06.06.2017

SRF

«Christa Rigozzi ist mehr als eine Glamour-Frau»

Die Kritik an der neuen Sendung «Arena/Reporter» ist heftig. Vor allem die Ex-Miss-Schweiz musste sich in den vergangenen Tagen einiges anhören. Ihr Moderationskollege Jonas Projer nimmt in einem Interview mit der «Schweiz am Wochenende» erstmals Stellung.
SRF: «Christa Rigozzi ist mehr als eine Glamour-Frau»
«In der Arena vor zwei Jahren hat Christa Rigozzi mit Kompetenz überzeugt», sagt SRF-Moderator Jonas Projer. (Bild: SRF)
von Marion Loher

Am 11. Juni wird die neue SRF-Sendung «Arena/Reporter» mit dem Moderatorenduo Jonas Projer und Christa Rigozzi erstmals ausgestrahlt (persoenlich.com berichtete). Schon im Vorfeld sorgen das Format und insbesondere die Co-Moderatorin für hitzige Diskussionen. Anscheinend auch am Leutschenbach selber, wo sich einige gemäss der grössten Boulevardzeitung der Schweiz über die vielen Werbeverpflichtungen der Miss Schweiz von 2006 aufregen. Allerdings tun sie das anonym, was SRF-Direktor Ruedi Matter ziemlich auf die Palme brachte (persoenlich.com berichtete).

In der aktuellen «Schweiz am Wochenende» nimmt SRF-Moderator Jonas Projer erstmals Stellung zur Sendung – und seine Kollegin in Schutz. «Christa Rigozzi ist mehr als eine Glamour-Frau», sagt Projer im Interview. Rigozzi war vor zwei Jahren das erste Mal Gast in der «Arena», um über die zweite Gotthardröhre zu diskutieren. «Sie hat mit Kompetenz überzeugt, mit rhetorischem Geschick, und sie hat bewiesen, dass sie nicht nur eine erfolgreiche Geschäftsfrau ist, sondern sich auch auf dem politischen Parkett bewegen kann.» Und die 34-Jährige brachte dem Sender eine gute Quote ein. Die Gotthard-«Arena» war mit fast 28 Prozent eine der besten unter Projers Leitung gewesen (persoenlich.com berichtete). Dazu sagt der Moderator: «Das ist nicht unser Hauptkriterium, uns geht es um die Meinungsbildung. Aber wir wären doch im falschen Job, wenn wir nicht versuchen würden, mit relevanten Themen ein breites Publikum zu erreichen.» Dazu könne Rigozzi sicher beitragen.

rigozziweb

Christa Rigozzi, Co-Moderatorin von «Arena/Reporter»

Zur Kritik anderer SRF-Moderatoren, dass die ehemalige Miss Schweiz Werbung machen darf, für wen sie will, sagt Projer: «Klar ist, dass sie für einige wenige Auftritte spürbare Werbe-Einschränkungen in Kauf nimmt. Und das finde ich auch richtig so.» Rigozzi ist bei SRF nicht festangestellt, sondern wurde als Co-Moderatorin für die einzelnen Ausgaben von «Arena/Reporter» engagiert – im Jahr 2017 sind das drei Sendungen.

Rigozzi und die Werbung sind auch für Christian Dorer, Chefredaktor der Blick-Gruppe, ein Thema. In der Samstagsausgabe des «Blicks» schreibt er: Indem das SRF Rigozzi nun in einer etwas flockigeren Ausgabe der klassischen Debatten-Sendung installiere, erhöhe der Sender nicht nur die Attraktivität der Marke «Arena», sondern auch die Marke «Christa Rigozzi». «Ihr Werbewert für Firmen steigt durch die regemässige Bildschirmpräsenz enorm», so Dorer weiter. Das sollte skeptisch machen und kurz darüber nachdenken lassen, ob das wirklich die Rolle eines gebührenfinanzierten Senders sei. Wenn es dem Sender nur um den Werbeeffekt einer «prominenten, gut aussehenden, charmanten Botschafterin» gehe, dann sei ihre Verpflichtung «sexistisch und nicht die Kritik daran», schreibt der Chefredaktor der Blick-Gruppe weiter.

Protagonist gemäss «Blick» ein «Nazi»

Umstritten ist auch das Thema der ersten «Arena/Reporter»-Sendung: Die Kesb oder genauer gesagt der im Film porträtierte Christian Kast. Ein Mann, der gemäss Moderator Projer seine Kinder dem Zugriff der Kesb entzog und auf die Philippinen brachte, wo sie nun leben. «Aber unter welchen Umständen?», fragt Projer im Interview mit der «Schweiz am Wochenende». «Unser Ziel ist es, über die Geschichte zu diskutieren – und die wichtigen politischen Fragen zu stellen.»

Wie der «Blick» am Samstag schreibt, sei Kast ein «bekennender Nazi». In früheren Artikeln habe er «immer wieder seine rechtsradikale Gesinnung durchblicken lassen» und sich selber auch schon als «Nazi» bezeichnet. Inzwischen drifte der 48-jährige Aargauer immer tiefer in «rechte Sphären» ab und lasse die Öffentlichkeit mit Äusserungen im Internet daran teilhaben.

Auf die Frage, weshalb man einen selbsternannten «Nazi» ins Studio einlade, antwortete SRF gegenüber der Boulevardzeitung: Kast werde sich der Debatte im Studio stellen, das SRF habe Kenntnis von den Internet-Äusserungen und werde diese thematisieren.

Kast sagt Auftritt ab und löscht Facebook-Profil

Mittlerweile soll Kast seinen Auftritt bei «Arena/Reporter» wieder abgesagt haben, wie der «Sonntagsblick» in seiner aktuellen Ausgabe schreibt. Angeblich liess er über Facebook die SRF-Macher wissen, dass er «nicht an der ‹Arena› teilnehmen» werde. Dies würde der Sache schaden. Kurze Zeit später habe der umstrittene Aargauer sein Profil gelöscht, heisst es im Artikel weiter.



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Kommentare

  • Luciano Gloor, 07.06.2017 23:48 Uhr
    Interessant, dass sich niemand über Bernhard Russi's Werbeengagements aufgeregt hat, nun jedoch bei einem weiblichen Moderator mit dem Finger auf sie zeigt. Sowas von scheinheilig. Jegliches "aus Prinzip keine Werbung"-Argument ist unehrlich, wenn es nicht früher schon in Bezug auf andere ins Spiel gebracht worden ist, ebenso wie jedes Argument "Erhöhung der Marke durch Fernsehauftritte". Das gilt in Gottes Namen für jeden, der im Fernsehen auftritt, ob er nun bereits eine Marke ist oder dadurch eventuell erst noch eine wird. Was sollen Roboter vor der Kamera wirken? Nein, die einzig sinnvolle Diskussion, und die macht auch Sinn, ist, was für Werbeauftritte sind angebracht für jemanden, der eine politische Sendung moderiert. Und hier mag es berechtigte und begründbare Vorbehalte geben. Alle übrigen Pauschalargumentationen gehören in den Papierkorb der Scheinheiligkeit und des Sexismus!
  • Kristina Pfeiler, 07.06.2017 19:44 Uhr
    Die Diskrepanz liegt doch darin, dass hier ein solider Medienprofi lediglich als Co-Moderator verpflichtet wird. Da hätte ich mir von den Machern mehr erwartet.
  • Tschem Bra, 06.06.2017 09:50 Uhr
    Herr Projer, reflektieren, nicht rechtfertigen. Viel Spass, wenn sie das Thema "Banken" oder "Armut" diskutieren. @Markus Schild: trifft den Nagel auf den Kopf.
  • Dieter Widmer, 06.06.2017 09:21 Uhr
    Ich habe gar nicht gewusst, dass Christa Rigozzi so viele Neider in der Schweiz hat. Ihr werdet noch staunen, was die Tessinerin zu bieten hat. Und apropos Werbung. Was ist mit Bernhard Russi und mit Gilberte Gress, die Teilmandate haben/hatten? Hat jemals jemand reklamiert, die beiden seien nicht haltbar, weil sie noch Werbung machen würden? Gebt jetzt endlich Christa Rigozzi eine Chance. Und ihr werdet sehen: Die Frau wird das brillant machen.
  • Eva Amgwerd, 05.06.2017 23:46 Uhr
    Vielleicht ist Herr Projer tatsächlich im falschen Job? Vielleicht sollte er es bei RTL versuchen, dort kann er vielleicht mit Ex-Missen eine Diskussionssendung machen, daneben noch den Marktwert steigern, um damit wieder umgehend eine goldene Nase in der Werbewirtschaft zu verdienen. Einfach nur peinlich, dass er nicht merkt, um was es geht. Es spielt keine Rolle, dass Frau Rigozzi bei SRF nicht festangestellt ist, entscheidend ist, dass sie im öffentlich-rechtlichen TV eine politische Sendung moderiert. Das passt nicht zu den bisherigen Engagements, die sie bisher hatte (und hat, zum Beispiel Werbeauftritte für Kleinkredite). Es sollte für ALLE, die bei SRF moderieren, ein striktes Werbeverbot gelten! Weshalb macht der von der Schweizer Bevölkerung finanzierte Sender SRF immer wieder solch unverständliche Fehler? Es ist hanebüchen, dass man für SRF, der sich kaum noch von einem kommerziellen Schmuddelsender unterscheidet, Zwangsgebühren bezahlen muss. Hört endlich auf mit dieser Quotenbolzerei auf Kosten der Qualität. Früher war die Arena eine gute, spannende Sendung. Leutenegger und Rohr waren Top-Journalisten. Seit Herr Projer moderiert, schaue ich die Sendung nicht mehr, kann diese gekünstelten Moderationen und vor allem diese Manipulationen nicht mehr sehen. Die Arena hat seine Glaubwürdigkeit verloren.
  • Markus Schild, 04.06.2017 12:17 Uhr
    Herr Projer redet am Stein des Anstosses vorbei, respektive scheint ihn gar nicht zu sehen. Ob gewollt oder weil er einfach zu einer objektiven Analyse nicht in der Lage ist, sei dahingestellt. Wenn z.b. ein Thema wie "Armut in der Schweiz", oder "Banken" in der Arena ansteht, kann Frau Rigozzi schlicktweg nicht objektiv agieren. Denn sie wird von einer Kleinkredit-Frima finanziell unterstützt und hilf im Gegenzug mit ihrer Bekanntheit mit, dass sich durch solche höchst zweifelhaften Produkte viele Leute verschulden! Herr Projer nennt sich Journalist, diese unbestreitbare Sachlage, sieht er aber nicht. Ein Armutszeugniss für ihn und das SRF, welches eine dieses journalistische No-Go überhaupt zulässt.
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