkurs von Interhandel kräftig "angeheizt.
Auf eine Frage von Cash "So etwas diskreditiert doch die Unabhängigkeit des gesamten Wirtschaftsjournalismus in der Schweiz antwortete Saager: "Wieso? Der Vorgang ist ja im Bergier-Bericht zum Thema Interhandel beschrieben. Es liegt alles offen. Cash entgegnete darauf: "Getarnt als Fussnote. Offenbar hat das niemand gelesen. Saager entgegnet: "Dafür kann ich nichts. Ich habe dem Historiker Mario König, der diesen Teil des Bergier-Berichts verfasst hat, alle nötigen Informationen gegeben, die ich hatte.
Mario König reagierte mit einem Leserbrief. Darin kritisiert dieser, Cash habe alte Spekulati-onen aufgefrischt und tue so, als habe es seine im Rahmen der Bergier-Kommission verfasste Untersuchung nie gegeben. Die Information über den Kauf der Finanz und Wirtschaft sei keineswegs in einer Fussnote versteckt. Der Bericht sei zudem in zahlreichen Details falsch. Der heimliche Kauf der Finanz und Wirtschaft durch den Bankier Bruno Saager habe weder den Kurs der Interhandelaktie beeinflusst, noch einen Einfluss auf den Ausgang der Affäre gehabt.
Mario König gelangte mit einer Beschwerde an den Schweizer Presserat. Die Beschwerde richtet sich sowohl gegen das Interview wie auch die Behandlung seines Leserbriefes in Cash. Sowohl seine Arbeit wie auch diejenige der sog. Bergier-Kommission werde durch Cash in ein zweifelhaftes Licht gerückt. Das Interview enthalte unwahre Behauptungen, die im redaktionellen Kommentar zum Leserbrief des Beschwerdeführers wiederholt würden.
Die Beschwerde wurde vom Presserat schliesslich teilweise gutgeheissen. Wenn eine Zeitung den schwerwiegenden Vorwurf eines widerrechtlichen Verhaltens veröffentliche, müsse sie diesen näher belegen, oder zumindest angeben, welche objektive Rechtsnormen verletzt worden sein sollen.

