09.10.2018

Teleclub Sport

«Das war mein grösstes Projekt ever»

Die Champions League ist in vollem Gang. Seit sich Teleclub Sport die Übertragungsrechte gesichert hat, rührt Claudia Lässer als Leiterin des Sportsenders mit der grossen Kelle an. Ein Gespräch über die Königsklasse, Kilchsperger und Kinder.
Teleclub Sport: «Das war mein grösstes Projekt ever»
«Ich kann zwar Fussball spielen, aber: Ich habe null Talent», sagt Claudia Lässer, Leiterin Teleclub Sport. (Bild: Ellin Anderegg)
von Christian Beck

Frau Lässer, können Sie eigentlich Fussball spielen?
Mein grosser Vorteil ist, dass ich Lehrerin war – da muss man alles können. Breitensport war Bestandteil der Turnausbildung. Ich müsste ja den Kindern das Fussballspielen beibringen können. Auch meine vierjährige Tochter Linn will draussen Fussball spielen. Ich kann zwar spielen, aber: Ich habe null Talent.

Mittlerweile ist Fussball Ihr Leben. Die Gruppenphase der Uefa Champions League ist in vollem Gang. War der Start auf Teleclub auch Königsklasse?
Ich war happy und auch sehr erleichtert. Es war eine unglaublich intensive Zeit. Der Projektstart war im Januar, und wir hatten nur sechs Monate Zeit, bis wir on air gingen. In dieser Zeit haben wir das Studio umgebaut, neue Mitarbeiter ins Team integriert und das neue Sendekonzept aufgesetzt. Es war eine Spitzenleistung des gesamten Teams. Am Abend, als es losging – es war der 21. August –, war ich so nervös wie nie zuvor. Als ich dann sah, wie alles passte, wie Roman Kilchsperger und das Expertenteam harmonierten, war es einer jener Momente, in denen ich jeweils denke: Habe ich einen geilen Job.

Kilchsperger sagte, er wolle in die Sendungen etwas «Stammtisch-Groove» hereinbringen (persoenlich.com berichtete). Mussten Sie nie intervenieren?
Nein, bis jetzt noch nicht. Er macht das im Sport richtig, richtig gut. Er ist enorm fachkompetent und weiss exakt, wo er die Highlights einfach glatt runterspielen muss und wo Entertainment angebracht ist. Roman hat ein sehr gutes Gespür dafür, was beim Publikum ankommt und was nicht.

«Ich hatte keinen Plan B»

Und Kilchsperger war von Beginn weg Ihr Wunschkandidat?
Ja. Als klar war, dass wir die Übertragungsrechte der Champions League erhalten, wusste ich: Es gibt nur einen, und das ist Roman. Ich hatte keinen Plan B.

Sie tragen so richtig dick auf: ein 300 Quadratmeter grosses Studio, eine Reihe von Kommentatoren-Kabinen, in denen parallel bis zu 24 Spiele kommentiert werden. Haben Sie da noch den Überblick?
Das war mein grösstes Projekt ever, es war aber auch für mein Team eine grosse Herausforderung. Die ganze Organisation wurde auf einen Schlag wesentlich aufwendiger. Wir sind jetzt bei jährlich 429 Livestudios und produzieren an 320 Tagen. Da steckt eine grosse Logistik dahinter. Wir mussten diverse neue Workflows erarbeiten, die möglichst effizient mit nicht wirklich vielen Leuten funktionieren. Zudem habe ich mit Produktionsleiter Benno Zimmermann einen unglaublich kompetenten Mann an meiner Seite. Er hat die Produktion im Griff, ich die Programmseite. Wir zwei arbeiten eng und sehr gut zusammen, und das ist eine grosse Stärke.

Sie müssen folglich auch loslassen und delegieren können ...
Gerade deshalb braucht es ein gutes Team. Und aus diesem Grund stelle ich auch jeden neuen Mitarbeiter zusammen mit den jeweiligen Leitern nach wie vor selbst ein (lacht). Der Teamspirit soll über allem stehen. Ich glaube, dass das eine meiner Stärken ist: Ich habe ein gutes Gespür dafür, was zusammenpasst und was nicht. Da drückt wohl auch das Frausein durch (lacht). Mir ist es wichtig, dass es zwischenmenschlich funktioniert. Bei der Produktion müssen alle Freude haben, miteinander zu arbeiten.

Und Sie selbst sind quasi die Regisseurin in Bezug auf das Personal...
Ja, in Bezug auf die Zusammenstellung der Teams bestimmt. Ich bin in gewissen Bereichen sehr operativ tätig. Mir ist es wichtig, im Detail drin zu sein. Das hilft mir enorm. Dadurch spüre ich, wo die Probleme sind.

«Ich wollte nah dran sein»

Teleclub Sport zeigt über 5000 Live-Übertragungen pro Jahr. Wie viele davon schauen Sie sich selbst an?
Ich schaue sehr viel Sport. Vermutlich ist deshalb meine Tochter so ein Fussballfan (lacht). Am Wochenende sehe ich die Raiffeisen Super League, weil wir jeweils am Montag alle Debriefings durchführen und die Qualitätssicherung uns allen wichtig ist. Wenn es live nicht möglich ist, dann zeichne ich auf und schaue mir am Sonntagabend die Live-Studios und die Spiele an. Bei den Champions-League-Spielen war ich bis jetzt beinahe jeden Abend im Studio anwesend. Ich wollte auch nah dran sein, um zu spüren, ob man allenfalls an einem Hebelchen noch etwas nachjustieren muss. Bei der italienischen Serie A schaue ich stichprobenartig rein. Für Talks und Eigenformate nehme ich mir rund alle zwei Wochen mal eine Stunde Zeit.

Sie zappen also viel. Welche Spiele schauen Sie ganz?
Die Champions-League-Spiele schaue ich natürlich in der vollen Länge, ebenso die Raiffeisen Super League. Ich gehe auch manchmal ins Stadion, wenn auch mittlerweile unregelmässig – ich schaffe das vielleicht vier, fünf Mal pro Jahr. Zudem habe ich das Glück, dass auch mein Partner sehr fussballaffin ist. Ich würde ihm sonst vermutlich sehr auf den Keks gehen (lacht).



Das ausführliche Interview mit Claudia Lässer finden Sie in der aktuellen «persönlich»-Ausgabe, die in diesen Tagen erscheint. Darin spricht Lässer auch über Mitarbeiter, die zu MySports abgewandert sind, über den Teleclub-Talentpool und ihren persönlichen Weg als Frau in der Geschäftswelt.



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