Der Zürcher Medienkonzern Ringier bleibt von der Krise in der Branche nicht verschont. Das Inserategeschäft brach Ende 2008 buchstäblich ein. Verwaltungsratspräsident Michael Ringier sieht vorerst keine Trendwende. "Es ist die schwierigste Phase, die wir je zu bewältigen hatten", sagte Ringier in einem am Mittwoch publizierten Interview mit der "Handelszeitung". Bereits im Juli habe die Mediengruppe erste Rückgänge bei den Anzeigen registriert. "Oktober und November waren katastrophal", und ein Gegentrend sei im laufenden Jahr bislang nicht zu erkennen.
Nach wie vor gebe es aber Produkte und Länder, bei denen es relativ gut laufe, sagte Ringier weiter. Wachstumspotenzial gibt es im Online-Geschäft. Ringier habe mit dem Kauf von Media Swiss, die unter anderem die Internet-Plattform www.gate24.ch betreibt, einen "dreistelligen Millionen-Betrag" investiert. "Das ist ein Investment, das uns auf Stufe Umsatz zur Nummer eins in diesem Segment gemacht hat".
Blick-online nicht profitabel
Mit "Blick online" ist Ringier "sehr zufrieden". "Wir waren in den schwarzen Zahlen, doch dann waren wichtige Investitionen nötig", sagte Ringier. Jetzt damit Geld zu verdienen, habe nicht oberste Priorität. Aber "Blick online" sei für die "Blick"-Leser selbstverständlich. Ein Verzicht auf das Portal würde die Marke beschädigen. Ringer könne es sich nicht leisten, eine führende Zeitung ohne Online-Auftritt auf dem Markt zu haben. "So sind wir gezwungen, 'Blick online' zu führen, selbst wenn wir derzeit kein Geld damit verdienen."
Neues Format
Auch mit dem Gratispendlerblatt "Blick am Abend" verdient der Konzern kein Geld. Die "Blick"-Gruppe und der "Blick" selber seien aber profitabel, sagte Ringier. "Überhaubt nicht glücklich" ist Ringier mit der Print-Ausgabe des Flaggschiffs des Verlagshauses. Das Blatt biete im Tabloid-Format zu wenig Raum, "um Geschichten attraktiv aufzumachen. Wir müssen uns wieder als andersartige Zeitung profilieren". Das Zeitungsformat werde deshalb geändert. Ob es dabei ein grösseres Tabloid-Format oder eine Rückkehr zum alten Format geben wird, liess er noch offen. Entschieden werde in den nächste Monaten.
Verluste bei
Die Marke "Cash" habe trotz der Schliessung der Wochen- und der Gratiszeitung nicht gelitten. Es sei aber eine herbe Enttäuschung gewesen, dass das Gratisblatt eingestellt werden musste, sagte Ringier. Mit der Einstellung der Printausgabe und dem Personalabbau sei die Kostenseite beim Wirtschaftstitel reduziert worden. "Wir glauben daran, dass wir mittelfristig Geld verdienen werden". Von einem Verlust von 11 Mio. Fr. bei der "Cash"-Gruppe wollte Ringier nichts wissen. Es sei aber kein Geheimnis, dass die Zeitung ein paar Millionen Franken pro Jahr gekostet habe. Michael Ringier bleibt aber zuversichtlich, dass die finanzielle Lücken nun geschlossen werden können. (sda)

