Der Relaunch des Brückenbauers wurde Anfang Jahr angekündigt. Wann kommt er nun?
Im nächsten Mai. Wobei es sich beim Brückenbauer und seinem Westschweizer Pendant Construire nicht nur um ein Facelifting handelt, sondern um ein Neukonzept -- optisch und inhaltlich.
Warum dauern Planung und Umsetzung so lange?
Ich habe immer gesagt, dass ich Anfang Sommer, nach der Bilanz-Medienkonferenz, so richtig loslege. Nach vielen Gesprächen mit Migros-Mitarbeitenden und -Genossenschaftern habe ich zusammen mit dem externen Berater Hanspeter Eggenberger der 18köpfigen Arbeitsgruppe mit einem Grobkonzept die Stossrichtung vorgegeben. Die Projektgruppe hat dann für das Leitungsteam, dem neben Migros-Chef Anton Scherrer auch zwei weitere Mitglieder der Generaldirektion und zwei Genossenschaftsleiter angehören, das Detailkonzept entwickelt.
Wie geht es nun weiter?
Gegenwärtig arbeiten wir an der optischen Umsetzung. Drei Agenturen werden diese Woche ihre Vorschläge präsentieren. Anschliessend wird das Leitungsteam erneut darüber befinden, so dass Anfang Dezember der Ausschuss Detailhandel Migros entscheiden kann.
Und wieso kommen Sie dann erst im Mai mit dem Neukonzept?
In meinem Vor-Migros-Leben hatte ich bei etlichen Faceliftings und Neukonzeptionen mitgearbeitet und mit Cashual als Projektleiterin ein Magazin entwickelt. Deshalb weiss ich, dass solche Prozesse gut vorbereitet sein wollen und viel Zeit benötigen. Zudem ist Frühling eine gute Saison für die Lancierung.
Sie sprechen von einer völligen Neukonzeptionierung. Was bedeutet das für den Inhalt: Wird es noch mehr Migros-PR geben?
Nein, ich will keine platte PR-Postille, die ungelesen im Altpapier landet -- davon gibt es schon genug. Wir planen ein inhaltlich und optisch attraktives, journalistisch gemachtes Magazin, das die Migros-Welt widerspiegelt.
Die "Migros-Welt"?
Sie ist, frisch, sinnlich, ökologisch und sozial, aber nicht ideologisch, auch ein bisschen hemdsärmlig, aber auf keinen Fall protzig. Inhaltlich deckt sie praktisch mein ganzes Leben ab -- vom Essen über Kleidung zu Kultur und Fitness, Reisen, Finanzen, Weiterbildung... So vielfältig soll auch der neue Brückenbauer werden. Wichtig ist dabei aber, dass er trotz thematischer Vielfalt ein klares Profil mit einer gut erkennbaren Struktur und viel Nutzwert hat. Wir wollen einen hohen Service-Bezug.
Was heisst das konkret? Wie wird sich der BB thematisch präsentieren?
Wir werden uns vermehrt an jüngere Familien, vermehrt an Konsumentinnen und Konsumenten richten. Wir werden sicher das grosse interne Knowhow, beispielsweise zu Themen wie Produktesicherheit oder gesunde Ernährung, abholen. Unser grosser Vorteil ist, dass wir uns nicht mit reisserischen Headlines am Kiosk verkaufen müssen. Deshalb können wir informativ und ausgewogen sein was allerdings nicht mit langweilig zu verwechseln ist! Auch haben wir mit der M-Infoline ein phantastisches Instrument, über das wir in engem Kontakt zu den Migros-Kunden stehen: Pro Monat sind das über 6000 Personen, die sich informieren oder mit Anregungenm, Komplimenten und Reklamationen melden. Diesen Dialog mit den Kunden wollen wir im neuen Magazin weiterführen. Sicher ist ausserdem, dass es keine seitenlangen Autorengeschichten geben wird (lacht) und wir auch kein People-Magazin machen werden. Nur noch so viel: Wir denken auch über eine Änderung des Namens nach und wie wir Brückenbauer/Construire, die Saisonküche und das Internetportal inhaltlich stärker verknüpfen können. Aber mehr verrate ich jetzt noch nicht.
Eine Änderung des Titels? Gibt es da keinen internen Widerstand?
Die jungen Menschen kennen die Bedeutung des Namens Brückenbauer nicht mehr. Obwohl ich schon vor verschiedenen Genossenschaftsräten und anderen Migros-Gremien über die Neukonzeption gesprochen habe, haben bis jetzt nur zwei Personen zur geplanten Namensänderung Bedenken geäussert.
Was ändert sich an der Gestaltung?
Das Magazin soll eine Bildsprache haben, die modern ist, aber meine Sehgewohnheiten nicht strapaziert. Es muss eine frische Ausstrahlung haben. Es soll sinnlich und klar strukturiert sein. Farbig aber nicht bunt. Die Optik soll Lust bereiten, das Magazin in die Hand zu nehmen, und das Layout muss mir eine gute Orientierung geben, so dass ich mich als Leserin rasch zu Recht finde.
Was bedeutet der Relaunch für die Redaktion? Wird es personelle Veränderungen geben?
Ich hoffe, dass alle Mitarbeitenden engagiert mithelfen, das neue Konzept umzusetzen. Ich bekomme aus der Redaktion immer wieder Mails mit Ideen, Anregungen und der Bemerkung, man freue sich auf frischen Wind.
(Interview: Alain Egli).
Monica Glisenti:

