Herr Wanner, geht es der Mittelland Zeitung so schlecht, dass Sie jetzt Leute entlassen muss?
Nein, das ist nicht der Fall. Der Mittelland Zeitung geht es momentan trotz Rezession gar nicht so schlecht. Der Stellenabbau betrifft die Aargauer Zeitung. Wir müssen sowohl 10 Leute in der Redaktion und Produktion entlassen, wie auch 10 weitere im Verlag und in der Inserateabteilung. Durch natürliche Fluktuation, Umplatzierungen oder Frühpensionierungen probieren wir das Ganze möglichst sozialverträglich zu gestalten. Schlussendlich werden -- leider -- 12 bis 15 Mitarbeiter die Kündigung erhalten.
Wie hat die Redaktion auf diese Hiobsbotschaft reagiert?
Es herrscht sicher keine Freude, vor allem dort nicht, wo der Abbau erfolgen wird. Durch den massiven Inserateeinbruch gibt es nicht nur weniger Einnahmen, sondern auch weniger Arbeit. Daher ist auch die Inserateabteilung betroffen.
Wie stark spüren Sie diesen Inseraterückgang?
Der war im vergangenen Jahr ziemlich happig. Die Stelleninserate gingen um 44 Prozent zurück, insgesamt haben sich die Werbeeinnahmen um 20 Prozent reduziert. In diesem Jahr sieht es ganz danach aus, dass es im gleichen Stil weitergehen könnte. Für uns ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, wo wir nicht mehr warten wollen. Bis anhin hatten wir auf bessere Zeiten gehofft und harte Einschnitte hinausgeschoben.
Mit Markus Gisler, Hans Schneeberger, Susanne Mühlemann und Artur K. Vogel haben Sie profilierte, aber zweifelsohne auch teure Redaktionsleute an Land gezogen. Ist dieser Abbau kein Widerspruch?
Das ist kein Widerspruch. Wir haben immer gesagt, dass wir die Mittelland Zeitung als profiliertes Blatt qualitativ ausbauen wollen. Wir hatten in der Redaktion auch einige vakante Stellen, welche nun durch die genannten Personen besetzt werden. Bei der Mantelredaktion ist "netto" (Zugänge/Abgänge) keine Reduktion vorgesehen, hingegen werden einzelne Stellen bei Lokalressorts und beim technischen Redaktionspersonal gestrichen.
Jetzt tritt die Mittelland Zeitung faktisch unter vier Titeln auf (AZ, Solothurner Zeitung Oltner Tagblatt und Zofinger Tagblatt). Wäre es denn in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht logisch, diese Blätter zusammenzulegen?
Logisch vielleicht schon, aber dies entspricht nicht unserer Idee. Alle Partner wollten eine Kooperation und keine Fusion. Die einzelnen Ausgaben sind regional auch sehr gut verankert. Unser strategisches Ziel bleibt immer noch das Gleiche: Die Mittelland Zeitung ist ein Bollwerk zwischen den grossen Zentren Zürich, Basel und Bern.
Durch den Kauf von 20 Minuten tritt jetzt aber Tamedia in Ihr Gebiet ein...
20 Minuten gibt es jetzt schon drei Jahre, gewechselt hat lediglich der Besitzer. Wir haben uns mit der Pendlerzeitung abgefunden. 20 Minuten fokussiert auf die grossen Zentren, wir hingegen decken das ganze Mittelland zwischen Grenchen und Schlieren ab. Da sind wir nicht gross tangiert.

