28.06.2005

SF DRS

Der Sender zelebriert sich in der "Tagesschau"

"Deltenre-TV für Konsumfreudige".

SF DRS zeigte am vergangenen Sonntag in der Spätausgabe der Tagesschau nicht die Wahlen im Iran als wichtigste Meldung und auch nicht die Toten im Irak. Nein, Martin Bachofners Sieg im "Traumjob" war die Meldung des Tages. Dies sorgt in der Schweizer Presse für Unmut -- und bissige Kommentare. Für Jürg Rahmspeck, Kolumnist des Blicks, hat sich die "Tagesschau" mit diesem Beitrag selber "signifikant ausser Dienst gestellt". Besonders auf die Palme bringt Rahmspeck, dass den Zuschauern eine Konserve als Breaking News verkauft wurde: Der Gewinner des Manager-Wettbewerbs stand schon seit vier Monaten fest. Der Kolumnist zweifelt denn auch daran, ob die "Tagesschau"-Redaktion zwischen Realität und Fiktion noch zu unterscheiden wisse.

Jean-Martin Büttner vom Tages-Anzeiger registriert derweil nicht ohne Zynismus, dass man dank der "Tagesschau" den "bäumigen" Marquard im Kreise der Seinen sehe. Dazu scheine mittlerweile auch Ingrid Deltenre zu gehören. Die Freude Marquards, die im Beitrag zum Vorschein kommt, versteht Büttner nur allzu gut: "Seit dem Papstbesuch war SF DRS keinem Gast mehr dermassen zu Diensten, hat niemandem so vorbildlich zur Selbstinszenierung verholfen, hat für ihn recht eigentlich eine unterbrechungsfreie Werbesendung installiert: "Deltenre-TV für Konsumfreudige". "Sind die Kritiker missgünstige Moralisten?" fragt sich Büttner getreu des Themas des "Zischtigs-Clubs", der sich am Dienstag bereits wieder der Casting-Sendung widmete. "Aber keinesfalls: Wir Gebührenzahler mit unserem kleinen Leben können uns nichts Spannenderes vorstellen, als einem Selbstdarsteller und seiner ganzen Entourage beim neureichen Rezepteverteilen abfendfüllend zuzuschauen."


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