07.09.2009

Qualitätsjournalismus

Deutsche Journalisten verfassen "Web-Manifest"

17 Behauptungen, wie Journalismus heute funktioniert.

Eine Gruppe namhafter deutscher Journalisten und Blogger hat ein "Netz-Manifest" verfasst. Es umfasst 17 Behauptungen, die laut den Autoren zusammenfassen, "wie Journalismus heute funktioniert". Sie sind davon überzeugt, dass sich auch bei der Online-Berichterstattung Qualität durchsetzt und finanzieren lässt. Das Manifest sei auch als Kritik am mangelnden Realitätssinn und den fragwürdigen Web-Konzepten der Verlage zu verstehen, überliefert Meedia.de einen Kommentar der Verfasser.

Unter ihnen befinden sich unter anderem Journalist Mario Sixtus (der "Elektrische Reporter" des ZDF), der Werber, Blogger und Autor Sascha Lobo, "Spreeblick"-Gründer Johnny Haeusler, Bachmann-Preisträgerin Kathrin Passig, "Bildblog"-Gründer Stefan Niggemeier und "Handelsblatt"-Redakteur Thomas Knüwer.

Die erste Behauptung lautet: "Das Internet ist anders". Dazu schreiben die Verfasser: "Die Medien müssen ihre Arbeitsweise der technologischen Realität anpassen, statt sie zu ignorieren oder zu bekämpfen. Sie haben die Pflicht, auf Basis der zur Verfügung stehenden Technik den bestmöglichen Journalismus zu entwickeln – das schliesst neue journalistische Produkte und Methoden mit ein."

Die zweite Behauptung besagt: "Das Internet ist ein Medienimperium in der Jackentasche". Dies bedeutet: "Veröffentlichung und Verbreitung medialer Inhalte sind nicht mehr mit hohen Investitionen verbunden. Das Selbstverständnis des Journalismus wird seiner Schlüssellochfunktion beraubt – zum Glück. Es bleibt nur die journalistische Qualität, die Journalismus von blosser Veröffentlichung unterscheidet."

Punkt zwölf ("Tradition ist kein Geschäftsmodell") geht gegen die Verlagsforderungen für einen Leistungsschutz. In dem Absatz heisst es: "Mit journalistischen Inhalten lässt sich im Internet Geld verdienen. Dafür gibt es bereits heute viele Beispiele. Das wettbewerbsintensive Internet erfordert aber die Anpassung der Geschäftsmodelle an die Strukturen des Netzes. Niemand sollte versuchen, sich dieser notwendigen Anpassung durch eine Politik des Bestandsschutzes zu entziehen."

Die Verfasser kommen schliesslich zu dem Schluss: "Das Internet macht es möglich, direkt mit den Menschen zu kommunizieren, die man einst Leser, Zuhörer oder Zuschauer nannte - und ihr Wissen zu nutzen. Nicht der besserwissende, sondern der kommunizierende und hinterfragende Journalist ist gefragt." – Die Thesen waren heissbegehrt: Weil die 15 Mitverfasser alle nahezu gleichzeitig auf die 17 Thesen hinwiesen, war die eigens eingerichtete Web-Seite erst mal nicht mehr erreichbar. (meedia.de)


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