13.09.2023

Ringier

Blick erinnert die Kirche an die zehn Gebote

Die Frontseite vom Mittwoch über sexuellen Missbrauch in Schweizer Kirchen ist aufgefallen. Die Idee dazu hatte Print-Chefredaktor Andreas Dietrich. «Der höchste Massstab des Christentums sind die zehn Gebote», so der 59-Jährige.
Ringier: Blick erinnert die Kirche an die zehn Gebote
Verantwortet das auffällige Blick-Cover vom Mittwoch: Andreas Dietrich, Chefredaktor Blick Print. (Bilder: Blick, persoenlich.com)

Die Blick-Frontseite vom Mittwoch ist sofort ins Auge gestochen. Auf schwarzem Hintergrund steht in grossen Lettern «Du sollst nicht!» – darunter die zehn Gebote aus dem Alten Testament der Bibel. Am Ende folgt der Satz: «Die Kirche verhöhnt ihre eigenen Gebote.»

Hintergrund für den Aufmacher war ein am Dienstag veröffentlichter Bericht über sexuellen Missbrauch im Umfeld der katholischen Kirche der Schweiz. Katholische Kleriker und Ordensangehörige haben in der Schweiz in den vergangenen 70 Jahren mindestens 1002 Fälle von sexuellem Missbrauch begangen. Das zeigt die erste Analyse von Geheimarchiven römisch-katholischer Institutionen durch Historikerinnen und Historiker der Universität Zürich. Es handle sich dabei um die Spitze des Eisbergs, hiess es.

Die Idee zum Blick-Cover hatte Andreas Dietrich, Chefredaktor Blick Print. «Es war sofort klar, dass diese Ungeheuerlichkeiten nach einer besonderen Front verlangen», so Dietrich am Mittwoch auf Anfrage von persoenlich.com. «Die Fragen waren: Was ist der Kern des Themas? Religion, die fürs Gute stehen sollte, hat systematisch das Gegenteil hervorgebracht. Wie bringt Blick das schnörkellos-plakativ auf den Punkt, ohne selbst degoutant zu sein und religiöse Gefühle von unbescholtenen Gläubigen zu verletzen?»

Die Antwort auf diese Fragen war für Dietrich klar: «Am besten, indem man Täter und Mitschuldige an ihren eigenen Massstäben misst und sie an diese erinnert. Der höchste Massstab des Christentums sind die zehn Gebote. Der Rest war Handwerk, geleitet vom einfachen, einprägsamen Sprachduktus der Bibel. So kam es, dass die zehn Gebote heute an den Kiosken präsenter sind als in manchen Kirchen.»

Die Frage, ob es empörte Reaktionen auf das Mittwochs-Cover mit den zehn Geboten gab, verneinte Dietrich.

Einen Tag nach der Veröffentlichung des Berichts der Uni Zürich über Missbrauchsfälle haben sich Schweizer Bischöfe am Mittwoch entschuldigt und Besserung gelobt. Gleichzeitig gab es erste Konsequenzen.


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