27.05.2010

"Die Blick-Gruppe startet eine digitale Offensive"

Verleger Michael Ringier gab der französischen Zeitung "Le Figaro" ein irritierendes Interview. Seine Aussagen: "Das iPad ist bislang nur eine Spielerei" und "Das iPad wird die gedruckte Presse nicht retten". Darauf schrieb die "Süddeutsche Zeitung", dass Ringier im Gegensatz zu Partner Springer nicht aufs iPad setze. Ringier-intern verunsicherten die Zeilen, kommunizierte das Management doch stets, die Printprodukte möglichst schnell für Geräte wie den iPad zu digitalisieren. "persoenlich.com" fragte bei Ringier-Schweiz-Chef Marc Walder nach, wie nun die Aussagen von Verleger Michael Ringier zu interpretieren sind. Das Interview:
"Die Blick-Gruppe startet eine digitale Offensive"

Herr Walder, Michael Ringier glaubt im Interview mit "Le Figaro" nicht so recht an den iPad, obwohl Sie und Ihr Management vom iPad total begeistert sind und die Digitalisierung forcieren. Setzt Ringier nun nicht mehr auf das Tablet von Apple?

Nein, das stimmt so selbstverständlich nicht. Michael Ringier hat in jenem Interview mit Figaro folgendes dargelegt, wortwörtlich und als Titel der Story genutzt: 'Das iPad wird die gedruckte Presse nicht retten.' Und da hat Michael Ringier auch absolut recht. Das Medienhaus Ringier setzt aber konsequent darauf, die bestehenden und hervorragend positionierten Print-Marken auch auf den digitalen Kanälen anzubieten. Bester Beweis ist eine grosse, digitale Offensive, die die BLICK-Gruppe in den kommenden Wochen startet.

Wie sieht diese Offensive aus?

Wir werden gleich mehrere neue iPhone-Applikationen lancieren. Die erste davon, eine innovative Fussball-WM-Applikation der BLICK-Gruppe, ist übrigens genau seit heute im iTunes-Store erhältlich.

Und was plant der Ringier-Verlag bezüglich iPad?

Wie damals beim Internet ist davon auszugehen, dass mit der Zeit alle heute auf Papier erhältlichen Inhalte auch auf dem iPad eine Präsenz haben werden. Ringier wird in einer ersten Phase die bestehenden Titel wie BLICK, Schweizer Illustrierte und Cicero auf das iPad bringen.

Wie weit ist Ringier mit der Umsetzung? Wann kommt die App?

BLICK kommt mit allen seinen neuen Applikationen noch bis zur Fussball-WM auf den Markt. Schweizer Illustrierte und Cicero noch diesen Sommer. Wir arbeiten daran. Die Weisung im Haus ist glasklar: Wir wollen Innovationsführer sein im Land.

Was verspricht sich das Verlagshaus davon? Neue Einnahmenquellen?

Das iPad ist neben den Smartphones, dem stationären Internet, Print, Radio oder TV ein weiterer Kanal, ein weiteres Medium, über das wir unsere Inhalte unseren Lesern anbieten. Wir nutzen sie alle. Wir sind davon überzeugt, dass mobiles Internet bei den Lesern monetisierbar ist. Man bezahlt für Applikationen, wenn sie gut sind. Das hat man bereits gelernt.

Und wer bestückt dieses neue Medium? Die bestehende Redaktion?

Wir haben mit dem Integrierten Newsroom der Blick-Gruppe ideale Strukturen für solche neue Träger geschaffen und sind deshalb bereit für die digitale Zukunft. Michael Ringier hat es immer gesagt: Die Anzahl Journalisten im Newsroom wird eher wieder zunehmen. Genau so ist es.

(Interview: Christian Lüscher)


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