05.01.2006

Toni Brunner

"Buureradio.ch wird auch in der Stadt gehört"

Seit zwei Wochen ist buureradio.ch auf Sendung. Der Start verlief laut Chefredaktor Toni Brunner verheissungsvoll. Seit der Bauer und SVP-Nationalrat im eigenen Stall während 24 Stunden sein Internet-Radio laufen lässt, "hat die Milchmenge frappant zugenommen", scherzt er im Interview mit "persoenlich.com". Vor allem aber will der 31-jährige mit seinem Radiosender ein realistisches und modernes Bauerbild vermitteln und Brücken schlagen zwischen Stadt und Land.
Toni Brunner: "Buureradio.ch wird auch in der Stadt gehört"

Seit wenigen Tagen ist buureradio.ch nun auf Sendung, wie war das bisherige Echo?

Wir sind überwältigt von den Reaktionen! Einerseits von der Hörerschaft, andererseits auch von den zehntausenden von Zugriffen auf unsere Homepage. Die Resonanz auf das Programm war unglaublich. Es war eine Art Befreiung für viele, mal Musik zu hören, die ihnen wirklich gefällt. Und dann noch die wichtigen Informationen, die auf das Zielpublikum Bauern sowie die ländliche Bevölkerung zugeschnitten sind.

Wieso hat es Ihrer Meinung nach einen Radiosender für Bauern gebraucht? Es gibt ja bereits DRS 1 oder Eviva…

Den Ausschlag für die Idee gab mir mein Vater. Seit Jahren musste er im Stall Sender und Musik hören, die ihm nie sonderlich gefallen haben, inklusive DRS1. Er wollte gerne volkstümliche Musik, unterbrochen von nützlichen Informationen, geniessen. Das war der Auslöser für meine Überlegungen, wie man überhaupt an dieses Zielpublikum gelangen könnte. UKW-Frequenzen für nationale Programme zu bekommen ist praktisch unmöglich. Also bleibt momentan der einzige Weg übers Internet, weil das kein regulierter Markt ist wie leider alles andere.

Hören Ihre Kühe im Stall jetzt also Ihr Internet-Radio und geben mehr Milch?

Jawohl, das ist so (lacht)! Die Milchmenge hat in den letzten Tagen frappant zugenommen. Bei mir im Stall kann über Boxen buureradio.ch während 24 Stunden empfangen werden.

Im Stall verfügt ja kein Bauer über einen Internetzugang, wie kann denn dort trotzdem buureradio.ch gehört werden?

Das denken Sie! Vor allem im Mittelland gibt es viele grössere, neu erbaute Betriebe, die sehr oft das Büro mit Computer im Stall integriert haben. Und dann ist es nur noch eine Frage der akustischen Verbreitung. Den Stall mit Boxen auszustatten, ist heute kein Problem mehr. Auf meinem Betrieb verfüge ich über eine ADSL-Station im Wohnhaus, buureradio.ch geht dann via Funkboxen oder Kabelverbindung in den Stall. Aber es gäbe bestimmt noch andere Varianten, jedoch bin ich diesbezüglich technisch zu wenig versiert.

Viele Lokalradios kämpfen um eine UKW-Frequenz, buureradio.ch ist nicht mal über Kabel verfügbar. Wie kann ein Radio so überleben?

Überleben können wir momentan nur, weil alle ehrenamtlich arbeiten und niemand etwas daran verdient. Das heisst, die gesamte Redaktion arbeitet in ihrer Freizeit. Deshalb ist es uns vorderhand nur möglich, wöchentlich die Beiträge zu erneuern und nicht ein moderiertes 24-Stunden-Programm anzubieten. Einzig die News werden aktualisiert.

Wie soll sich Ihr Sender in ferner Zukunft entwickeln und finanzieren?

Vorerst planen wir für die nächsten drei Jahre. Da wir aber ein Team voller Enthusiasten sind und einen so erfolgversprechenden Start hingelegt haben, sind wir auch motiviert für die Zukunft. Deshalb werden wir auch versuchen, über Werbeeinnahmen schwarze Zahlen schreiben zu können. Das ist eine Wunschvorstellung und hängt von den nächsten Monaten ab. Die Tatsache ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, dass die Schweizer Bauernbestände, also Ihre Hörerschaft, eher sinkend ist.

Tatsache ist, dass die Schweizer Bauernbestände, also Ihre Hörerschaft, eher sinkend ist.

Wenn wir aber nur deshalb nichts mehr bewegen würden, hiesse das ja, dass wir ganz aufgeben. Es ist eine Tatsache, dass sich unsere Landwirtschaft immer mehr dem freien Markt stellen muss. Eben auch moderne Kommunikationsmittel braucht, um einen Brückenschlag zu nicht bäuerlichen Bevölkerung machen zu können. Die Resonanz hat gezeigt, dass buureradio.ch auch in der Stadt gehört wird. Gerade wenn Bauern überleben wollen, geht es doch auch darum, aufzuzeigen, dass wir Wege finden, um direkt an die Konsumentinnen und Konsumenten zu gelangen. Wir wollen ein realistisches und modernes Bauern-Bild vermitteln.

Das Programm von buureradio.ch ist spezifisch an Hörer aus der Landwirtschaft gerichtet. Setzen Sie sich da nicht selbst Grenzen?

Natürlich sprechen wir ein spezifisches Publikum an. Es kann aber auch für einen Städter interessant sein, in die verschiedenen Gefässe reinzuhören. Genau um über die Landwirtschaft hinaus zu kommen, haben wir die Sendegefässe "Landleben" und "Hipp und trendy". Wen interessiert es nicht, wie eine richtige Gerstensuppe zubereitet wird? Und für die jungen Städterinnen gibt es ja noch Renzo Blumenthal mit seinem Wunschkonzert (lacht).

Werden Sie in Ihrem Stallgespräch bei den Gästen den Landwirtschaftsrahmen sprengen?

Auf jeden Fall. Ich kann mir durchaus vorstellen, auch mal den Stadtpräsidenten von Zürich im Stall zu begrüssen. Oder Menschen, die keinen Bezug zur Landwirtschaft haben, aber dennoch etwas für uns Interessantes zu vermitteln haben.


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