Es blochert wieder auf allen Kanälen. Für einen, der angeblich krank, vorbei und absolut chancenlos sein soll, ein erstaunliches Phänomen. Wie viele Wälder hätte man beim Verzicht auf all die Blocher-Nekrologe der letzten Tage retten können? Es sei langsam unerträglich, klagte mir ein bekannter Journalist um Blocher anschliessend in seine Sendung einzuladen.
Dabei stellt sich für den Journalisten keineswegs die Frage, ob man über Blocher berichtet, sondern vielmehr, wie man dies rechtfertigt. Blocher als Gegen-Obama. Selbst die sonst gelassene "NZZ" verliert beim Stichwort Blocher jegliche Contenance und hub zum Dauerbashing an. Eine spezielle Form von publizistischer Vernebelungstaktik hat die "Magazin"-Redaktion aus dem Hause Tamedia gewählt, um einen möglichen Sympathiebeweis zu tarnen. Um die vielseitige Sonderausgabe von gestern Titel "Der Mensch Blocher" zu rechtfertigen, kündete man umwerfende Erkenntnisse an. Beispielsweise, dass der 68-jährige Protestant ist, einen Auftrag hat und seinen Gästen sogar die Hand gibt. Fazit: Auch Blocher agiert wie ein Mensch.
Oder noch eine Frage was würde Ringier-Chefpublizist Frank A. Meyer (FAM) eigentlich ohne Blocher machen? Im Gleichklang mit den bösen Abzockern schreibt der selbst ernannte Überintellektuelle in seiner Kolumne im "Sonntags-Blick" den noch böseren Mann aus Herrliberg kontinuierlich weg. Vor einigen Wochen verstieg er sich zu einer besonders galanten Analyse: Die «"Weltwoche" sei Blochers publizistisches "Boudoir", deren Chefredaktor dessen journalistischer "Lustknabe" und der Internetkanal Tele Blocher "die perverseste Liebesdienerei" im Schweizer Journalismus.
Sollte Blocher wirklich einmal abtreten, müsste sich FAM ernsthaft mit jemand neuem auseinandersetzen. Wie wäre es mit Sigmund Freud?

