28.11.2021

SRG

Cina führte Abgangsgespräche mit Marchand

Eine Absetzung des Generaldirektors Gilles Marchand sei schliesslich für den Verwaltungsrat nicht Betracht gekommen, sagt Präsident Jean-Michel Cina in einem Interview mit der Schweiz am Wochenende. Deutliche Worte findet der 58-Jährige zur geplanten SVP-Initiative gegen die SRG.
SRG: Cina führte Abgangsgespräche mit Marchand
«Als die Untersuchungsresultate vorlagen, war klar, dass die persönliche Integrität des Generaldirektors nicht in Frage gestellt ist», sagt SRG-Verwaltungsratspräsident Jean-Michel Cina. (Bild: Keystone/Peter Schneider)

Nachdem im vergangenen Jahr Fälle sexueller Belästigung beim Westschweizer Radio und Fernsehen RTS publik wurden, geriet der ehemalige RTS-Direktor und heutige SRG-Generaldirektor Gilles Marchand in Bedrängnis. Nun bestätigt SRG-Verwaltungsratspräsident Jean-Michel Cina in einem Interview mit der Schweiz am Wochenende, dass mit dem Generaldirektor über dessen mögliche Abberufung gesprochen worden sei: «Der Verwaltungsrat hat mit Gilles Marchand in Erwartung der Genfer Untersuchungsergebnisse verschiedene Szenarien erörtert. Das gehört zu einer professionellen Führung. Als die Resultate vorlagen, war klar, dass die persönliche Integrität des Generaldirektors nicht in Frage gestellt ist.» Deshalb sei eine Absetzung nicht in Betracht gekommen.

Wegbrechende Werbeeinnahmen, Abgänge von Aushängeschildern und vieles mehr: Auch sonst hat die SRG mit Problemen zu kämpfen. Dass sie deshalb in einer Krise stecke, bestreitet Cina jedoch gegenüber CH Media: «Wir erleben eine Phase der Transformation, des Umbaus. Dazu kommt ein Sparprogramm und das in Zeiten der Pandemie. Wir wollen die Unternehmenskultur verbessern. Das ist anstrengend und anspruchsvoll.» Auch könne dies zu Unzufriedenheit und Unsicherheiten führen.

«Keine Alternative zur digitalen Transformation»

Weiter betont der SRG-Präsident, dass es «keine Alternative zur digitalen Transformation» gebe. Zwar würden 80 Prozent ihrer Inhalte immer noch linear genutzt, doch das Nutzungsverhalten habe sich schnell verändert, worauf die SRG reagieren müsse. «Wir gehen davon aus, dass die Hälfte des Angebots in fünf Jahren digital konsumiert wird», sagt Cina in der Schweiz am Wochenende.

Diese mit Gebührengeldern unterstützte Digitaloffensive wird von den privaten Medien seit geraumer Zeit kritisiert. Dazu sagt Cina im Zeitungsinterview: «Wir erstellen audiovisuelle Inhalte, das ist unser Kernauftrag. Ich sehe nicht ein, wieso wir sie nicht auf neuen Kanälen und Plattformen verbreiten sollen.»

Diesen Sommer wurde bekannt, dass die SVP eine Initiative gegen die SRG plant. Eine mögliche Stossrichtung wäre eine Senkung der jährlichen Radio- und Fernsehgebühren für Privathaushalte von heute 335 auf 200 Franken (persoenlich.com berichtete). Darauf angesprochen wird Cina gegenüber der Schweiz am Wochenende deutlich: «Eine Halbierung der Abgabe würde zu einem Kahlschlag führen: Die audiovisuelle Branche in der Schweiz würde leiden, die Kultur, die Medienvielfalt. Das Angebot für die sprachlichen Minderheiten müsste stark reduziert werden.» (tim)



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Kommentare

  • Victor Brunner, 28.11.2021 08:38 Uhr
    Cina sollte sich überlegen warum die SVP eine Initiative gegen SRG plant. Versprechen, Unterbrecherwerbung, wurden gebrochen, Programm wird immer dürftiger, die unsinnige Formel 1 ausgebaut, neu auch "Minirennen. In 2 bis 3 Jahren werden noch Grümpelturniere übertragen, Transformation geht in die Binsen, zu teuer, zuwenig gefragt. Innovation nur auf dem Papier. Bei Newsroom werden Gebühren verschleudert, das gesamte Programm wird dürftiger. Arena und Club die jahrzehntealten Diskussionssendungen nur noch zum wegzappen. Beim Radio wird Musik zwischen den einzelnen Nachrichten, als Neuerung verkauft, Schwachsinn. "Persönlich" früher eine gute Sendung beim Radio am Sonntagmorgen wird zur Fernsehsendung obwohl mittlerweile interessante DiskussionsteilnehmerInnen mit der Lupe gesucht werden müssen. Weder bei Radio noch bei TV keine politisch wirklich anspruchsvolle Sendungen. Cina, Wappler, Marchand und andere sind krasse Fehlbesetzungen, mit denen wird weder Fernsehen noch Radio besser. Insofern ist die Initiative der SVP eine Verzweiflungstat um den Schaden der ZwangsgebührenzahlerInnen zu minimieren!
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