Die Pressemedien haben vielerorts mit einem massiven Vertrauensmangel zu kämpfen. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls eine britische Studie im Auftrag des Media Standards Trust, wonach nur sieben Prozent der Leser davon ausgehen, dass Zeitungen verantwortungsvoll publizieren. Drei Viertel der Befragten glauben, dass in der Presse regelmässig bewusste Falschmeldungen veröffentlicht werden. Finanzieller Druck auf die Verlage und die Einführung neuer schnelllebiger Technologien könnten dazu führen, dass Einwirkungen von Aussen und Ungenauigkeiten in der Presselandschaft zunehmen, warnt der Bericht. Stellenkürzungen und der Drang, Storys möglichst schnell auch online zu publizieren, schränken die Möglichkeiten zur Fakten- und Fehlerüberprüfung in den Artikeln ein, so eine weitere Schlussfolgerung.
Der Bericht übt auch Kritik an dem derzeit geltenden Selbstregulierungssystem der Presse in Grossbritannien. "Ohne eine baldige Reform wird die Selbstregulierung, was den Schutz der Öffentlichkeit oder die Befürwortung von gutem Journalismus betrifft, zunehmend ineffektiver", befürchten die Studienautoren. Journalisten seien heute dazu angehalten, mehr Material für mehr verschiedene Plattformen in kürzerer Zeit zu produzieren. In einem solchen Umfeld steige das Risiko zur Fehleranfälligkeit. Nur zehn Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die Chefredakteure sicherstellen, dass die ihnen unterstehenden Journalisten im öffentlichen Interesse handeln. 58 Prozent fordern eine stärkere Regulierung der Zeitungsbranche.
70 Prozent der britischen Leser kritisierten im Zuge der Befragung, dass es viel zu viele Fälle gebe, in denen die Privatsphäre von Personen seitens der Zeitungsjournalisten verletzt würde. 60 Prozent fordern daher auch strengere staatliche Eingriffe in die Presselandschaft. Der Bericht von Media Standards Trust kommt zum Schluss, dass das öffentliche Vertrauen in die Zeitungen unter das erforderliche Niveau gesunken sei, um eine angemessene Rolle innerhalb einer demokratischen Gesellschaft zu spielen. (pte)

