19.07.2005

"Der Emmy ist jetzt noch die Sahne oben drauf"

Mit der US-Version seiner Dok-Koproduktion "Feuer an Bord -- Die Tragödie von Swissair Flug 111" holte sich Kurt Schaad gleich zwei Nominationen für den prestigeträchtigen US-Fernsehpreis "Emmy". Selbst für den wohl fleissigsten Sammler von Filmauszeichnungen am Leutschenbach ist dies eine "Wahnsinnsüberraschung". "persoenlich.com" hat den Redaktionsleiter von "SF Spezial" zu seinem Erfolgsrezept und den Gewinnchancen beim "Emmy" befragt.
"Der Emmy ist jetzt noch die Sahne oben drauf"

Herr Schaad, Gratulation zu den Emmy-Nominierungen. Sie haben bereits grosse Routine in Sachen Preisgewinne. Welchen Stellenwert haben für Sie diese Nominierungen?

Die Nominierung für den "Emmy" ist eine Wahnsinnsüberraschung und hat einen extrem hohen Stellenwert. Der "Emmy" ist der Olymp der Fernsehpreise. Das sieht man auch, wenn man die Liste der mit uns Nominierten betrachtet. Darauf stehen so renommierte Leute wie Peter Jennings von ABC oder Tom Brokaw von NBC.

Offenbar kennen sie das Rezept, wie man Preise gewinnt. Verraten Sie es uns?

Ich habe das Privileg, Sendungen machen zu können, für die man mir viel Zeit zur Entwicklung einräumt. In diesem speziellen Fall muss ich meinem Arbeitgeber SF DRS ein Kränzchen winden. Ich konnte während viereinhalb Jahren an diesem Film arbeiten. Ein Film, der nicht einfach alltägliche Ware ist, an dem man länger arbeitet und sich entsprechend intensiv mit dem Thema auseinandersetzen kann, hat sicher bessere Chancen auf grössere Aufmerksamkeit. Dadurch steigen auch die Chancen auf einen Preisgewinn. Es braucht aber immer auch Glück. Wesentlich scheint mir, dass ich bei allen Sendungen, die mit Preisen ausgezeichnet wurden, Teil eines guten Teams war. Ob bei "Karussell", der Live-Durchsteigung der Eiger-Nordwand oder jetzt dem SR111-Film.

Ihren DOK-Film haben Sie zusammen mit dem Kanadier Howard Green realisiert. Für die nominierte US-Version kam noch Produzent Cass Sapir dazu. Wäre der Film ohne Beteiligung aus Übersee dort überhaupt wahrgenommen worden?

Nein, natürlich nicht. Man muss ja sehen, wie das ganze entstanden ist. Zunächst einmal besteht eine Zusammenarbeit zwischen dem kanadischen TV-Sender CBC und SF DRS. Ich ging im November nach dem Absturz nach Halifax und habe bei den Verantwortlichen der Untersuchungsbehörden mein Interesse an einem Dokumentarfilm über den Unfall bekundet. Dort wurde freundlich genickt, gehört habe ich aber zunächst nichts mehr. Daraufhin habe ich wieder nachgehakt. Es wurde mir gesagt, es gebe einen Kanadier, Howard Green, der die gleiche Idee verfolge. Schliesslich wurde mir vorgeschlagen, das Projekt zusammen mit Green zu realisieren. Wir haben uns getroffen und wussten sofort, dass es funktionieren wird, da wir gleich dachten und arbeiteten. Inzwischen hat sich auch eine echte Freundschaft zwischen Howard und mir entwickelt. Für die US-Version wollten die Amerikaner vom Sender WGBH in Boston einen eigenen Produzenten miteinbringen. So kam Cass Sapir mit ins Spiel, der ja für den Emmy auch mitnominiert ist. Howard Green hat eine kanadische Version gemacht und ich eine Schweizerische.

Für den amerikanischen Markt musste eine US-Version produziert werden. Welche Veränderungen haben Sie vorgenommen?

Die verschiedenen Versionen unterscheiden sich in der grossen Linie nicht, aber in den Details. Unsere Schweizer Version des Films wurde zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Schlussberichtes ausgestrahlt. Die Amerikaner liessen sich ein weiteres Jahr Zeit. Es wurden zusätzliche Recherchen im Bereich der Flugsicherheit gemacht. Es sollte aufgezeigt werden, was aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse über diesen Unfall unternommen wurde, um die Flugzeuge sicherer zu machen. Speziell der Punkt mit den entflammbaren Isolationsmatten wurde in der US-Version unseres Filmes von einem US-Experten nochmals aufgegriffen. Der Schwerpunkt ist aber auch hier unsere Dokumentation der Unfalluntersuchung. Deshalb ist diese Version auch in Zusammenarbeit mit Howard Green und mir entstanden.

Welche Gewinnchancen rechnen Sie sich bei den "Emmys" aus?

Wir haben mit dem Film bereits absolut überraschend einen "Gemini-Award“, den kanadischen Fernseh-Oscar, gewonnen. Das ist bis jetzt die grösste Anerkennung für uns. Der Emmy ist jetzt noch die Sahne oben drauf. Nur schon nominiert zu sein, ist der Hammer. Sieht man in welcher Gesellschaft von bekannten amerikanischen Fernsehgrössen wir uns befinden, glaube ich nicht, dass wir grosse Chancen in der Kategorie "Outstanding Investigative Journalism" haben. In der Kategorie "Outstanding Research“ stehen die Chancen möglicherweise besser, da unsere viereinhalbjährige Arbeit doch Spuren hinterlassen hat. Diese Nomination ist für mich persönlich auch wertvoller als die Nomination für den Film.

Themawechsel: Aktuell läuft auf SF 1 die SF Spezial-Reihe "Fernweh -- Einmal im Leben". Im Blick wurde SF DRS vorgeworfen, dass damit Mitarbeitern Ferien bezahlt würden. Sind Sie tatsächlich Leiter eines Reisebüros?

Überhaupt nicht. Ich wehre mich grundsätzlich gegen die Behauptung, dass Reporter in die Ferien geschickt werden. Wir machen professionelle Arbeit. Die Reisesendungen gefallen den Zuschauern, haben gute Marktanteile und gute Bewertungen, und das seit 12 Jahren. Der Blick war bei solchen Reisen schon mehrmals selber dabei und hat uns immer mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt. Man weiss also, was wir machen. Nämlich harte Knochenarbeit. Zudem produzieren wir sehr günstig -- mit minimalstem Aufwand: Der Reporter reist alleine mit der Kamera, die Geschichten werden von hier aus recherchiert, vorgängige Rekognoszierungen gibt es nicht. Was zählt ist, dass die Reporter gute Geschichten heimbringen und die Sendung den Zuschauern gefällt. Und das ist uns bis jetzt gelungen.

Wohin gehen Sie in die Sommerferien?

Im Sommer habe ich leider nie Zeit, um in die Ferien zu gehen, da arbeite ich für das Sommerprogramm.


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